Jobmessen und Auswahlverfahren: Tschechische Nachrichtendienste suchen neue Mitarbeiter

Die geänderte Sicherheitssituation in Europa erfordert einen stärkeren Einsatz der Geheimdienste. Der tschechische Zivil- sowie der Militärnachrichtendienst suchen darum nach neuen Arbeitskräften.

Foto: WebTechExperts,  Pixabay,  Pixabay License

Die Nachrichtendienste in Tschechien suchen nach neuen Mitarbeitern. Auf Bewerberjagd gehen sie unter anderem bei den Jobmessen. Als Interessenten kommen dort Studenten in Frage, die Lust haben, sich dafür einzusetzen, die Sicherheit in Tschechien zu erhöhen. Eine Messe für Jobmöglichkeiten fand vor kurzem beispielsweise an der Prager Wirtschaftsuniversität statt. Am Stand des zivilen Nachrichtendienstes BIS etwa informierten sich zwei Studenten über das Angebot. Was interessierte den 22-jährigen Radek an dieser Arbeit?

„Das kann mehr Action sein als bei einer klassischen Bürotätigkeit. Als Student der Wirtschaft wird einem beispielsweise eine Arbeit im Bereich des Schutzes der ökonomischen Interessen Tschechiens oder der Verhinderung von Waffenhandel angeboten.“

Spielt die Sicherheitssituation in Europa eine Rolle bei der Entscheidung über die künftige Arbeit? Dazu Radeks Kommilitone Viktor:

„Es geht nicht darum, dass wir Angst hätten, auf die Straße hinauszugehen. In Anbetracht des Kriegs, den Russland in Europa entfesselte, sind wir uns jedoch dessen bewusst geworden, wie wichtig die Sicherheit und die Integrität Europas sind. Wir wissen, dass die russischen Geheimdienste die Munitionslager im mährischen Vrbětice in die Luft sprengten und was sich unter Präsident Zeman auf der Prager Burg abspielte. Ich bin davon überzeugt, dass sich immer mehr junge Menschen für die Sicherheitsproblematik zu interessieren beginnen.“

Foto: LoboStudioHamburg,  Pixabay,  Pixabay License

Die Geheimdienste suchen aktuell nach mehreren neuen Mitarbeitern. Bei den beiden zivilen Nachrichtendiensten sind vor allem Programmierer und Analytiker gefragt. Gesucht werden aber auch Menschen anderer Berufe. Der zivile Nachrichtendienst BIS hat Interesse sowohl an Menschen, die bereits Praxiserfahrungen haben, als auch an Studenten. Diesen würden auch Praktika angeboten, erklärte der BIS-Sprecher Ladislav Štícha in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ausgesuchte Studenten bekommen die Gelegenheit, an Projekten zu arbeiten, die von der Wirklichkeit ausgehen. Sie treffen dabei mit unseren Spitzenexperten zusammen.“

Ladislav Štícha zufolge besteht nur eine kleine Gruppe von Bewerbern das Aufnahmeverfahren. Denn die Ansprüche bei den Geheimdiensten seien hoch, merkte der BIS-Sprecher an:

„Neben der Ausbildung und Unbescholtenheit wird vor allem auf den Charakter und die moralischen Eigenschaften des Bewerbers wert gelegt.“

Das absolvierte Studienfach sei weniger wichtig als die Entschlossenheit und Lust, sich an der größeren Sicherheit des Landes zu beteiligen, so der Sprecher.

Foto: OpenClipart-Vectors,  Pixabay,  Pixabay License

Nach neuen Aufklärern, Programmierern und IT-Experten sucht auch der Militärnachrichtendienst. Die Bedingung für die neuen Mitarbeiter ist oft, der  Armee beizutreten. Es gebe aber auch Ausnahmen, erklärte der Leiter des Militärnachrichtendienstes, Jan Beroun:

„Es kommt auf die Spezialisierung des Mitarbeiters an. Es gibt Bereiche, in denen überwiegend Zivilpersonen arbeiten. Dazu gehören die Kybernetik und Satellitendatenerfassung.“

Das Aufnahmeverfahren ist laut Jan Beroun anspruchsvoll. Bewerber müssen seinen Worten zufolge beispielsweise auch einen Lügendetektortest absolvieren.

„Die angestellte Person hat große Kompetenzen. Wir können uns darum nicht das Risiko erlauben, diese Befugnisse jemandem anzuvertrauen, der anschließend versagt – und wir hätten dies verhindern können.“

Autoren: Martina Schneibergová , Iveta Vávrová
schlüsselwort:
abspielen