Tschechisches Innenministerium legt Programm „Sichere Kindheit“ vor

Die tschechische Regierung will sich mehr um die seelische Gesundheit von Kindern kümmern und sie besser gegen Gewalt schützen. Ein neues Programm soll zudem der Prävention dienen, damit die Heranwachsenden nicht selbst zu Gewalttätern werden.

37 Prozent der Heranwachsenden in Tschechien erleben noch vor ihrem 18. Geburtstag zwei oder mehr einschneidende negative Ereignisse, wie etwa die Scheidung der Eltern oder auch Gewalt. Parallel wächst hierzulande die Zahl der Straftaten, die durch Minderjährige verübt werden – aktuell liegt sie um 25 Prozent höher als noch 2019. Vor diesem Hintergrund hat Innenminister Vít Rakušan (Stan) am Montag das Programm „Bezpečné dětství“ (Sichere Kindheit) vorgestellt. Damit soll das Maß an Gewalt und Kriminalität in der Gesellschaft Tschechiens gesenkt werden.

Vít Rakušan und Klára Šimáčková Laurenčíková  | Foto: STAN

Das Programm konzentriert sich auf die Bedingungen, unter denen die Kinder und Jugendlichen hierzulande aufwachsen. Es geht um systematische Unterstützungsmaßnahmen vor allem für Kinder, die Gewalt oder Schikane erleben. Zwar gebe es dazu bereits viele Projekte, räumt Rakušan ein. Sie würden aber nicht aneinander anknüpfen und sich mitunter auch überlagern:

„Bei dem Programm werden sechs Ressorts zusammenarbeiten, und das ist der Schlüssel zum Erfolg. Es handelt sich um die Ministerien für Inneres, für Arbeit und Soziales, für Bildung sowie für Gesundheit, um das Justizministerium und logischerweise auch um das Regierungsamt. Aus allen Zahlen, die wir zur Verfügung haben, ist ziemlich klar erkennbar, dass in Tschechien im Bereich der Gewaltprävention seit langem ein systemisches Defizit besteht.“

Eine dieser Zahlen besagt etwa, dass über 70 Prozent aller Straftäter im Land in ihrer Kindheit selbst Gewalt- oder andere negative Erfahrungen gemacht haben. Zwar wird in Tschechien seit einigen Jahren über ein Gesetz zum Verbot von Körperstrafen bei der Erziehung von Kindern diskutiert, es ist aber immer noch nicht auf dem Weg. Und auch die Einführung des sogenannten Kinder-Zertifikates dauert. Damit soll verurteilten Gewalttätern untersagt werden, künftig mit Kindern zu arbeiten. Dieser Vorschlag hat vergangene Woche gerade grünes Licht vom Abgeordnetenhaus bekommen.

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Das geplante Programm „Bezpečné dětství“ versucht nun, alle Bereiche der Kindheit und Jugend abzudecken. Es gibt zum Beispiel Angebote zur Unterstützung junger Eltern oder neue Regeln für die Vorschulbildung, zudem soll die Rolle der Kinderärzte gestärkt werden. Bei Schulkindern wird ein Schwerpunkt auf ihre seelische Gesundheit und den Einsatz von Schulpsychologen gelegt, was im Übrigen schon in den neuen nationalen Rahmenlehrplan eingeflossen ist. Und weiter erläutert Klára Šimáčková Laurenčíková, Tschechiens Regierungsbeauftragte für Menschenrechte:

„Wir dürfen außerdem nicht mehr auf einen spezialisierten forensischen Dienst verzichten. Dieser muss eine stationäre und geschützte Behandlung anbieten für Kinder, die bereits sehr ernsthafte Probleme im Bereich der seelischen Gesundheit haben und gewaltbereit sind. Sie brauchen wirklich fachliche Hilfe in psychiatrischer, forensischer und stationärer Form.“

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Ebenso sollen dem Programm zufolge Krisenangebote wie etwa Sorgentelefone verstärkt werden. Um all diese Vorhaben umzusetzen, muss nun zunächst einmal festgestellt werden, was in den einzelnen Kreisen Tschechiens einerseits bereits vorhanden ist und wo andererseits Bedarf besteht. Dazu Kateřina Bělohlávková, Referentin im Innenministerium:

„Wir haben damit begonnen, Runde Tische durchzuführen, um die Koordinierung zu klären. Wir werden in jedem Kreis einen Partner brauchen, der die regionale und die staatliche Ebene verbindet.“

Auf diese Weise sollen die nötigen Maßnahmen für jeden einzelnen Kreis bestimmt werden.

Vít Rakušan legt sein Programm „Bezpečné dětství“ bei der Kabinettssitzung am Mittwoch vor. Seinen Angaben zufolge braucht es eine Finanzierung von rund 600 Millionen Kronen (24,2 Millionen Euro), die die beteiligten Ressorts gemeinsam aufbringen sollen. Prävention sei immer noch billiger, als im Gesundheitssystem oder in Gefängnissen mit den Folgen von Gewalt umgehen zu müssen, betont der Innenminister. Jede Krone, die in die Gewaltprävention investiert werde, spare sechs Kronen an späteren Kosten, so Rakušans Berechnung.

Autoren: Daniela Honigmann , Tereza Hübscherová | Quelle: Český rozhlas
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