Tschechien begrüßt die Entscheidung des deutschen Bundestags zur Auszahlung der NS-Zwangsarbeiter

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Mehr als zwei Jahre nach Beginn der Verhandlungen will Deutschland jetzt mit der Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter beginnen. Nach monatelangen Verzögerungen machte der Bundestag am Mittwoch den Weg frei und beseitigte die letzte Hürde. Dagmar Keberlova fasst die Reaktionen aus Tschechien auf den Beschluss zusammen.

Was dieser Bundestagsentscheid jetzt für die tschechische Seite bedeutet, auf diese Frage antwortet für Radio Prag aus Berlin Jan Sechter, Beauftragte des tschechischen Außenministeriums für Entschädigungsfragen:

"Es bedeutet, dass die letzte Hürde gefallen ist und dass die Partnerorganisationen können die ersten Mittel für die Auszahlung der ehemaligen Zwangsarbeiter von der Stiftung bekommen. Das ist in Prag der Deutsch-tschechische Zukunftsfonds."

Wann können also an die 80 000 Antragsteller auf die erste Auszahlungen hoffen:

"Es könnte sicher noch im Juni sein, da wir die Verträge mit der Stiftung vorbereitet haben. Da ist heute kein Problem mehr, in Prag ist auch das erste Prüfungsteam eingetroffen, weil die Stiftung ihr Recht hat, die Anträge zu kontrollieren."

Nach Überweisung der ersten Rate nach Prag könne es schnell gehen, meint Tomas Kafka, der Vorsitzende des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der in Tschechien die Partnerorganisation der deutschen Stiftung zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter ist. "Unser Ziel ist es, so viel Auszahlungen wie möglich noch vor dem Sommer vorzunehmen," sagte Kafka. Etwa 30 000 Anträge hat der Fonds bereits überprüft.

Die tschechischen Politiker begrüßten die Entscheidung des deutschen Bundestags. Der tschechische Außenminister Jan Kavan sagte am Mittwoch in Cottbus am Rande des Treffens mit seinem Amtskollegen Joschka Fischer, er "begrüße eindeutig die Entscheidung über die Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen in den USA. Damit sei Kavan zufolge "die letzte Hürde gefallen, die einer Entschädigungsauszahlung an die Opfer der Sklaven- und Zwangsarbeiten im Zweiten Weltkrieg im Wege stand."

Die Vertreter der betroffenen tschechischen Bürger haben sich positiv über die Entscheidung geäußert, gleichzeitig bedauern sie die Tatsache, dass dies zwei Drittel der betroffenen tschechischen Bürger nicht erleben konnten.

Der Vorsitzende des Freiheitskämpfer-Verbandes Jakub Cermin äußerte seine Freude über den Bundestagsentscheid, mit dem nicht nur die Hürde des schleppenden Entschädigungsprozesses beseitigt wäre, aber auch die "letzte Ungerechtigkeit", die immer noch zwischen Deutschen und Tschechen stand. Cermin zufolge sei es ein Gentleman- Schritt Deutschlands und nun sollte Tschechien die Versöhnung mit Deutschland mit voller Kraft angehen.