Tschechien schafft Bedingungen für autonomes Fahren
Seit Jahresbeginn ist auf einigen Straßenabschnitten in Tschechien das teilautomatisierte Fahren erlaubt. Weitere Schritte in Richtung autonomes Fahren sind geplant.
Es sind vor allem Deutsche, die die neue Fahrfreiheit in Tschechien nutzen. Denn autonome Autos mit tschechischem Halter habe man bisher nicht registriert, heißt es aus dem Verkehrsministerium in Prag. Trotzdem werden hierzulande langsam Bedingungen dafür geschaffen, dass in modernen Kraftfahrzeugen der Autopilot zum Einsatz kommen kann.
Seit 1. Januar gilt auf geeigneten Fernstraßen und Autobahnabschnitten, dass der Fahrer in den halbautomatischen Modus schalten darf. Das heißt, dass sich das Auto selbst in der Spur hält, auf den Verkehr achtet und die Geschwindigkeit reguliert. Möglich ist dies auf übersichtlichen Strecken mit deutlich markierten Fahrstreifen. Der Fahrer muss sich allerdings bereithalten, das Steuer jederzeit wieder zu übernehmen. Voraussetzung ist zudem eine klare Sicht, es darf also nicht stark regnen, schneien oder neblig sein.
Zdeněk Lokaj von der Verkehrsfakultät der Technischen Universität in Prag (ČVUT) erläutert, wie die Sensoren eines halbautomatisierten Fahrzeugs arbeiten:
„Sie nehmen wahr, wo eine Straßenlaterne steht, in welcher Höhe sich der Bordstein befindet, wo Oberleitungen entlangführen, eine Haltestelle ist oder auch ein Verkehrsschild. Dies alles sind Anhaltspunkte, die es dem Fahrzeug ermöglichen, sich sehr genau zu orientieren. Das ist ausschlaggebend für die zu treffenden Entscheidungen.“
In Tschechien gilt damit bisher die dritte von insgesamt fünf Stufen für autonomes Fahren, die der Automobilverband SAE International definiert hat. Um die weiteren Schritte zur Hochautomatisierung und letztlich Vollautomatisierung zu gehen, ist die Ausweitung von Technologien, Infrastruktur und Legislative nötig. Unabdingbar ist zum Beispiel, dass die autonomen Fahrzeuge miteinander kommunizieren. Das braucht ein flächendeckendes und stabiles 5G-Internet, und das soll in Tschechien bis 2030 gewährleistet sein. Das Verkehrsministerium arbeitet dafür mit dem Ministerium für Industrie und Handel zusammen sowie mit dem Telekommunikationsamt. Die genauen Kosten sind bisher jedoch nicht bekannt.
Alena Mühl, die Sprecherin des Verkehrsministeriums, nennt noch weitere technologische Voraussetzungen:
„Teil unserer Entwicklungspläne ist die Modernisierung der digitalen Straßenkarten. Sie müssen sich aktualisieren und Daten zu Verkehr und Infrastruktur einbinden. So werden verlässliche und genaue Informationen zu den geografischen Daten zur Verfügung stehen.“
Eine dringende legislative Frage in Sachen autonomes Fahren ist zudem die Haftbarkeit bei Unfällen. Automatisierte Fahrzeuge sind verpflichtend mit einer Art Black Box ausgestattet. Schon jetzt ist in Tschechien gesetzlich festgelegt, dass für Schäden, die im Autopilot-Modus verursacht werden, der Fahrzeughersteller aufkommt. Die Zahlung leistet zunächst zwar die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers, aber die Agentur kann das Geld anschließend beim Hersteller einfordern. Dabei gilt natürlich, dass der Fahrzeugführer auch im teilautomatischen Modus nicht mit dem Mobiltelefon hantieren und auch nicht unter Alkohol stehen darf.
Wann in Tschechien fahrerlose Autos unterwegs sein dürfen, ist noch unklar. Aber auch bei Einführung der vierten Automatisierungsstufe werde diese zunächst nur für ausgewählte Streckenabschnitte gelten, betont Mühl. Auf dem Rest der Straßen werde es immer die Überwachung aus der jeweiligen Zentrale geben:
„Als Beispiel können wir etwa einen Lkw anführen, der selbständig auf die Autobahn fährt und seine Route absolviert. An der Ausfahrt oder in der Nähe des Logistikzentrums übernimmt die Steuerung dann wieder ein Operator aus der Ferne.“
Nach dem gleichen Prinzip könnten Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs oder auch Taxis funktionieren, fügt Alena Mühl hinzu.
Verbunden
-
Forscher aus Prag entwickeln digitalen Zwilling von Hauptverkehrsader Evropská
Verkehrswissenschaftler haben einen „digitalen Zwilling“ einer der Hauptverkehrsadern Prags entwickelt. Damit könnten Staus verhindert werden, noch bevor sie entstehen.
-
Initiative „Dám respekt“ will feindseliger Stimmung im Straßenverkehr entgegenwirken
Die Stimmung zwischen Autofahrern und Radfahrern ist in Tschechien nicht die beste. Das Projekt „Dám respekt“ (zu Deutsch etwa: Ich nehme Rücksicht) will das ändern.







