Tschechiens Bierpalette ist breiter und schmackhafter geworden

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Tschechien ist in aller Welt bekannt für sein hervorragendes Bier. Wenn jedoch ein Ausländer wohlschmeckende Biersorten aufzählen soll, dann fallen ihm meist nur drei ein: Pilsener Urquell, Budweiser und Staropramen. Der tschechische Biermarkt hat aber weit mehr zu bieten als die genannten Exportmarken. Doch dazu muss man das Land besuchen.

Jan Šuráň (Foto: První Pivní Extraliga.cz)
„Niemals werden sie dominant sein und einen bedeutenden Marktanteil haben, aber stets werden sie eine Bereicherung in der tschechischen Bierwüste sein.“

Das sagt Jan Šuráň, der Präsident des tschechischen Minibrauereien-Verbandes (ČMSMP), und spricht dabei über all die geschmackveredelten Biersorten und Saisonbiere, die er und weitere findige Technologen wie Bierbrauer schon auf den Markt gebracht haben. Zu ihrem Tun inspiriert wurden die Betreiber der heute schon 130 tschechischen Minibrauereien durch eine Erkenntnis der frühen Nach-Wende-Zeit:

Prager Bierhaus (Foto: Gastroinfo)
„Der tschechische Biermarkt stabilisierte und vereinheitlichte sich Anfang der 90er Jahre. Zu der Zeit aber wurde de facto nur noch eine Biersorte hergestellt. Egal, wer damals hier Bier braute, er benutzte im Grunde genommen die gleichen Rohstoffe und Braumethoden, so dass jedes Bier irgendwie gleich schmeckte.“

Ein Horror für Šuráň und seine damaligen drei Mitstreiter. 1998 eröffnete das Technologen-Quartett daher in Prag die erste moderne Minibrauerei des Landes mit angeschlossener Gaststätte, dem Bierhaus. Um sich aber in der harten Konkurrenz der Prager Kneipen zu behaupten, wollten sie sich von deren Angeboten unterscheiden. Anregungen dazu fanden sie auf dem für seine Mannigfaltigkeit bekannten belgischen Biermarkt:

Prager Bierhaus (Foto: Gonomad)
„Diese Vielfalt fanden wir interessant, und so begannen wir, unsere ersten geschmackveredelten Biere zu brauen. Aber auf andere Weise als in Belgien, die Basis für unsere Biersorten war das tschechische Lagerbier.“

Heute ist das Brauhaus längst eine Top-Adresse unter den Prager Kneipen. Das Bananen-, das Kakao- oder das weihnachtliche Vanillebier bekommt man schließlich nur hier geboten, versichert Šuráň stolz. Und an Gästen fehlt es dem Lokal auch nicht. Zumal es auch die Frauen für sich entdeckt haben. Dazu habe ausgerechnet der Männersport Fußball beigetragen, bemerkt Šuráň süffisant. Als die UEFA nämlich vor rund zehn Jahren die Spieltermine von Champions League und UEFA-Pokal auf drei Tage ausdehnte, da habe man befürchtet, dass die männlichen Stammgäste noch öfter ausbleiben werden. Dann aber hätten die Frauen den Spieß einfach umgedreht und die TV-Fußball-Abende ihrer Männer zu ihrem Stammtisch gemacht. Seitdem sind die für süßere Biere sensibilisierten Frauen aus dem Brauhaus nicht mehr wegzudenken, frohlockt Šuráň:

„Es hat sich gezeigt, dass ein Restaurant, das sehr spezielle Biersorten anbietet, für Frauen interessant ist. Zumal sie nicht in das Lokal kommen, um fünf, sechs halbe Liter herunter zu kippen, sondern zum Beispiel für das sehr beliebte Sauerkirschbier, von dem sie sich zwei, drei Gläser genehmigen.“