Tschechischer Klavierhersteller Petrof verlegt Teil seiner Produktion nach Indonesien

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Der tschechische Klavier- und Flügelhersteller Petrof verlegt einen Teil seiner Produktion ins Ausland. Das preisgünstigere Segment des Traditionsunternehmens soll in Zukunft in Indonesien hergestellt werden, wie die Chefin und Inhaberin von Petrof, Zuzana Ceralová Petrofová, am Montag der Tageszeitung e15 mitteilte.

Als Grund für die Auslagerung nannte das Unternehmen die hohen Kosten für Arbeitskräfte in Tschechien, die gestiegenen Energiepreise sowie hohe Ausgaben für Materialen. „Die Produktionskosten werden in Indonesien mindestens um die Hälfte geringer sein als in Tschechien. Am Stammsitz in Hradec Králové werden nun zwar weniger Instrumente hergestellt, es handelt sich aber um keinen wirklich großen Einschnitt“, so Firmeninhaberin Ceralová Petrofová gegenüber e15.

Zuzana Ceralová Petrofová | Foto: Jana Přinosilová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die betreffende indonesische Firma erhält demnach vom tschechischen Traditionsunternehmen sämtliche Unterlagen, die für die Produktion nötig seien. Anschließend kaufe Petrof die Musikinstrumente von dem asiatischen Partner ab, so die Mitteilung. Wer genau die Klaviere in Indonesien herstellen wird, wurde vorerst nicht verraten. Petrof zufolge soll es sich aber um einen Betrieb handeln, der seit über 20 Jahren erfolgreich Pianos für weltweit führende Marken herstellt. Das tschechische Unternehmen wird zudem ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Mitarbeiter haben, die seine Instrumente herstellen werden.

Ceralová Petrofová zufolge soll die Produktion in Indonesien in der zweiten Jahreshälfte beginnen, damit die Instrumente rechtzeitig zur Weihnachtssaison verkauft werden können. Rund 300 Klaviere sollen noch bis zum Jahresende in Asien gebaut werden. In den kommenden Jahren soll die Produktion in Fernost dann Schritt für Schritt ansteigen, geplant sind bis zu 2000 Klaviere pro Jahr.

Während die günstigsten Petrof-Modelle künftig komplett in Indonesien hergestellt werden sollen, würden teurere Produkte dort nur teilweise gebaut und schließlich in Hradec Králové / Königgrätz vervollständigt, heißt es weiter. Höherwertige Klaviere und Konzertflügel hingegen sollen weiterhin ausschließlich in Tschechien gebaut werden.

Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Die Geschichte von Petrof reicht bis ins Jahr 1864 zurück. 2022 erzielte die Firma einen Gewinn von 8,7 Millionen Kronen (345.000 Euro). Im Jahr davor hatte der Gewinn noch bei 34,5 Millionen Kronen (1,36 Millionen Euro) gelegen. Grund für den Einbruch war vor allem der Krieg in der Ukraine, aufgrund dessen keine Klaviere mehr nach Russland geliefert werden. Wegen der Coronapandemie ging zudem der Absatz in China zurück. In der Fabrik in Hradec Králové wurden 2022 rund 1150 Instrumente hergestellt. Mit Indonesien macht Petrof nun aber nicht den ersten Schritt ins Ausland. In Lizenz werden bereits Klaviere in China hergestellt. 2022 lagen die Produktionszahlen dort bei um die 3500 Stück. Vertrieben werden diese Instrumente unter den Marken Rösler, Scholze und Fibich.

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