Viel Bewegung auf dem tschechischen Arbeitsmarkt

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Etwa jedes siebente Unternehmen in Tschechien beabsichtigt, in den nächsten Monaten neue Mitarbeiter einzustellen. Das besagt eine aktuelle Umfrage der Firma Manpower unter 600 Arbeitgebern im Land. Diese Absicht äußerten vor allem Bauunternehmer, aber auch Befragte aus der verarbeitenden Industrie.

Tomáš Ervín Dombrovský  (Foto: Archiv von Tomáš E. Dombrovský,  LMC)

Arbeitsministerin Jana Maláčová (Sozialdemokraten) teilte am Mittwoch mit, dass derzeit knapp 307.000 Menschen in Tschechien ohne Anstellung seien. Die Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent bleibt damit auf dem eher hohen Niveau vom Februar. Das seien die Auswirkungen der Wintersaison, sagt Tomáš Ervín Dombrovský. Der Arbeitsmarktanalytiker beim Unternehmen LMC erläuterte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, dass das Angebot an neuen Arbeitsplätzen in den vergangenen Monaten aber stabil geblieben sei:

„Die Nachfrage der Firmen bewegt sich im Moment bei 85 bis 90 Prozent des Standes vor der Pandemie. Der Bedarf an Arbeitskräften ist vergleichsweise hoch, auch wenn es dabei große Unterschiede in den einzelnen Branchen gibt.“

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Die Zahl der freien Stellen, die die tschechischen Arbeitsämter anbieten, liegt unverändert bei über 300.000. Selbst der verhältnismäßig harte Lockdown hat nicht zu einem Rückgang der Nachfrage von Seiten der Unternehmen geführt. Das sei vor einem Jahr noch anders gewesen, bemerkt Dombrovský. Im Frühjahr 2020 seien die ausgeschriebenen Stellen um 60 Prozent zurückgegangen. Aber auch aktuell gäbe es Einschränkungen:

„Der Lockdown hat gewisse Auswirkungen auf die Arbeitssuchenden. Es melden sich nämlich etwas weniger Bewerber auf eine neue Position. Durch die Bewegungseinschränkungen scheint ein Stellenwechsel für sie eher kompliziert zu sein. Einige haben zudem auch erst im März ihren Job verloren.“

Diese müssen allerdings nicht sofort in den Arbeitslosenstatistiken auftauchen. Laut Dombrovský versuchen viele Menschen zunächst auf eigene Faust eine neue Arbeit zu finden, bevor sie sich ans Arbeitsamt wenden. Die Statistiken verzeichnen zudem keine sprunghaften Veränderungen, da viele Firmen im Land immer noch aus den Staatshilfen zur Corona-Krise schöpfen. Diese Hilfsprogramme hätten einen schnellen Anstieg der Arbeitslosigkeit bisher verhindert, so der Analytiker:

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„Die Zahl der Menschen, die ihren Arbeitsplatz wegen der Pandemie in den letzten zwölf Monaten gewechselt haben, ist hoch. Etwa zehn Prozent aller Arbeitnehmer mussten ihre ursprüngliche Position aufgeben. Ein großer Teil von ihnen hat Beschäftigung in einem anderen Bereich gefunden, häufig in einem neuen Berufsfeld. Der Arbeitsmarkt ist also stark in Bewegung, trotz der finanziellen Hilfsmaßnahmen.“

Deswegen zweifelt der Experte auch die Ergebnisse der Manpower-Umfrage an, nach denen im gerade begonnenen zweiten Quartal bei 13 Prozent der Firmen in Tschechien mit Neueinstellungen gerechnet werden kann. Tatsächlich liege ihre Zahl wesentlich höher, da viele Jobwechsel nicht über die Arbeitsämter laufen. Ob auch alle Stellen besetzt werden könnten, sei hingegen eine andere Frage:

„Der Lockdown erschwert den Trend hinsichtlich der Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Nicht alle Ausschreibungen und Bewerbungsgespräche können online ablaufen, auch wenn sich dahingehend viel ins Internet verlagert hat. Ab einer bestimmten Phase muss der Arbeitgeber sich aber mit dem Bewerber auch treffen, zum Beispiel beim Anlernen. In einigen Bereichen wird die Arbeit immer noch in Betrieben ausgeübt. Dort ist kein Home Office möglich.“

Die Einschränkung der persönlichen Kontakte hat nach Domrovskýs Beobachtungen zu einer zeitlichen Verschiebung von Ausschreibungen oder einer Verlängerung der Einstellungsprozesse geführt. Für die Zeit nach den Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen erwartet der Analytiker einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote.