Ukrainer mit tschechischen Wurzeln zieht es in die alte Heimat

Foto: Tschechisches Fernsehen

Fast 200 Ukrainer mit tschechischen Wurzeln können mit ihren Familien demnächst nach Tschechien aussiedeln. Die tschechische Regierung richtete für sie vorige Woche eine vorübergehende Konsulatsabteilung in Odessa ein, dort konnten sie die entsprechenden Dokumente beantragen.

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Natalija und Jura wollen zum Beispiel nach Tschechien aussiedeln. Die Rückkehr in die Heimat ihrer Vorfahren eröffnet dem jungen Ehepaar eine neue Perspektive. Natalija:

"Wir möchten in einem sicheren Land leben, in dem wir mehr Möglichkeiten haben, eine gute Arbeit zu finden. Für unser kleines Kind gibt es in Tschechien eine bessere Gesundheitsfürsorge als in der Ukraine."

Natalijas Mann Jura stammt aus einer tschechischen Familie:

"Mein Opa ist Tscheche, meine Mutter ist Tschechin, der Urgroßvater war natürlich auch Tscheche. Meine Familie lebt seit dem Jahr 1900 in Odessa."

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Jura ist Designer, Natalija bildende Künstlerin. Beide hoffen, in Tschechien in ihren Berufen arbeiten zu können. Aber nicht nur junge Familien, sondern auch ältere Angehörige der Minderheit wollen zurückkehren. Sie haben meist den Vorteil, dass sie immer noch Tschechisch beherrschen. Zu ihnen gehört auch Karel Vinter.

„Mein Cousin wohnt in Tschechien. Er lebt mit seiner Familie in Hajnice bei Trutnov. Dort möchten wir auch ein Häuschen kaufen und neben den Verwandten leben.“

Die Anträge für einen Daueraufenthalt in Tschechien werden eigentlich von der Botschaft in Kiew erledigt. Um den Tschechen aus der Ost- und Südostukraine entgegenzukommen, hatte die tschechische Regierung für zwei Wochen aber eine provisorische Konsulatsabteilung in Odessa eingerichtet. Karel Kühnl ist Regierungsbevollmächtigter für die Auslandstschechen.

Karel Kühnl, foto: Marián Vojtek
„Wir haben in dieser Zeit rund 180 Anträge für einen Daueraufenthalt bekommen. 140 davon wurden inzwischen erledigt, die Reisepässe sind ausgestellt. Die Anträge werden nach Regeln beurteilt, die nicht neu sind. Die Antragsteller müssen ihre tschechischen Wurzeln nachweisen. Wenn sie diese belegen, können sie und ihre Familien problemlos nach Tschechien aussiedeln.“

Interesse an einer Aussiedlung bekunden nicht nur Familien, die nahe der Konfliktregion Donbass leben. Auch mehrere Wolhynien-Tschechen aus der Westukraine wollen umziehen. Die Gründe für die Aussiedlung seien individuell, sagt Karel Kühnl:

„Einer der Gründe ist die Beziehung zur Heimat, die in den Familien über lange Jahrzehnte hinweg aufrechterhalten wurde. Ein weiterer Grund ist, dass sie in ein Land ziehen wollen, in dem sie gut leben können. Ich bin froh, dass es für sie eben Tschechien ist.“

Kühnl zufolge wurde bisher kein Antrag abgelehnt. Denn jene, die aussiedeln wollen, seien über die Bedingungen dafür gut informiert, sagt er. Die ersten tschechischen Familien aus der Ukraine werden im März in Tschechien erwartet.