Ukrainer tragen zur tschechischen Wirtschaft bei und beeinflussen die Altersstruktur der Bevölkerung

Der Beitrag der ukrainischen Geflüchteten zur tschechischen Wirtschaft sowie ihr Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur – diese Themen wurden in den letzten Tagen in Tschechien diskutiert.

In Tschechien leben dem Innenministerium zufolge derzeit fast 375.000 Geflüchtete aus der Ukraine. Tschechien hat pro Einwohner die höchste Zahl von ukrainischen Kriegsflüchtlingen aufgenommen. Innenminister Vít Rakušan (Stan) diskutierte am Freitag mit seinen Amtskollegen aus den EU-Ländern in Luxemburg über die Zukunft der Sondervisa für die Geflüchteten aus dem von Russland angegriffenen Land. Sie einigten sich auf eine Verlängerung bis 4. März 2027. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte der Innenminister kurz vor der Tagung:

Vít Rakušan | Foto: Zuzana Jarolímková,  Tschechischer Rundfunk

„Die Maßnahme der Sondervisa hat sich in Ländern, die imstande sind, zu helfen, bewährt. Zudem gibt es in Tschechien auch eine alternative Möglichkeit des Aufenthalts für diejenigen, die arbeiten und keine Hilfe vom Staat brauchen.“

Wie die Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Klára Šimáčková Laurenčíková, am Donnerstag auf einer Konferenz in Prag informierte, beträgt der ökonomische Beitrag der ukrainischen Geflüchteten zur tschechischen Wirtschaft jeden Monat rund eine Milliarde Kronen (40 Millionen Euro). In der Ukraine fehlen jedoch rund vier Millionen Menschen, die für den Wiederaufbau des Landes notwendig wären und die früher oder später aus anderen Ländern in die Heimat zurückkehren sollten. Diese Zahl nannte der tschechische Regierungsbevollmächtigte für den Wiederaufbau der Ukraine, Tomáš Kopečný, auf der Konferenz. Andererseits haben tschechische Arbeitgeber Angst, die ukrainischen Arbeitnehmer zu verlieren. Die Lage sei also kompliziert, betonte Innenminister Rakušan im Tschechischen Rundfunk und fuhr fort:

Illustrationsfoto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

„Wir sind uns der Vorteile für die tschechische Wirtschaft bewusst. Rund 130.000 Ukrainer haben in Tschechien eine legale Arbeit. Weitere Geflüchtete stellen Anträge, um Arbeit zu bekommen. Insgesamt sind rund 70 Prozent der in Tschechien lebenden Ukrainer werktätig. Andererseits führe ich Gespräche mit meinem ukrainischen Amtskollegen und er wünscht sich natürlich, dass es nach dem Kriegsende genügend Menschen gibt, die die Ukraine wiederaufbauen. Wir müssen darum eine entsprechende Lösung finden. Das heißt Geflüchteten, die zurückkehren wollen, dabei zu helfen, und denjenigen, die in Tschechien bleiben wollen, bei der Integration unter die Arme zu greifen, damit sie eine Arbeitsstelle finden, die ihrer Qualifikation entspricht. Dies ist hierzulande häufig nämlich nicht der Fall.“

Illustrationsfoto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

Mit dem Aufenthalt der Geflüchteten aus der Ukraine in Tschechien hängen auch die jüngsten Zahlen zusammen, die das Statistikamt (ČSÚ) am Donnerstag veröffentlichte. Im ersten Quartal 2025 schrumpfte die Einwohnerzahl Tschechiens um mehr als 30.000. Über 46.000 Personen wanderten aus, rund 26.000 Menschen ein. In beiden Fällen handelte es sich dem Statistikamt zufolge häufig um ukrainische Bürger. Wie wirkt sich die Aufnahme der Geflüchteten aus der Ukraine auf die Bevölkerungsstruktur in Tschechien aus? Der Demograf Tomáš Kučera von der Prager Karlsuniversität erklärte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, wichtiger als die Zahl der Flüchtlinge sei die Altersstruktur. Und diese sei verhältnismäßig günstig, so der Experte:

Tomáš Kučera | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

„Unter den Geflüchteten sind vorwiegend junge Frauen mit Kindern und einen bestimmten Teil bilden Senioren. Wichtig ist, wie sich die Frauen in die Gesellschaft integrieren, und zwar nicht nur im ökonomischen Bereich. Mit der ersten Flüchtlingswelle sind viele schwangere Frauen nach Tschechien gekommen. 2022 kamen rund 1600 ukrainische Kinder hierzulande zur Welt, deren Mütter aus der Ukraine geflüchtet sind.“

Der Demograf machte darauf aufmerksam, dass die Ukrainerinnen hierzulande meistens ohne Partner sind und viel arbeiten müssen. Die Eingliederung der ukrainischen Kinder, die derzeit in Tschechien leben, hält er künftig für problemlos.

Autor: Martina Schneibergová | Quelle: Český rozhlas
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