Trainer Bílek bleibt, solange eigenwillige WM-Rechnung aufgeht

Michal Bílek (Foto: Filip Jandourek, Tschechischen Rundfunks)

Der tschechische Fußball hat auf nationaler Ebene ein Problem. Es ist ein Trainerproblem und heißt Michal Bílek. Das ist zumindest die Meinung der Fans, die die oft fahrige und holprige Spielweise der Nationalmannschaft schon mehrfach mit Pfiffen und „Bílek raus“-Rufen quittiert haben. Nach der 0:3-Heimpleite gegen Dänemark hatte sich auch Verbandschef Miroslav Pelta der Trainerfrage angenommen. Am Dienstag haben nun die Verbandsoberen entschieden, vorerst alles beim Alten zu belassen. Bílek bleibt weiter Nationaltrainer.

Michal Bílek (Foto: Filip Jandourek, Tschechischen Rundfunks)
In der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien spielt die tschechische Mannschaft in der europäischen Gruppe B. Gegner sind neben Armenien und Malta auch Favorit Italien sowie Bulgarien und Dänemark. Die beiden letztgenannten Teams sind dabei die Kontrahenten, die es im Kampf um den zweiten Gruppenplatz zu schlagen gilt. Nach zweimal torloser Magerkost im vergangenen Herbst – 0:0 gegen Dänemark in Kopenhagen und 0:0 gegen Bulgarien in Prag – sollte jetzt im Frühjahr der Bock endlich umgestoßen werden. Im Heimspiel gegen die Dänen zählte nur der Sieg. Das Ergebnis war indes ernüchternd: eine 0:3-Pleite! Auch der Chef des tschechischen Fußballverbandes, Miroslav Pelta, war danach sichtlich zerknirscht:

„Für uns ist das ein Schock, denn ein 0:3 in einem solch wichtigen Spiel ist ein Ergebnis, das wir nicht akzeptieren können.“

Bei der Vertragsverlängerung mit Michal Bílek im Mai 2012 hatte Pelta noch getönt, dass der Nationaltrainer sein Vertrauen habe. Im Oktober, nach den dürftigen Vorstellungen im Herbst, relativierte er aber seine Worte. Sein Vertrauen gelte nicht uneingeschränkt, so Pelta. Weitere fünf Monate später –nach der Heimpleite gegen Dänemark – wäre die Entlassung Bíleks eine logische Konsequenz gewesen. Vier Tage danach folgte aber ein 3:0-Sieg über Außenseiter Armenien. Das stimmte den Fußballboss schon wieder versöhnlich, zumal sich auch die Spieler hinter Bílek stellten. Torwart Petr Čech:

Petr Čech (Foto: Filip Jandourek, Tschechischen Rundfunks)
„Ich bin nicht der Meinung, dass der Trainer jetzt gehen sollte, mitten in der Qualifikation, in der wir immer noch gute Chancen haben. Ich will mich gar nicht damit befassen, mir erscheint das überflüssig.“

Kapitän Tomáš Rosický äußerte sich ähnlich, so dass Pelta die Meinung der Leistungsträger sehr schnell zur seiner eigenen machte. Dazu trug vermutlich auch die etwas seltsame Rechnung bei, die Trainer Bílek gleich nach dem Armenien-Spiel präsentierte:

„Insgesamt kann jede Mannschaft 30 Punkte erreichen. Daher kann auch noch die Mannschaft, die elf Punkte verschenkt, sich für die Relegationsspiele der jeweiligen Gruppen-Zweiten qualifizieren. Die Dänen haben neun Punkte verloren, die Bulgaren acht und wir sieben. Daran kann man sehen, wie ausgeglichen es in dieser Gruppe zugeht.“

Nach Bíleks Rechnung darf sich die tschechische Mannschaft in ihren verbleibenden fünf Spielen noch zwei Unentschieden erlauben – zum Beispiel zu Hause und auswärts gegen Italien. Alle anderen Partien aber müssen gewonnen werden, darunter die Auswärtsbegegnung in Bulgarien. Ein Kinderspiel, könnte man meinen, wenn man jetzt die Entscheidung des Exekutivausschusses des Fußballverbandes als Maßstab nimmt. Seine zwölf Mitglieder verständigten sich am Dienstag darauf, Trainer Bílek im Amt zu lassen. Miroslav Pelta:

Miroslav Pelta (Foto: Filip Jandourek, Tschechischen Rundfunks)
„Mit eindeutiger Mehrheit sind wir der Meinung, dem Trainerstab nicht nur für das Heimspiel gegen Italien, sondern auch danach den Rücken zu stärken. Und zwar solange die Chance besteht, die WM-Endrunde in Brasilien zu erreichen.“

Nicht so rosig wird die Situation um Bílek von der anerkannten Tageszeitung „Sport“ gesehen. Sie titelte am Mittwoch, dass Pelta & Co. den „nationalen Gulasch á la Bílek“ nur konserviert hätten. Und sollte das Spiel gegen Italien am 7. Juni in Prag verloren gehen, dann gehe auch dessen Rechnung kaum noch auf. Es scheint also doch nur eine Frage der Zeit, wann Bílek gehen muss.

Autor: Lothar Martin
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