Tschechien: Klima retten ja, aber ohne Abstriche

Foto: ČTK/AP/Jason DeCrow

Die ganze Welt schaut nach New York, wo derzeit auf einem UN-Gipfel über das Klima debattiert wird. Auch Tschechien will zu einer Eindämmung von Treibhausgasen beitragen. Zu mehr Abstrichen ist Prag aber nicht bereit.

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„Ihr alle sucht die Hoffnung bei uns jungen Leuten. Wie könnt ihr es wagen! Mit Euren leeren Worten habt Ihr meine Träume und meine Kindheit gestohlen. Wobei ich ja noch eine der Glücklicheren bin.“

Die Rede der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg war sicher einer der Höhepunkte des UN-Klimagipfels in New York. Mit ihrem emotionalen Vortrag vom Montag wollte die 16-Jährige die hohe Politik der Weltgemeinschaft aufrütteln. Unter anderem UN-Generalsekretär Antonio Guterres stellte sich klar hinter Greta und forderte die anwesenden Machthaber auf, endlich etwas zu tun. Mit der Natur könne man nicht verhandeln, so der Portugiese bei seinem Auftritt. Auch Tschechiens Premier Andrej Babiš, der dem Klima-Aktivismus der vergangenen Monate ansonsten eher skeptisch gegenübersteht, schien sich überzeugen zu lassen. Auf dem anschließenden Concordia-Wirtschaftsgipfel sagte er:

„Alle sprechen über das Klima, und vor gut einer Stunde habe ich der Rede von Greta Thunberg zugehört. Und ich muss sagen: Sie hat Recht! Aber…“

Andrej Babiš (Foto: ČTK/Aleš Zápotocký)
Und dieses Aber erläuterte der Ano-Politiker dann vor tschechischen Journalisten in New York:

„Greta Thunberg kann nicht einfach flächendeckend sagen, dass zu wenig gemacht wird. Tschechien beispielsweise tut sehr viel. Wir sind aber nicht zum Gipfel gefahren, um wie alle anderen Staaten hier Versprechungen zu machen, die wir jedoch nicht halten können. Wir müssen auch über die Grenzen Europas hinausblicken, denn dort wurde 2018 mehr CO2 produziert, als die Staaten der EU eingespart haben. Bei uns funktionieren gewisse Mechanismen in diese Richtung, anderswo auf der Welt ist das nicht so.“

Eine der deutlichsten Absichtsbekundungen in New York ist eine Allianz von rund 70 Staaten, aber auch Firmen und Organisationen, die mehr Anstrengungen beispielsweise beim Kohleausstieg fordern. Sie reagieren damit auf einen Bericht der UN, wonach es schneller warm wird auf der Erde, als man es bei der Klimakonferenz in Paris noch befürchtet hatte. Tschechien will sich laut Premier Babiš diesem Verbund nicht anschließen:

„Wir dürfen keiner Klima-Hysterie verfallen. Es kann nicht sein, dass wir keine Kinder mehr bekommen oder auf Rindfleisch verzichten, nur weil das alles Emissionen verursacht. Ich verstehe, dass wir hier nur Reis mit Gemüse zum Mittagessen hatten. Wir dürfen uns aber nicht ständig Katastrophen-Szenarien ausmalen, unser Planet hat auch noch wichtigere Probleme. Viele Staaten machen hier neue Versprechungen, haben aber immer noch nicht die Ziele von 2015 erreicht.“

Aus Tschechien ist aber nicht nur die hohe Politik nach New York gereist. Eingeladen sind auch Klimaaktivisten wie Lucie Smolková. Die Brünner Gymnasiastin ist Mitorganisatorin der „Fridays for Future“-Bewegung hierzulande. Für sie gibt es durchaus Bereiche, in denen auch Tschechien schneller handeln könnte:

„Vor allem bei der Energieversorgung kann man viel machen, zum Beispiel durch einen Kohle-Ausstieg. Aber auch eine engere internationale Zusammenarbeit in dem Bereich wäre gut. Tschechien tut sich da leider nicht besonders hervor. Und auch die übrigen Staaten der Visegrád-Gruppe blockieren sämtliche Anstrengungen eher.“

Greta Thunberg (Foto: ČTK/AP/Jason DeCrow)
Tschechiens Außenminister Tomáš Petříček bemerkt international aber dennoch verstärkt die Bereitschaft, mehr aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden. Immerhin sieht der Sozialdemokrat die gemeinsame Furcht vor den Konsequenzen des Klimawandels:

„Ich habe das Gefühl, dass sich immer mehr Politiker in der Welt den Ernst der Krise bewusst machen. Auch bei uns in Tschechien haben wir verstärkt mit der Dürre zu kämpfen. Die Bereitschaft wächst, etwas gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Dieser könnte nämlich auch die internationale Sicherheit gefährden. Dabei geht es um die Migration, aber auch um den Kampf um Rohstoffe.“

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