Tschechien steht unter Quarantäne

Foto: ČTK / Michal Krumphanzl
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Im Kampf gegen das Coronovirus greift Tschechien zu immer radikaleren Maßnahmen. So hat die Regierung das ganze Land ab Montag unter Quarantäne gestellt. Damit müssen sich die Menschen hierzulande auf massive Einschränkungen ihres Alltags einstellen.

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Jan Hamáček (Foto: ČTK / Ondřej Deml)
In erster Linie schottet sich Tschechien ab Montag weiter ab. Seit den frühen Morgenstunden darf fast niemand mehr Ein- oder Ausreisen. Es gibt jedoch weiterhin Ausnahmen, wie Innenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) bestätigt:

„Die Ausnahmen für den Grenzübertritt bleiben dieselben, einen Überblick bietet das Innenministerium auf seiner Webseite. So können Grenz-Pendler auch weiterhin ausreisen, sofern sie sich in einer 100-Kilometer-Zone bewegen. Natürlich müssen sie dann einen Nachweis vorlege, dass sie tatsächlich zur Ausreise berechtigt sind.“

Mit der Quarantäne gelten aber auch innerhalb Tschechiens selbst strengere Regeln. Die Menschen hierzulande sind aufgerufen, das Haus nur noch in den nötigsten Fällen zu verlassen. Das bedeutet, dass die Bürger lediglich von und zur Arbeit fahren sowie unvermeidbare Einkäufe machen sollten. Eine erweiterte Bewegungsfreiheit genießen unter anderem Angestellte von Lieferdiensten, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Premier Andrej Babiš (Partei Ano) begründet die strengen Maßnahmen so:

Foto: ČTK / Ondřej Deml
„Sie sollen die Bewegungsfreiheit einschränken, damit die weitere Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie von Mensch zu Mensch verhindert wird.“

Jan Hamáček wiederum betont, dass die Maßnahmen keine Schikane sein sollen, sondern dass es vielmehr um Eigenverantwortung geht:

„Es darf nur noch ein Minimum an zwischenmenschlichen Kontakten geben. Niemand verbietet Familien, kurz in den Park an die frische Luft zu gehen. Man sollte aber nicht mit 20 anderen Leuten im Vorgarten Bier trinken. Ein solches Verhalten ist unverantwortlich.“

Trotz aller Einschränkungen will die Regierung den Alltag der Bürger und die Wirtschaft im nötigsten Maß am Laufen halten. So bleibt es auch erlaubt, beispielsweise draußen spazieren zu gehen. Laut Premier Babiš ist vor allem aber wichtig, dass die Menschen auch weiterhin in die Arbeit gehen. Er hofft dabei auf das Entgegenkommen der Firmen:

Karel Havlíček (Foto: ČTK / Ondřej Deml)
„Die Firmen tun ihr Bestes, damit ihre Angestellten in die Arbeit kommen. Dazu ermöglichen sie in dieser Lage auch die entsprechenden Bedingungen. Wir haben mit Unternehmensvertretern gesprochen und wollen sie in ihren Anstrengungen unterstützen.“

Beispielsweise Supermärkte bleiben bis auf weiteres geöffnet, es gelten aber bestimmte Regeln für den Verkauf. Unter anderem sollen die Kassiererinnen einen Mundschutz tragen und man sollte nach Möglichkeit bargeldlos bezahlen. Auch bei der Warenpräsentation müssen sich die Einzelhändler umstellen. Dazu Wirtschaftsminister Karel Havlíček (parteilos):

„So ist der Verkauf von unverpacktem Gebäck nur noch unter bestimmten Bedingungen möglich. In der Produktion dürfen die Angestellten der jeweiligen Bäckerei nicht nahe beieinander stehen und die Arbeitsplätze müssen mit entsprechenden hygienischen Einrichtungen ausgestattet sein.“

Foto: ČTK / Igor Zehl
Außer den Lebensmittelgeschäften und Drogerien bleiben alle anderen Einzelhändler zu. Die Regierung hat sogar die Elektronikfachgeschäfte schließen lassen, für die bisher eine Ausnahme galt. Allerdings gilt beispielsweise für Baumärkte eine Sonderregelung, wie Minister Havlíček betont:

„Normale Kunden können dort nicht mehr einkaufen. Das betrifft jedoch nicht Firmenkunden, die dort Material für ihre Arbeit beschaffen, also beispielsweise Installateure. Gleichzeitig gilt ein Betriebsverbot für Fahrschulen und Unterkünfte, außer es handelt sich um langfristige Vermietungen oder Kureinrichtungen.“

Die Behörden sind in den vergangenen Tagen vermehrt in die Kritik geraten, da die Versorgung mit medizinischem Material massive Lücken aufweist und die Corona-Tests nur schleppend vorangehen. Der Chefepidemiologe beim Gesundheitsministerium, Roman Prymula, der nun übrigens den Krisenstab der Regierung leitet, ruft die Menschen jedoch zu mehr Vernunft auf. Nicht jeder müsse nun sofort zum Arzt:

„Derzeit wollen sich an den jeweiligen Labors zahlreiche Menschen testen lassen, die keinerlei klinische Symptome der Erkrankung haben. Sie belasten das System und verhindern die Behandlung von Menschen, die tatsächlich die jeweiligen Symptome aufweisen.“

Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0
Die Quarantäne gilt bis voraussichtlich Dienstag kommender Woche 6 Uhr, wobei sie bei Bedarf verlängert werden kann. Für manche Gemeinden im Kreis Olomouc / Olmütz gilt zudem eine zusätzliche Sperre, da das Coronavirus unter anderem bei medizinischem Personal festgestellt worden ist. Bis Montagmittag waren hierzulande rund 300 Menschen mit dem Covid-19-Erreger infiziert.