Tschechische Bahnen: Schäden in Höhe von 2,4 Milliarden Kronen

Bahnhof in der Stadt Usti, Foto:CTK

Für viele Leute ist sie zur Zeit der Überflutungen die einzige Verbindung mit der Welt geblieben: Die Eisenbahn. Etwa in der nordböhmischen Elbe-Metropole Usti (Aussig) verband die Eisenbahnbrücke als einzige die beiden Ufer der Stadt, und z.B. Sanitätswagen, die Patienten ins Krankenhaus auf dem linken Ufer brachten, mussten per Zug befördert werden. Direkt im Zug, auf der Brücke über den Wellen der wilden Elbe, kam so sogar ein Kind zur Welt. Die Tschechischen Bahnen haben zur Zeit der Krise ihre Rolle erfüllt, doch natürlich erlitten auch sie während des Hochwassers große Schäden. Wie hoch sie sind und wie der Bahnverkehr aktuell aussieht, darüber sprach Markéta Maurová mit dem Oberdirektor der Division Absatz und Betrieb der "Tschechischen Bahnen", Jaroslav Kocourek:

Bahnhof in der Stadt Usti, Foto:CTK
Während der Überflutungen wurden 282 km Eisenbahnstrecken stark beschädigt und der Verkehr musste dort unterbrochen werden. Wie ist die Lage heute?

"Heute haben wir noch zirka 100 Streckenkilometer unter Wasser oder so stark beschädigt, dass wir dort den Eisenbahnverkehr nicht normal betreiben können."

Welche Strecken sind am schwersten betroffen?

"Am schwersten betroffen sind die Strecken zwischen Plzen (Pilsen) und Domazlice (Taus), wo ca. 400 Meter Strecke und eine Brücke fehlen, dann sind das einige Strecken in Südböhmen, und zwar Veseli nad Luznici (Frohenbruck) - Ceske Budejovice (Budweis) - da sind Brücken und der Bahndamm beschädigt, und einige Strecken im Böhmerwald. Aber wir werden uns bemühen, die Strecken möglichst schnell wieder in Betrieb zu nehmen, es ist eine Frage der nächsten Wochen oder im schlimmsten Fall der nächsten Monate. Und dann noch nicht ganz in Betrieb sind die wichtigen Strecken Richtung Deutschland, zwischen Prag und Dresden. Da sind noch Beschädigungen, aber wir glauben, die beiden Strecken, auf dem rechten und auf dem linken Moldau- und Elbe-Ufer bis Ende dieser Woche mindestens für den Notverkehr sicherstellen zu können."

Glauben Sie, dass die Fahrt von Prag nach Dresden bald wieder möglich sein wird?

"Zur Zeit ist der Bahnverkehr zwischen Praha und Dresden total unterbrochen. Die normalen Züge für Reisende aus und nach Tschechien fahren über Plzen, Cheb Richtung Marktredwitz und Nürnberg. Wir werden in engem Kontakt mit der deutschen Bahn möglichst bald den Eisenbahnverkehr Richtung Dresden wieder aufnehmen, aber soweit wir wissen, sind ist Beschädigung in Sachsen, besonders im Raum Dresden und zwischen Dresden und Leipzig so stark, dass ich nicht sicher bin, dass es noch während dieser Woche gelingen wird."

Auf dieser Strecke wird derzeit der europäische Bahnkorridor gebaut. Werden sich die Bauarbeiten verzögern?

"Also ich bin überzeugt, wir sind zwischen Decin-Staatsgrenze und Praha mit dem Aufbau der Korridorstrecken schon so weit, dass es zu keinen größeren Veränderungen kommt. Man kann aber erwarten, dass auch einige schon fertige Korridorabschnitte durch das Hochwasser teilweise beschädigt werden. Das werden die nächsten Tage zeigen, wie Sie wissen, im Raum Litomerice-Lovosice ist derzeit ein See in der Größe von 10 mal 20 Kilometern. Da können wir noch nicht hundertprozentig feststellen, wie umfangreich die Schäden sind."

Kann man schon heute grobe Schätzungen abgeben, wie hoch die Schäden sind, die die "Tschechischen Bahnen" erlitten haben?

"Also wir schätzen, dass mehr als 2 Milliarden Kronen (67 Mio. Euro), mindestens. Das sind aber erst die ersten Abschätzungen, wir wissen noch nicht von allem, was geschah."

Soweit der Oberdirektor der Division Absatz und Betrieb der "Tschechischen Bahnen", Jaroslav Kocourek.