Unicef-Studie: Lockdown hat Verhältnis von Kindern zu ihren Vätern verbessert

Wie zufrieden sind die Kinder in Tschechien mit ihren Eltern? Die Langzeitstudie „Mladé hlasy“ (Junge Stimmen) des hiesigen Unicef-Büros stellt Heranwachsenden diese und andere Fragen. Eine der aktuellen Erkenntnisse besagt, dass sich in Pandemie-Zeiten das Verhältnis zu den Vätern verbessert hat.

Pavla Gomba | Foto: Jan Bartoněk,  Tschechischer Rundfunk

Der Großteil der Kinder in Tschechien bewertet sein Verhältnis zu den Eltern als gut. Kaum überraschend dürfte dabei sein, dass ältere Kinder in dieser Hinsicht tendenziell weniger zufrieden sind als jüngere. Dies ergab die diesjährige Umfrage zum Thema Familienleben von Unicef Tschechien, die am Montag vorgestellt wurde. Gefragt nach den einzelnen Elternteilen, gaben 90 Prozent der jungen Teilnehmer an, gut beziehungsweise sehr gut mit der Mutter auszukommen. Weiter berichtet Pavla Gomba, Geschäftsführerin von Unicef Tschechien:

„Interessant ist, dass sich die Ansichten über die Väter unter dem Einfluss der Pandemie verändert haben. Wir können die Daten der einzelnen Umfragejahrgänge vergleichen, und aktuell ist es zu einer interessanten Verschiebung gekommen. Auf die Frage, wem sie am meisten vertrauen, haben die Kinder in den vergangenen Jahren an erster Stelle immer ihre Mutter genannt, dann die Ärzte und an dritter Stelle ihren Vater. In der diesjährigen Umfrage wurden die Väter erstmals besser bewertet, die Kinder vertrauen ihnen nun also mehr.“

Illustrationsfoto: Taylor Herring,  Flickr,  CC BY-NC-ND 2.0

Konkret waren es etwas mehr als 75 Prozent der Befragten, die von einem guten oder sehr guten Verhältnis zum Vater sprachen. Die Erklärung für diese positive Entwicklung sieht Gomba in der Corona-Pandemie:

„Unsere Interpretation, die wir auch mit Soziologen und Psychologen konsultiert haben, bezieht sich auf die Pandemie und den Lockdown. Die Familien haben mehr Zeit zusammen verbracht. Die Väter waren wahrscheinlich mehr zu Hause, viele von ihnen haben im Homeoffice gearbeitet. Dadurch hatten sie und ihre Kinder die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Die Väter haben mehr Quality Time mit ihrem Nachwuchs verbracht.“

Für die Unicef-Analyse hat das Meinungsforschungsinstitut Stem/Mark von Juli bis September persönliche Interviews mit 426 Kindern und Jugendlichen geführt. Diese waren zwischen neun und 17 Jahre alt. Seit 2001 erforscht die Studie „Junge Stimmen“ in regelmäßigen Abständen von mehreren Jahren die Haltungen und Erwartungen der nachwachsenden Generation in Tschechien. In diesem Jahr hat die Umfrage drei Teile. In separaten Gesprächen wurden die Kinder auch zum Thema Glück sowie zu Schule und Freundschaft befragt.

Illustrationsfoto: Jep Gambardella,  Pexels,  CC0

Bezüglich des Familienlebens spricht Pavla Gomba neben den positiven Erkenntnissen auch von Ergebnissen, die ihr eher Sorge bereiteten. Diese würden zutage treten bei der Frage, was die Kinder ändern würden, wenn sie könnten:

„Die gute Nachricht ist, dass ein Drittel von ihnen gar nichts ändern würde. Wenn sie sich aber etwas wünschen, dann ist es am häufigsten, dass die Eltern mehr zu Hause wären. Weiter hätten die Kinder gern, dass ihre Eltern ihnen mehr zuhörten und dass es in der Familie friedlicher zugehe. Es tauchen durchaus witzige Wünsche auf, dass jemand etwa seine Schwester ändern würde oder statt einer Katze gern einen Hund hätte. Aber es fallen eben auch sehr ernste Anmerkungen etwa zum Alkoholkonsum der Eltern oder über zerrüttete Verhältnisse, in denen sich die Kinder wünschen, dass die Eltern wieder zueinander zurückkehren.“

Illustrationsfoto: Emma Bauso,  Pexels,  CC0

Die Umfrageergebnisse besagen, dass es in sozial schwächeren Familien weniger harmonisch zugeht und die jüngsten Mitglieder ein geringeres Vertrauen in ihre Eltern haben. Gomba mahnt vor der irrtümlichen Annahme, Kinder lebten in einer Blase, in der sie das äußere Geschehen nicht wahrnehmen und eine glückliche, sorglose Kindheit erleben würden…

„Die Studie hat eindeutig belegt, dass die familiären Verhältnisse auf die konkreten Lebenserfahrungen einen grundlegenden Einfluss haben. Unicef empfiehlt deshalb, in Armut lebenden Kindern in Tschechien mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Konkrete Maßnahmen wie etwa die Berechnung des Existenzminimums müssen so angepasst werden, dass von Armut bedrohte Kinder hierzulande besser geschützt werden.“

Illustrationsfoto: Anastasia Gepp,  Pixabay,  CC0

Die Ergebnisse der Studie stellt Unicef staatlichen Institutionen wie auch nicht-staatlichen Organisationen zur Verfügung – verbunden mit der Forderung nach Maßnahmen, um die Lebenslage von Kindern in Tschechien zu verbessern.

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