Tschechische Tradition: Quarkcreme „Pribináček“ feiert 60 Jahre

Foto: Martina Schneibergová

Für drei Generationen von Tschechen ist es das wohlschmeckende Dessert ihrer Kindheit: Die Quarkcreme „Pribináček“ wurde vor 60 Jahren - in den Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft - auf den Markt gebracht. Sie gehört zu einigen tschechischen Marken, die den Regimewechsel überlebten und auch heute noch beliebt sind. Anlässlich des Jubiläums von Pribináček fand vor kurzem ein kleines Fest in Prag statt.

Foto: Martina Schneibergová
„Každý den k svačině jedině pramen zdraví z Posázaví“ (Jeden Tag zum Pausenbrot die Gesundheitsquelle aus dem Sázava-Tal) - dies singen die Kinder im tschechoslowakischen Filmmusical „Es leben die Geister“ aus dem Jahr 1977. Kein anderer Werbespot machte das Dessert „Pribináček“ so populär wie das Lied aus dem Kinderfilm. Die Geschichte des Desserts im kleinen Pappbecher reicht bis in die 1940er Jahre. Oldřich Obermeier ist Geschäftsführer der Firma Pribina, die „Pribináček“ produziert:

„In den ersten Jahren nach dem Kriegsende mangelte es an Lebensmitteln. Vor allem die Kinderernährung war verbesserungswürdig. Deswegen wurde überlegt, ein Dessert herzustellen, das kalorienreich ist, das Milchproteine und Kalzium enthält und den Kindern schmeckt. 1947 begann eine Molkereigenossenschaft nahe der Stadt Přibyslav / Primischlau ein Quarkdessert zu produzieren, das unter den Bezeichnungen Eva, Bivoj und Mocca verkauft wurde. 1954 wurde das süße Produkt in Pribináček umbenannt. Die Produktionstechnologie war einfach: frischer Quark wurde mit frischer Sahne gemischt. Die Haltbarkeit des Desserts betrug damals jedoch maximal 48 Stunden. Es wurde darum nur in die Läden im Bezirk Havlíčkův Brod und ausnahmsweise auch nach Brno / Brünn geliefert. Die Haltbarkeit hat sich natürlich während der Jahre verbessert. Aber der Geschmack und die Konsistenz sind gleich geblieben.“

Foto: Martina Schneibergová
In den 1950er Jahren wurden 150 bis 200 Tonnen von Pribináček jährlich produziert. In den 1980er Jahren waren es schon mehr als 2000 Tonnen jährlich – also das Zehnfache.

Nach der politischen Wende wurde die Molkerei Pribina privatisiert. 1993 kaufte der französische Milchkonzern Bongrain die Firma. Das ursprüngliche Rezept für das Dessert wurde beibehalten, genauso wie der kleine Pappbecher, in dem es seit den 1950er Jahren verkauft wird. Das Design der Verpackung wurde hingegen zu Anfang einige Mal geändert, seit den 1980er Jahren ist das Bild eines kleinen Katers auf dem Becher zu sehen.

Jan Dietl (Foto: Martina Schneibergová)
Im jetzigen Jubiläumsjahr wurden neben den klassischen Geschmacksrichtungen wie Vanille oder Schokolade auch neue Pribináček-Sorten für Erwachsene auf den Markt gebracht. Sie haben Kaffee- oder Karamellgeschmack. Zudem wird das Dessert auch exportiert, sagt der Marketingdirektor der Firma, Jan Dietl:

„Es zeigt sich, dass die Menschen gern zu Produkten greifen, die sie aus ihrer Kindheit kennen. Pribináček wird größtenteils für den tschechischen und slowakischen Markt produziert. In der Slowakei liegt übrigens der Pribináček-Verbrauch pro Kopf deutlich höher als in Tschechien.“

Heutzutage werden jährlich rund 60 Millionen Becher Pribináček produziert. Dies bedeutet, dass jeder Tscheche und Slowake etwa vier dieser Desserts im Jahr auslöffelt.