Tschechischer Rüstungskonzern CSG legt fulminanten Start an der Amsterdamer Börse hin

Der tschechische Rüstungskonzern CSG des Unternehmers Michal Strnad ist an die Börse in Amsterdam gegangen

Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) ist am Freitag in Amsterdam an die Börse gegangen – erwartungsgemäß überaus erfolgreich. Beobachtern zufolge handelte es sich um den größten Börsengang eines Rüstungsunternehmens überhaupt. Zugleich ist der Waffenkonzern nun das wertvollste tschechische Unternehmen – vor dem halbstaatlichen Energiekonzern ČEZ.

Für je 25 Euro wurde ein CSG-Anteilsschein beim Börsengang am Freitag angeboten. Doch schon nach wenigen Minuten kletterte die Aktie des tschechischen Rüstungskonzerns auf bis zu 33 Euro – ein Plus von mehr als 30 Prozent. Eine große Nachfrage war zuvor durchaus erwartet worden. So sagte Tomáš Cverna, Aktienanalytiker beim Unternehmen XTB, am Morgen dem Tschechischen Rundfunk:

„Das Interesse ist riesig. Gleich der erste Tag sollte ein Erfolg werden, genauso wie die weiteren ersten Wochen von CSG an der Börse.“

Der Hersteller von Munition, gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriesystemen wurde beim Börsengang mit rund 25 Milliarden Euro bewertet. Zum Verkauf wurden rund 15 Prozent angeboten, der Aktienhandel in Amsterdam brachte CSG damit 3,8 Milliarden Euro ein. Der Großteil dieser Einnahmen – rund drei Milliarden Euro – geht an den Eigentümer des Rüstungsriesen. Dies ist der 33-jährige Tscheche Michal Strnad, der nun zum reichsten Tschechen werden dürfte. Bisher liegt er in dem Ranking auf dem vierten Platz.

Michal Strnad | Foto: Ladislav Křivan,  MF DNES + LN / Profimedia

„Strnad verkauft einen Teil der Aktien direkt selbst. Das heißt, er bekommt Bares für seine Aktien. Die weiteren Finanzmittel dürften für die Expansion des Unternehmens genutzt werden. CSG ist ein bedeutender Hersteller von Großkalibermunition. Nach dieser besteht eine hohe Nachfrage, weshalb die Investoren ja auch interessiert sind. Vermutlich wird das an der Amsterdamer Börse erzielte Geld nun in die Herstellung dieser Munition fließen.“

CSG hatte seinen Börsengang Anfang der Woche angekündigt. Wie der Waffenkonzern bekanntgab, seien die Anteile für institutionelle Investoren vorgesehen. So lagen bereits Zusagen im Wert von 900 Millionen Euro vor. Zu den Geldgebern zählen unter anderem der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sowie der Staatsfonds von Katar. Die Zeichnungsfrist war vergleichsweise kurz. Sie begann am Dienstag dieser Woche und dauerte nur bis Donnerstag. Doch Analytiker Cverna merkt dahingehend an:

„Bei den Emissionen in westlichen Ländern ist das eine recht übliche Praxis. Und um ehrlich zu sein, hat die Lage in der Ukraine, die seit 2022 andauert, sehr große Werbung für diesen Börsengang gemacht. Das Ganze musste also nicht weiter aufgeschoben werden.“

Die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen erleben dabei derzeit nicht nur wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine einen Höhenflug. Auch die Lage im Iran, die US-Intervention in Venezuela und das generelle Aufrüsten in Europa befeuern die Kurse. Der Börsengang von CSG hatte von daher ein gutes Timing.

Während die Amsterdamer Börse für CSG nun der Hauptmarkt der Aktien ist, werden die Wertpapiere seit Freitag auch in Prag gehandelt. Dort erfolgt die Veräußerung der Anteile in tschechischen Kronen. Es handelt sich allerdings lediglich um einen Sekundärmarkt, der nicht reguliert ist und der die Notierung von CSG nicht beeinflusst.

Quelle:  CZECHOSLOVAK GROUP,  public domain

Die Geschichte der Czechoslovak Group reicht in die 1990er Jahre zurück, als Michal Strnads Vater Jaroslav mit ausrangierten Sowjet-Panzern zu handeln begann. Michal Strnad ist seit 2018 der Eigentümer des Konzerns. Laut Einschätzung des Stockholmer Instituts für Internationale Friedensforschung (SIPRI) ist CSG das am schnellsten wachsende europäische Unternehmen auf dem weltweiten Waffenmarkt.

Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen