Tschechien verurteilt Eindringen russischer Drohnen auf polnisches Gebiet
Tschechische Politiker haben am Mittwoch das Eindringen russischer Drohnen auf das Gebiet Polens scharf verurteilt.
Tschechien stehe fest an der Seite Polens, betonte Premier Petr Fiala (Wahlbündnis Spolu) am Mittwoch nach der Regierungssitzung. Die Drohnen über Polen sind laut dem Premier ein Beweis für Russlands aggressive Politik gegenüber den europäischen Ländern. Fiala merkte an:
„Wir sind ununterbrochen verschiedenen Formen von Angriffen ausgesetzt im Rahmen des hybriden Kriegs, den Russland gegen uns führt. Russische Drohnen im Luftraum eines Nato-Staates sind jedoch höchstgefährlich. Das müssen wir alle zur Kenntnis nehmen.“
Fiala betonte des Weiteren, Tschechien sei darauf vorbereitet, Polen zu helfen:
„Wir sind bereit, uns an einer Stärkung der Luftabwehr an der Nato-Ostgrenze zu beteiligen und alle Schritte zu unternehmen, auf die sich die Nato-Staaten einigen.“
Den russischen Drohnenangriff von der Nacht auf Mittwoch haben auch weitere tschechische Politiker verurteilt. Staatspräsident Petr Pavel, der derzeit im Urlaub ist, erklärte, die abgeschossenen Drohnen hätten bestätigt, dass Russlands Aggression auch Tschechien betreffe. Außenminister Jan Lipavský (Wahlbündnis Spolu) äußerte zudem, die Nato müsse den Schutz ihrer Ostgrenze unverzüglich verstärken. Und der Vorsitzende der größten Oppositionspartei Ano, Andrej Babiš, brachte seine Unterstützung für Polen zum Ausdruck, ohne weitere Details zu nennen.
Jakub Landovský (parteilos) von der Prager Karlsuniversität war früher Tschechiens Botschafter bei der Nato. Er schätzte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks ein, es habe sich bei den russischen Drohnen über Polen um zwei Typen gehandelt:
„Zum einen waren das die vorprogrammierten Shahed-Drohnen mit Munition. Von diesen wird Russland behaupten, sie hätten Polen aus Versehen erreicht. Das stimmt meiner Meinung nach natürlich nicht. Zum anderen waren es Gerbera-Drohnen, die aus verschiedenen Richtungen gekommen sind. Diese haben die Aufgabe, schnell Informationen zu sammeln – nicht nur über die Luftabwehr, sondern sie fotografieren auch verschiedene Ziele.“
Tschechien entsendet nun eine für Spezialoperationen bestimmte Hubschraubereinheit nach Polen. Verteidigungsministerin Jana Černochová (Wahlbündnis Spolu) wurde von ihrem polnischen Amtskollegen Władysław Kosiniak-Kamysz am Mittwoch in dieser Angelegenheit angesprochen. Über die Rolle der Hubschrauber in diesem Fall sagte Jakub Landovský:
„Die Hubschrauber können nach Trümmern suchen oder für eine schnelle Logistik sorgen. Direkt beim Abschuss von Drohnen spielen sie meiner Meinung nach keine Rolle. Hubschrauber können jedoch immer gebraucht werden.“
Polen hat inzwischen wegen des Eindringens der russischen Drohnen in seinen Luftraum eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Unter Berufung auf vorläufige Ermittlungen der polnischen Ämter berichtete die Tageszeitung Die Welt darüber, dass sich fünf der russischen Drohnen auf einer direkten Flugbahn zu einem Nato-Stützpunkt befunden hätten.
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