Tschechien macht invasiven Arten den Garaus

Foto: Alexas_Foto / Pixabay CC0

Tschechien will härter gegen invasive Tier- und Pflanzenarten vorgehen. Die Regierung hat am Montag ein entsprechendes Gesetz vorgestellt. Kritiker bezweifeln jedoch die Effektivität der neuen Regeln.

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Lange war die Gesetzesnovelle zum Natur- und Landschaftsschutz in Arbeit. Am Montag wurde die sogenannte Invasions-Novelle schließlich vom Regierungskabinett verabschiedet. Gegen wen und was sich die neuen Bestimmungen richten, erläutert Umweltminister Richard Brabec (Partei Ano):

Richard Brabec (Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Es gibt eine ganze Reihe sogenannter invasiver Tier- und Pflanzenarten. Von jenen, die die EU aufgelistet hat, leben 66 in Tschechien. Oft sind das ganz nette Viecher, die wie Plüschtiere aussehen. Doch sie verdrängen unsere heimische Flora und Fauna, wobei sie zudem Krankheiten übertragen. Da geht es zum Beispiel um den nordamerikanischen Waschbär, die Nutria oder die Rotwangen-Schmuckschildkröte.“

Schätzungen zufolge leben hierzulande rund 300 invasive Arten. Manche sind sogar hochgefährlich für den Menschen, so beispielsweise der Riesen-Bärenklau, den man auch als Herkulesstaude kennt.

Das Kabinett setzt mit dem neuen Gesetz eine Verordnung der Europäischen Union aus dem Jahr 2014 um. Damit soll vor allem die Verbreitung von invasiven Arten hierzulande eingedämmt werden. Die neuen Bestimmungen richten sich vor allem an die Behörden, aber auch an Landwirte und Züchter:

Miroslav Toman (Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das heißt, dass wir bestimmte Verantwortlichkeiten für die staatlichen Behörden schaffen und konkrete Schritte vorgeben, die die Kommunal- und Kreisverwaltungen unternehmen sollen. Das umfasst auch Pflichten für Züchter und Besitzer von Grundstücken, auf denen sich eine invasive Art niedergelassen hat. Zudem führen wir zahlreiche Verbote ein.“

Doch nicht nur Eindämmung heißt in Zukunft die Devise, sondern auch Ausrottung. Deshalb wird derzeit außerdem ein neues Jagdgesetz vorbereitet. Dazu Landwirtschaftsminister Miroslav Toman (Sozialdemokraten):

„Wir haben uns mit dem Umweltministerium auf einen Kompromiss geeinigt bezüglich der geplanten Novelle des Jagdgesetzes. Auch dort wird eine Liste von nicht heimischen Arten enthalten sein, die wir zum Abschuss freigeben wollen.“

Riesen-Bärenklau (Foto: Marie-Claire, Creative Commons 3.0)
Doch es gibt Kritik an dem Gesetz. Unter anderem die Piraten-Abgeordnete Martina Balcarová bemängelt, dass man sich nicht zu einer richtigen Definition von invasiven Arten durchringen konnte. Sie leitet den Umweltausschuss im Abgeordnetenhaus:

„Da fehlt eine genaue Aufzählung der betroffenen Tiere und Pflanzen. Das bedeutet, dass diese sich weiter verbreiten können, auch nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist. Denn man wird sich weiterhin darüber streiten, welche Art nun heimisch ist und welche nicht.“

Auch Umweltschützer sind wenig begeistert von dem Text. Petr Styblo vom tschechischen Naturschutzbund befürchtet, dass das Gesetz wilden Rodungen Tür und Tor öffnet:

„Durch irgendein Wunder ist eine Bestimmung in das Gesetz geraten, die das Fällen von Bäumen in den Schutzzonen entlang von Gewässern vereinfacht. Dabei geht es um alle Baumarten, und nicht nur um die invasiven. Da reicht in Zukunft eine Ankündigung, und man braucht kein ordentliches behördliches Verfahren mehr wie bisher.“

Nun muss das Gesetz noch das Parlament passieren. Umweltminister Richard Brabec hofft, dass es bis Ende des Jahres in Kraft treten kann.

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