Tschechische Wirtschaft: Produktionsstopp und Arbeitskräftemangel

Foto: ČTK / Roman Vondrouš

Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. Viele Unternehmen in ganz Europa haben inzwischen die Produktion heruntergefahren. So auch in Tschechien. In der Folge verzeichnen die Arbeitsämter hierzulande derzeit einen Anstieg bei den Jobsuchenden.

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Radek Špicar (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Am häufigsten wenden sich jene Menschen an die Arbeitsämter, die bisher in der Gastronomie, im Dienstleistungssektor und im Tourismus beschäftigt waren. Aber auch schon Arbeiter aus der Automobilindustrie suchen nach einem anderen Job. Die Lage in den Firmen sei derzeit ernst, meint Radek Špicar. Er ist Vizepräsident des tschechischen Verbandes „Industrie und Verkehr“:

„Wir sind täglich in Kontakt mit unseren Mitgliedern. Wir vertreten praktisch alle Industrieverbände und einige Tausend große tschechische Unternehmen. Aus unseren jüngsten Untersuchungen geht hervor, dass für 30 Prozent der Firmen der Einbruch in der Binnennachfrage als Folge der Krisenmaßnahmen das größte Problem ist. Zweitens haben 27 Prozent der Firmen Probleme mit Lieferungen aus dem Ausland: Entweder bekommen sie keine Waren mehr oder mit einer Verspätung. Drittens leiden 24 Prozent der tschechischen Unternehmen darunter, dass die Nachfrage aus dem Ausland stark zurückgegangen ist. Dies wird für eine exportorientierte Wirtschaft wie die tschechische auf Dauer sehr gefährlich sein.“

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Špicar macht zudem darauf aufmerksam, dass zahlreiche Firmen nach der Schließung der Grenzen nicht mehr auf ausländische Experten zurückgreifen können, die ihnen beim Einsatz neuer Technologien helfen würden. Rund 20 Prozent der Unternehmen haben dem Verbandschef zufolge in letzter Zeit auch Probleme mit dem Cashflow. Vor der Corona-Pandemie haben viele Arbeitgeber über einen Mangel an Personal geklagt. Nun erläuterte Špicar in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Die Tschechische Republik hatte einige Jahre in Folge die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU. Dies könnte vielleicht nützlich sein, um die Folgen der Krise abzufedern. Dennoch ist es klar, dass die Arbeitslosigkeit ansteigen wird.“

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Špicar lobt die schnelle Entscheidung der Regierung vom Montag, die Kurzarbeit zu unterstützen. Die Lage ist jedoch seinen Worten zufolge sehr unterschiedlich.

„Es gibt Unternehmen, die genügend Beschäftigte haben, aber keine Arbeit. Andere Firmen haben genügend Aufträge, aber es mangelt ihnen an Mitarbeitern. Wir entwerfen zurzeit mit den besten Wirtschaftsexperten und der Regierung eine Plattform, über die Firmen ihre überschüssigen Arbeitskräfte anderen anbieten können. Wir müssen uns gegenseitig helfen.“

Arbeitskräfte fehlen momentan laut Špicar besonders in der Landwirtschaft, beispielsweise beim Hopfenanbau. Dringend nach Mitarbeitern suchen zudem Firmen im Bereich Lebensmittel-Lieferservice. Ein Mangel an Arbeitskräften herrscht außerdem bei den Herstellern von Medizin-Technik.