Tschechisch gesagt: Weihnachtskarpfen wird serviert
Es ist ein Zeichen, dass Weihnachten wirklich vor der Tür steht. In den Straßen der Städte stehen nun wieder Stände mit Bottichen, in denen dicht gedrängt Karpfen schwimmen. Denn dieser Fisch ist in Tschechien ein beliebtes Weihnachtsessen.
An mehreren Tausend Ständen im ganzen Land werden derzeit Weihnachtskarpfen – vánoční kapr angeboten. Die Fische werden dabei zumeist lebend verkauft, und zwar aus Bottichen – káď. Manche Menschen nehmen den Karpfen auch lebendig nach Hause und halten ihn bis zum Heiligabend in der Badewanne. Immer mehr Kunden lassen den Fisch aber vom Verkäufer schlachten – zabít, abschuppen – oškrábat šupiny, ausnehmen – vykuchat beziehungsweise auch filetieren – naporcovat.
Der Karpfen ist ein Süßwasserfisch – sladkovodní ryba. Dieser Fisch – ryba wird seit Jahrhunderten im Teich – rybník herangezogen. Seit dem Mittelalter war er eine typische Fastenspeise – postní pokrm, und das führte zur Entwicklung der Teichwirtschaft – rybníkářství. Die Teiche rund um die Stadt Třeboň in Südböhmen, die ab dem Mittelalter angelegt wurden, dienen bis heute der Karpfenzucht – chov kaprů. Stets im Herbst findet an dem einen oder anderen Teich das Abfischen – výlov statt, bei dem die Fischer – rybář das Wasser ablassen und den Teich leerfischen.
Der Karpfen kommt hierzulande an Heiligabend auf den Tisch. Deswegen spricht man auch vom Heiligabend-Karpfen – štědrovečerní kapr. Meist wird der Fisch paniert – smažit und mit Kartoffelsalat – bramborový salát serviert. Weitere Möglichkeiten der Zubereitung sind die mit einer dunklen Soße, Karpfen blau – kapr namodro oder Karpfen schwarz – kapr načerno. Beim Essen muss man aufpassen, dass man keine Gräte verschluckt. Übrigens hat die tschechische Sprache keinen speziellen Begriff für die Fischgräte, sondern nennt sie einfach Knochen – kost. Aus den Resten des Fischs lässt sich eine Fischsuppe – rybí polévka kochen. Und wer möchte, legt sich eine Schuppe – šupina des Weihnachtskarpfens vor dem Abendessen unter den Teller beziehungsweise danach ins Portemonnaie: Dies soll im neuen Jahr angeblich viel Geld bringen.
Obwohl der Karpfen ein traditionelles Weihnachtsgericht hierzulande ist, ist das Wort – kapr kein ursprünglich tschechisches Wort. Es ist ein Anagramm, entstanden durch die Umkehrung der Lautreihenfolge von „r“ und „p“, entweder des spätlateinischen „carpa“ oder des deutschen Wortes „Karpfen“. Auf Wiederhören! Na slyšenou!







