Zur Quarantäne ins Hotel

Foto: Archiv Czech Inn Hotels
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Mit der Ausrufung des Notstandes in Tschechien hat das hiesige Gesundheitsministerium kurz eine spezielle Quarantäne-Variante ins Gespräch gebracht. Hotels, die in diesen Wochen ohnehin kaum Gäste beherbergen, könnten ihre Zimmer Corona-Infizierten zur Verfügung stellen. Während von dem Regierungsvorhaben seitdem nichts mehr zu hören war, ist die Direktion einer großen Prager Hotelkette nun selbst zur Tat geschritten.

Roman Prymula (Foto: ČTK / Vít Šimánek)

Es könnte eine Win-win-Situation sein: Der Corona-Infizierte verbringt die Quarantäne nicht zu Hause und schützt so die anderen Familienmitglieder, während die Hotels wiederum nicht leer stehen und ihre Angestellten beschäftigen können. Die letzte Nachricht, die es zu dem Vorhaben von Gesundheitsminister Roman Prymula (parteilos) gab, betraf Verhandlungen mit dem tschechischen Verband der Hotels und Restaurants.

Das könne für Personen gelten, die Corona-positiv seien und Interesse an dem Angebot hätten. Eine große Zahl an solchen Hotelgästen erwarte er aber nicht, äußerte Prymula auf einer Pressekonferenz vor zwei Wochen. Tatsächlich sind es Einzelpersonen, die ein Prager Vier-Sterne-Hotel seit der vergangenen Woche zu Quarantänezwecken beherbergt. Die Direktion der Czech-Inn-Kette reagierte damit auf ihren Leerstand sowie konkrete Nachfragen. Petr Chábera ist Chef der Marketingabteilung:

Foto: Archiv Czech Inn Hotels

„Einem Kollegen kam die Idee, ein ‚Covid-Hotel‘ einzurichten und dieses proaktiv infizierten Menschen anzubieten. Es gab in letzter Zeit tatsächlich entsprechende Anfragen aus unserem Umfeld. Kunden, die ihre Quarantäne nicht zu Hause absolvieren können, haben wir also unsere Zimmer zur Verfügung gestellt.“

Die Kette betreibt in der tschechischen Hauptstadt insgesamt 23 Hotels. Den Quarantäne-Service bietet sie bisher in nur einem Haus in der Prager Neustadt an. Laut Chábera brauchte es dazu keine komplizierten Vorbereitungen:

„Das Vorhaben haben wir dann sofort umgesetzt. Am Montag tauchte die Idee auf, am Dienstag haben wir das Hotel vorbereitet und am Mittwoch eröffnet. So schnell ging das.“

Foto: Archiv Czech Inn Hotels

Für Quarantäne-Gäste gilt ein ähnlicher Service wie für Touristen. Der Kontakt zum Personal ist aber digitalisiert, soweit es geht. Idealerweise wird schon der Check-in vor der Ankunft online erledigt. Möglich ist er aber auch über einen Bildschirm direkt an der Rezeption.

„Es ist ganz ähnlich wie im normalen Hotelbetrieb. Allerdings trifft man nicht mit anderen Menschen zusammen. Der Gast macht sich in seinem Zimmer mit der Besucherordnung bekannt, die wir entsprechend umformuliert haben. Darin steht, dass die Gemeinschaftsräume nicht zugänglich sind und dass es bestimmte Kommunikationsregeln gibt.“

Der Corona-Patient kann den Rezeptionisten jederzeit kontaktieren, und das per Anruf oder verschiedene Nachrichten-Softwares wie etwa Whatsapp. So wird das Frühstück verabredet, Medikamente bestellt oder im Notfall auch ein Arzt gerufen. Gegen die drohende Langeweile in der Isolation habe das Hotelteam ebenfalls vorgesorgt, sagt Chábera:

„Das war uns gleich von Beginn an klar. Wir haben im Team viele junge Kollegen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, für die Unterhaltung der Gäste zu sorgen, die für zehn Tage in ihrem Zimmer eingesperrt sind.“

Grundlage dafür ist eine gute Internetverbindung. Neben zahlreichen Fernsehkanälen stehen ganz klassisch Bücher zur Verfügung, in gedruckter wie in elektronischer Variante. Zudem gibt es einen virtuellen Schachklub oder auch eine Playstation zum Verleih.

Das Angebot des Czech-Inn-Hotels ist freilich keine Kassenleistung. Schließlich soll es nicht nur Corona-Patienten helfen, sondern das Hotel ökonomisch am Leben erhalten. Für das Quarantäne-Zimmer mit Standardausstattung werden 1000 Kronen (etwa 37 Euro) pro Person und Tag ohne Frühstück berechnet. Sollte sich das Corona-Konzept bewähren und die Nachfrage wachsen, könnte der Preis laut Chábera sogar noch nach oben gehen. Für eine finanziell gut gestellte Klientel kann die Quarantäne also zum Luxus werden.