Tschechien als Vorreiter: Nationalbank kauft Bitcoin
Die Tschechische Nationalbank (ČNB) wagt einen revolutionären Schritt: Als eine der ersten Zentralbanken weltweit hat sie Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte erworben. Ziel des Experiments ist es, praktische Erfahrung mit Blockchain-basierten Vermögenswerten zu sammeln.
Die Tschechische Nationalbank hat ein Testportfolio im Wert von einer Million US-Dollar (860.000 Euro) eingerichtet, bestehend aus Bitcoin, Stablecoin und einer tokenisierten US-Dollar-Bankeinlage. Der Kauf wurde auf Grundlage einer Analyse beschlossen, die Gouverneur Aleš Michl Anfang des Jahres in Auftrag gegeben hatte. Diese ergab, dass immer mehr Privatbanken und Fonds mit digitalen Vermögenswerten arbeiten und dass diese in Zukunft zunehmend Akzeptanz finden könnten. Der Sprecher der Zentralbank, Jaroslav Krejčí, begründet den Schritt:
„Das Testportfolio wurde angelegt mit dem Vorhaben, praktische Erfahrungen mit digitalen Vermögenswerten zu sammeln. Im Rahmen des Portfolios können wir hier in der Bank die Prozesse beim Erwerb, dem Besitz und der Verwaltung solcher Aktiva ausprobieren.“
Laut Jaromír Šindel, Chefökonom des tschechischen Bankenverbandes, ist es gut, dass die Tschechische Nationalbank nicht nur Bitcoin gekauft hat. Denn dessen Preis schwanke stark, im Unterschied zu stabileren digitalen Vermögenswerten:
„Im Kontext der Diskussion über die Einführung von Digitalwährungen durch die Zentralbanken lässt sich dieser Schritt kaum als umstritten betrachten. Er ist gerechtfertigt, weil dadurch die Zentralbank ihre Erfahrungen in diesem Bereich stärkt.“
Die Zentralbanken gehen weiterhin vorsichtig mit digitalen Vermögenswerten um. Bisher haben nur El Salvador und Bhutan auch Bitcoin in ihre Devisenreserven aufgenommen. Gouverneur Aleš Michl hatte bereits im Januar dieses Jahres angekündigt, dem Bankenrat der ČNB vorzuschlagen, in die Kryptowährung zu investieren. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, sprach sich daraufhin dagegen aus.
Kryptowährungsexperten begrüßen hingegen die Entscheidung der Tschechischen Nationalbank. Martin Stránský, Investor und Direktor des Kryptowährungsmarktplatzes Bit.plus, sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Es ist eine Bekräftigung dessen, wonach wir seit elf Jahren streben: nämlich nicht nur die Fachwelt, sondern auch die Öffentlichkeit zu informieren und aufzuklären.“
Die Tschechische Nationalbank wird Bitcoin regulär am Markt erwerben. Dabei will sie unter anderem Krisenszenarien und Sicherheitsmechanismen testen, darunter Prüfungen gemäß den Anti-Geldwäsche-Vorschriften. Jakub Valníček von der Investitionsplattform Portu beschreibt:
„Die Tschechische Nationalbank wird die Bitcoin voraussichtlich über einen ETF, also einen börsengehandelten Fonds erwerben. Dadurch profitiert sie direkt von den Kursbewegungen dieser beliebtesten Kryptowährung, ohne Verlust- oder Diebstahlrisiken eingehen zu müssen. Die Investition über einen ETF ist vergleichbar mit dem Kauf von Aktien und anderen Wertpapieren an der Börse durch eine Bank.“
Das Kryptowährungsportfolio macht derzeit nur 0,0006 Prozent der Vermögenswerte der Zentralbank aus. In zwei Jahren soll entschieden werden, ob es sich lohnt, Bitcoin und andere digitale Währungen in staatliche Reservebestände zu integrieren.







