Tschechische Wissenschaftler: Silvester-Feuerwerk schadet immens dem menschlichen Körper

Zum Jahreswechsel werden wieder Raketen in den Himmel geschossen und Böller gezündet. So will es unsere Silvestertradition. Mitunter hängen zu Neujahr dann immer noch die Nebelschwaden in der Luft. Wie schädlich das Geböllere ist, haben nun Experten von der tschechischen Akademie der Wissenschaften untersucht. Ihre Ergebnisse sind erschreckend.

Illustrationsfoto: Ralf Vetterle,  Pixabay,  CC0

Ohne Feuerwerk kein Jahreswechsel. Doch mit den Raketen und Böllern werden jede Menge giftige Substanzen in die Luft geschleudert. Das Problem: Für diese Emissionen gibt es keine Grenzwerte, und niemand prüft, wie viel Schädliches freigesetzt wird. Wissenschaftler können nur anhand der Verkaufszahlen von Feuerwerkskörpern schätzen, wie hoch die Luftbelastung ist. Petr Klusoň ist Chemiker von der tschechischen Akademie der Wissenschaften:

„Viele Menschen, die an den Silvesterfeiern in den Straßen teilnehmen, fühlen sich am nächsten und übernächsten Tag ziemlich schlecht. Natürlich schieben sie dies auf den Sekt, den sie getrunken haben. Tatsächlich spüren sie aber viel eher die Folgen einer akuten Rauchvergiftung. Jedes Jahr an Silvester wird die Luft in Tschechien von 12,5 Tonnen Magnesium, 10,5 Tonnen Barium, einer Tonne Strontium, fast einer Tonne Titan, einer halben Tonne Kupfer und 1,2 Tonnen Rubidium verschmutzt. Und die Menge von Kalium und Natrium liegt bei 150 respektive 300 Tonnen. Das ist also ungefähr die Menge an schädlichen Stoffen, die wir hierzulande zum Jahreswechsel einatmen. Wenn ein Unternehmen nur zehn Prozent dieses Mix im Jahr ausstoßen würde, müssten die Manager ins Gefängnis gehen.“

Einige der genannten Substanzen machen es erst möglich, dass die Feuerwerkskörper brennen. Andere geben ihnen die gewünschte Farbe. Doch die tschechischen Experten warnen, dass viele der Stoffe giftig sind, obwohl sich auf sie an Silvester kein Verbot bezieht.

Foto: makunin,  Pixabay,  CC0

Pavel Rössler ist Toxikologe bei der Akademie der Wissenschaften. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks betont er, dass die Stoffe aus dem Feuerwerk die Gefahr von Krebserkrankungen erhöhen. Dabei gehe es nicht nur darum, wie lang wir dem toxischen Mix ausgesetzt sind, sondern auch, wie viel wir davon einatmen…

„Starke Schwankungen in der Konzentration von Schadstoffen sind für unseren Körper äußerst schlecht. In den Zellen kommt es dann zu Fehlern. Damit kann der Körper an sich umgehen, und die Moleküle in den Zellen reparieren sich selbst. Wenn das System aber überlastet ist, drohen Veränderungen, die sich erst viel später zeigen“, so Rössler.

Der Feuerwerkssmog ist zudem gefährlich, weil er Metalle wie Strontium, Barium und Rubidium enthält. Diese kommen in der Natur normalerweise nur tief in der Erde vor. Der menschliche Organismus wisse daher nicht, wie er mit ihnen umgehen solle, sagt der Toxikologe:

„Diese Metalle sind sehr reaktionsfreudig, wobei Sauerstoff eine Rolle spielt. Durch die folgende Oxidation kommt es zu Schäden. Die Metalle reagieren leicht mit der DNA, also dem Träger von Erbinformationen, sowie mit Proteinen und den Fettkomponenten in den Zellen. Und nicht jedes Molekül ist in der Lage, sich selbst zu reparieren.“

Foto: United States Army,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Jene Giftstoffe des Feuerwerks, die nicht eingeatmet werden, gehen auf den Boden nieder. So gelangen sie ins Erdreich und ins Wasser, wo sie der Natur schaden. Doch an die enormen Umwelt-Folgen der Silvesterböllerei würde praktisch nirgendwo auf der Welt ein Gedanke verschwendet, wundert sich der Chemiker Klusoň:

„Es fehlt ein Monitoring. Weder das Umweltministerium noch die zuständigen Behörden unterstützen dies, weil sie das Problem für vernachlässigbar halten im Vergleich zu anderen Bedrohungen. Aber das ist es nicht. Wenn Strontium durch die Luft fliegt, kleine Kinder durch die Schwaden laufen oder am nächsten Tag mit giftigem Schnee einen Schneemann bauen, dann wird gegen alle Vorschriften verstoßen.“

Petr Klusoň und seine Kollegen empfehlen daher, sich möglichst vom Feuerwerkssmog fernzuhalten und mit Sicherheit keine Kinder den Dämpfen auszusetzen.

Autoren: Till Janzer , Martin Srb
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