Tschechischer Chirurg tauscht Uni-Klinik gegen Zelt in Syrien

Jan Trachta (Foto: Archiv der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“)

Die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ ist seit zwei Jahren in Syrien tätig. Vor einigen Tagen wandte sich die Organisation an die Uno, um eine Aufstockung der humanitären Hilfe für die bürgerkriegsgeplagte syrische Bevölkerung zu erwirken. Zudem ist dort dringend medizinisches Personal nötig, denn die Zahl der Verletzten steigt ständig. Diesem Aufruf von „Ärzte ohne Grenzen“ folgte auch der tschechische Chirurg Jan Trachta. Er reiste nach Nordsyrien, um vor Ort zu helfen.

Jan Trachta (Foto: Archiv der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“)
Jan Trachta arbeitet in der Abteilung für Kinderchirurgie in der Prager Uni-Klinik Motol. Mit „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet der Chirurg bereits seit 2008 zusammen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag brach er zu einem fünfwöchigen Aufenthalt in Syrien auf, er durfte höchstens 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen. Eine Sache fehlte dabei nicht, wie Trachta verriet:

„Es ist die Broschüre ‚Staying Alive’ (Am Leben bleiben) vom Internationalen Roten Kreuz. Sie enthält Ratschläge, wie man sich im Falle einer Entführung verhalten sollte.“

Foto: Archiv der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“
Über eine Entführung wollte sich der Arzt jedoch nicht den Kopf zerbrechen. Er fürchtete eher das Wetter:

„Ich nehme eine Thermosflasche mit. Denn in Syrien wird es schrecklich kalt sein. Und auch Weihnachtsplätzchen von meiner Mutter habe ich eingepackt.“

Für Jan Trachta ist der jetzige Einsatz in Syrien bereits seine achte Mission im Ausland. Er war zuvor unter anderem im Südsudan oder im Kongo aktiv. Und im vom Erdbeben betroffenen Haiti hat der Chirurg die Patienten direkt auf der Straße operieren müssen:

Syrien (Foto: ČTK)
„Unter ihnen waren hochschwangere Frauen, denen die Gebärmutter geplatzt war, und die innere Blutungen hatten. Zu Hause hatten diese Frauen schon sechs oder sieben Kinder. Eine solche Frau zu retten, freut einen wirklich sehr.“

Der Chirurg tauscht die gut ausgestatteten Räume der Uni-Klinik in den kommenden Wochen gegen ein Zelt. In der Prager Klinik hat er fünf Wochen unbezahlten Urlaub beantragt, um in Syrien helfen zu können.

Syrien (Foto: ČTK)
„Der Krieg in Syrien ist sehr brutal und das Ausmaß der Kriegsfolgen ist außerordentlich groß. Ich bin davon überzeugt, dass sich die dortige Situation von dem, was ich bereits erlebt habe, unterscheiden wird.“

Während der Einsätze in den Krisenregionen müssen die Ärzte sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden. Trotzdem kehren viele von ihnen in die gefährlichen Regionen zurück: ohne Anspruch auf Honorar. Die finanziellen Mittel der Hilfsorganisation werden in erster Linie für medizinisches Material ausgegeben. Pavel Gruber leitet die tschechische Sektion des internationalen Netzwerks:

Pavel Gruber (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Wir bemühen uns darum, größtenteils von kleinen Spendern finanziert zu werden, um die Hilfe wirklich unabhängig und unparteiisch leisten zu können.“

In Syrien betreiben Ärzte ohne Grenzen vier Krankenhäuser und einige mobile Kliniken, vor allem im Norden des Landes. Zudem liefern sie Bedürftigen medizinisches Material und Medikamente an verschiedene Orte des Landes.