Trotz Coronakrise: Deutschsprachiges „Sommerkino“ gestartet

Doku ‚Gerhard Richter - Painting‘ (Foto: Filmarchiv)

Die Veranstaltungsreihe „Das Sommerkino“ bringt auch dieses Jahr wieder eine bunte Mischung an deutschsprachigen Filmen auf die Kinoleinwände in Prag und Brno / Brünn.

Kino Pláž (Foto: Archiv des Kinos Pláž)

Der Weg führt durch eine moderne Häuserschlucht und dann über viel Kies. Geht man dann noch eine kleine Holztreppe hinunter, gelangt man in das etwas versteckte Kino Pláž. Hier im Prager Stadtteil Holešovice läuft an diesem Donnerstagabend ein Film des Sommerkinos.

Rund 30 Zuschauer sind gekommen. Mit der Moldau im Rücken und weißem Sand zwischen den Zehen wird es sich gemütlich gemacht. Als es gegen zehn Uhr endlich dunkel genug ist, beginnt der Film. Es ist erst der zweite Festivalabend des Jahres im Kino Pláž. Denn durch die Corona-Pandemie hat sich das Sommerkino in diesem Jahr etwas nach hinten verschoben.

Quelle: Archiv des Filmfestes

„In den letzten Jahren begann das Sommerkino immer schon im Juni. Es lief also Juni, Juli und August, insofern haben wir einen Monat später angefangen. Das ist der Corona-Effekt gewesen. Als die Lockerungen kamen, haben wir relativ schnell entschieden, dass wir das Festival einfach nur im Juli und August machen möchten“, erklärt Sarah Polewsky, Projektkoordination beim Österreichischen Kulturforum in Prag.

Anders als viele weitere Kulturveranstaltungen konnte das deutschsprachige Sommerkino gerettet werden. Da die Filme ausschließlich im Freien gezeigt werden, gibt es neben allgemeinen Hygienemaßnahmen keine weiteren Einschränkungen. Und die Filmvorführungen können normal stattfinden. Es ist der fünfte Jahrgang, und er gilt als Einstimmung für das große „Filmfest“ im Herbst. Die Streifen laufen in deutschem Original mit tschechischen und teilweise englischen Untertiteln.

Fatih Akin (Foto: Manfred Werner, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Das Programm schöpft aus den Festivalfilmen der vergangenen Jahre. Bei der Auswahl können die beteiligten Kinos mitentscheiden.

„Wir haben natürlich große Namen im Programm wie Fatih Akin, Christian Petzold oder Doris Dörrie. Aber es lassen sich auch Filme zu Kunst oder Architektur finden“, beschreibt Klára Arpa. Sie ist im Prager Goethe-Institut zuständig für Film, Musik und Kunst, die Auswahl.

Dieses Jahr deckt das Programm eine breite Palette an Themen und Genres ab. Klára Arpa:

„In Prag zeigen wir zum Beispiel die Doku ‚Gerhard Richter - Painting‘ oder auch den Spielfilm ‚Goya‘. Zu Brünn passend ist eine tolle Dokumentation über die ‚Villa Tugendhat‘ zu sehen. Wir blicken auch ein wenig in die Geschichte. So haben wir zum Beispiel den Film ‚Der Hauptmann‘. Da geht es um den Zweiten Weltkrieg. Aber auch die jüngere Geschichte wird thematisiert. Der Blockbuster des letzten Jahres war der Film ‚Ballon‘.“

Der historische Thriller „Ballon“ von Michael Herbig erzählt die spektakuläre Flucht zweier Familien aus der DDR. Sie haben die damalige innerdeutsche Grenze mit einem Heißluftballon überquert. Zu sehen ist der Film im August in Prag. Auch das komödiantische Familiendrama „Toni Erdmann“ läuft beim Sommerkino. Der deutsch-österreichische Streifen war 2016 sogar für einen Oscar nominiert.

In Brünn werden zum Beispiel der Defa-Film Klassiker „Solo Sunny“ von Konrad Wolf auf die Leinwand gebracht – oder „Aguirre, der Zorn Gottes“ von Werner Herzog mit dem legendären Klaus Kinski in der Hauptrolle.

Am Donnerstagabend im Kino Pláž wurde die Komödie „Love Machine“ gezeigt, Regisseur ist Andreas Schmied aus Österreich. Der Film erzählt die Geschichte des eher mittelmäßig erfolgreichen Musikers Georgy, der plötzlich ganz andere berufliche Wege einschlägt.

Das Sommerkino wird gemeinsam vom Goethe-Institut Tschechien, dem Österreichischen Kulturforum Prag und der Schweizerischen Botschaft veranstaltet. Mehr zum Festival, dem detaillierten Programm und den Spielorten finden Sie auf der Website www.dasfilmfest.cz. Aktuelle Neuigkeiten, zum Beispiel zu eventuellen Terminänderungen aufgrund des Wetters, gibt es auch über die Facebook-Seite www.facebook.com/dasfilmfest.