Theater zur Migration und Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

Foto: Archiv von Štěpánka Budková

So langsam rückt der Jahrestag näher: Demnächst wird weltweit an den Ausbruch des Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren gedacht. In Wien ist dazu eine interessante Ausstellung geplant. Über diese und über das weitere Programm des Tschechischen Zentrums in der österreichischen Hauptstadt nun mehr im Interview mit dem Leiter der Institution, Martin Krafl.

Kamila Polívková (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Wien)
Herr Krafl, über drei Themen wollen wir heute sprechen. Für das erste müssen wir in die Schweiz, genauer gesagt nach Zürich. Dort unterstützt das Tschechische Zentrum Wien eine internationale Theaterplattform mit dem Titel „Transit Zürich“, weil die Tschechin Kamila Polívková eines von sechs Theaterstücken inszeniert hat. Vielleicht können Sie die Regisseurin und die Veranstaltung einmal vorstellen…

„Ganz allgemein sind bei Transit Zürich junge europäische Regisseure nicht nur aus Tschechien, sondern auch aus den Niederlanden, Deutschland, Griechenland, Spanien und Frankreich nach Zürich eingeladen. Sie haben unterschiedliche Schauspieltraditionen im Gepäck, eigene Handschriften und diverse Arbeitsweisen. Und sie sind in ganz Europa tätig. Dadurch sind sie selbst Experten in einem Leben im Transit. Die sechs europäischen Regisseure, darunter wie erwähnt auch Kamila Polívková, sind zum ersten Mal in Zürich tätig und treffen auf sechs in der Schweiz verwurzelte Autoren. Gemeinsam richten sie den Blick auf die Stadt. Das Ergebnis sind dann sechs Streifzüge durch die Stadt- und Migrationsgeschichte, die in Form von sechs Werkstattinszenierungen inklusive Diskussionen präsentiert werden. Die Theaterstücke werden im Zürcher Schiffbau aufgeführt. Kamila Polívková ist eine Bühnenbildnerin und Regisseurin aus Prag. Sie hat am Prager Kammertheater inszeniert, wo sie ab 2007 auch als Grafikdesignerin und Fotografin tätig war. Im deutschsprachigen Raum arbeitet sie regelmäßig mit dem Regisseur Dušan David Pařízek zusammen, unter anderem auch am Burgtheater Wien. Derzeit ist sie Hausregisseurin am Theaterstudio der Helden in Prag.“

Schloss Náměšť nad Oslavou in Südmähren (Foto: Archiv Radio Prag)
Wann sind die Aufführungen?

„Die Premiere des Stücks von Polívková findet am 22. Mai statt. Und die weiteren Termine sind: 24. Mai, 30. Mai und 5. Juni, jeweils um 19.30 Uhr.“

Das nächste Thema ist historisch, denn es geht um die Grafschaft Náměšť nad Oslavou. Um unseren Hörern eine Vorstellung zu geben: Wo liegt das?

„Náměšť nad Oslavou liegt nicht weit weg von Telč in Südböhmen. Die Veranstaltung wurde deswegen nicht nur zusammen mit der Schlossverwaltung in Náměšť, sondern auch mit dem Nationalen Denkmalschutzamt in Telč geplant.“

Das heißt, am 17. Juni wird es bei Ihnen im Tschechischen Zentrum also ein Kontrastprogramm zur Fußball-WM geben, und zwar eine Buchpräsentation zur Grafschaft Náměšť nad Oslavou / Namiest an der Oslawa. Was ist bei dieser Präsentation geplant?

„Die Präsentation findet anlässlich der Herausgabe des Buches ‚Náměšť im Wandel der Zeiten‘ statt. Johanna Haugwitz-El Kalak, die Tochter des letzten Schlossbesitzers, hat das Buch herausgegeben. Sie lässt dort jene Personen beleuchten, deren Wirkungskreis über die Region hinausreichte. Dabei werden die Themen Politik, Religion, Linguistik und Kunst aufgegriffen. Das Buch lässt die wechselhafte Geschichte der Herrschaft Náměšť wieder lebendig werden. Dabei blickt eine Reihe renommierter Autoren auch auf die Zeit vor dem Jahr 1752 zurück. Damals kaufte Friedrich Wilhelm Graf Haugwitz, der oberste Kanzler von Kaiserin Maria Theresia, die Herrschaft. Johanna Haugwitz-El Kalak hat Geschichte und Germanistik an der Universität in Wien studiert und war lange Jahre als Mittelschulprofessorin tätig sowie als Lehrerin in der Erwachsenenbildung. Jahrzehntelang lebte sie zwischen zwei Welten: in Wien und in Riad. Seit den 1990er Jahren bemüht sie sich um die Erneuerung der musikalischen Tradition auf Schloss Náměšť - und das in Zusammenarbeit mit tschechischen Partnerinstituten.“

Franz Ferdinand d´Este mit seiner Familie
In diesem Jahr ist es eines der wichtigsten Themen in den Medien überhaupt: der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Auslöser war damals ja das Attentat auf den österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand d´Este am 28. Juni 1914. Sie haben nun eine Ausstellung geplant, wer hat diese zusammengestellt und was wird dort zu sehen sein?

„Die Ausstellung trägt den Titel ‚Man spricht vom Krieg‘. Zusammengestellt wurde sie von der Agentur Protisk, in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe ‚Projekt Bremen – Böhmen‘ und mit den Künstlern im Umfeld der Galerie ‚Millenium‘ in Prag. Allgemein handelt es sich um einen Dialog der Künstler über den Ersten Weltkrieg. Die genannten Künstler beschäftigen sich nun seit zwei Jahren mit dem Krieg, sie studieren historische Quellen und suchen nach Parallelen zum heutigen Leben. Mit bildnerischen Mitteln nähern sie sich dann der Fragestellung an, wie es zu diesem Desaster des Ersten Weltkriegs kommen konnte, welche Stimmungen und Hoffnungen die Menschen damals bewegt haben. Thematisiert werden die brüchige Heiterkeit, die instabile Grundstimmung und ihre Übertragung auf die politische und gesellschaftliche Lage von heute. Dabei werden Bilder verwendet, die sowohl die damalige Zeit, als auch die Gegenwart charakterisieren. Die Ergebnisse werden in einem Ausstellungsprojekt präsentiert, das im März in Bremen startete, momentan in Prag und Benešov zu sehen ist, dann nach Wien und Sarajevo geht und schließlich im Dezember in Berlin abgeschlossen wird. Im Falle von Wien werden Werke von Eva Vones gezeigt. Sie ist Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Prag, emigrierte 1981 nach Österreich und war zuletzt bei Gruppenausstellungen im Künstlerhaus Klagenfurt, Kunsthaus Brünn und Egon Schiele Art Centrum Krumau vertreten.“

Von wann bis wann wird bei Ihnen im Zentrum die Ausstellung zu sehen sein?

„Die Vernissage findet am Mittwoch, 25. Juni statt, um 19 Uhr. Die Ausstellung wird dann bis zum 11. September dieses Jahres in der Galerie des Tschechischen Zentrums Wien gezeigt.“

Autor: Till Janzer
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