Tschechien und Israel vertiefen ihre freundschaftliche Zusammenarbeit

Eine gemeinsame Kabinettssitzung abzuhalten, das können nur sehr gut befreundete Länder. Die Tschechische Republik und Israel sind zwei solche Länder. Am Dienstag trafen sich die Regierungen von Israel und Tschechien zu ihrer zweiten gemeinsamen Runde in Jerusalem. Anschließend unterzeichneten die Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka und Benjamin Netanjahu insgesamt zehn bilaterale Abkommen, in denen die beiderseitige Zusammenarbeit in mehreren Bereichen konkretisiert wird.

Bohuslav Sobotka und Benjamin Netanjahu (Foto: ČTK)
Vor zwei Jahren wurde in Prag der Auftakt zu einer Serie vollzogen, die zu einer guten Tradition werden soll: die Treffen der Regierungen Tschechiens und Israels. Ein Gegenbesuch der damaligen Nečas-Regierung in Israel war längst geplant, im Sommer vorigen Jahres aber stürzte dieses Kabinett über seine eigenen Unzulänglichkeiten. Am Dienstag kam es nun zur Fortsetzung der bilateralen Treffen mit der neuen tschechischen Regierung. Premier Bohuslav Sobotka ließ dabei keinen Zweifel, dass man auch unter seiner Führung an der Kooperation festhalten werde:

„Unsere Gespräche haben bestätigt, dass die Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und Israel von außenordentlicher Qualität sind. Sie haben zudem bestätigt, dass beide Länder ein Interesse daran haben, ihre breitgefächerte Partnerschaft weiter auszubauen.“

Bohuslav Sobotka erklärte außerdem, dass die Tschechische Republik den Friedensprozess im Nahen Osten unterstütze, dessen Resultat letztlich zwei unabhängige Staaten sein sollten: Israel und Palästina. Benjamin Netanjahu würdigte die Tatsache, dass Tschechien ein enger Verbündeter Israels ist und im Nahost-Friedensprozess keinen einseitigen Lösungen zustimme. Ferner sagte er:

„Unsere gemeinsamen Werte verbinden uns ebenso wie die tausendjährige Freundschaft zwischen den tschechischen und jüdischen Menschen.“

Jan Mládek (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
Auf dieser wirklich freundschaftlichen Basis lässt sich dann auch eine tiefe und nachhaltige Zusammenarbeit auf- und ausbauen. Am Dienstag haben beide Seiten dazu entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet, unter anderem auf den Gebieten von Wissenschaft, Verkehr, Verteidigung, Gesundheitswesen und Kultur. Im Bereich Verkehrswesen könnte Tschechien den Israelis vielleicht schon bald gute Dienste leisten, meint der Minister für Industrie und Handel, Jan Mládek:

„Israel wird seine Bahnstrecken elektrifizieren und auch in die Entwicklung der Bahn investieren. Die Pilsener Firma Škoda Transportation hat es dabei bereits in die nächste Runde der Ausschreibung geschafft.“

Ein ganz persönliches Anliegen von Premier Netanjahu ist auch die enge militärische Zusammenarbeit beider Länder. In den bilateralen Unterredungen wurde dabei auch über ein Thema gesprochen, das Staatspräsident Miloš Zeman bereits mehrfach ins Spiel gebracht hat: der mögliche Einsatz tschechischer Soldaten für die Beobachter-Mission der Uno auf den Golanhöhen. Verteidigungsminister Martin Stropnický äußerte sich dazu in Jerusalem:

Martin Stropnický (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„In dieser Angelegenheit sind wir mit den Iren in Kontakt, die an der Mission mitwirken. Sollten die Iren eines Tages ihr Kontingent an Soldaten verkleinern, wären wir innerhalb einer gewissen Zeit in der Lage, die fehlenden Soldaten zu ersetzen. Das Ganze ist aber noch in der Entwicklung.“

Premier Bohuslav Sobotka bezeichnete Israel folglich auch als den bedeutendsten Handelspartner Tschechiens im Nahen Osten. Der israelische Präsident Reuven Rivlin, der die tschechische Delegation am Mittwoch empfing, unterstrich noch einmal, wie außergewöhnlich gut die Beziehungen beider Länder seien. Das aber sind sie erst seit knapp 25 Jahren, denn am 9. Februar 1990 wurden sie im Zuge der politischen Wende in der Tschechoslowakei nach langer Eiszeit erneuert.