Verpflegung für die amerikanische Mondbasis – tschechisches Startup an Entwicklung beteiligt

Seit knapp 50 Jahren war kein Mensch mehr auf dem Mond. Die Nasa plant jedoch unter dem Namen Artemis eine neue bemannte Mission. Diese könnte 2025 eine vierköpfige Besatzung auf den Erdtrabanten schicken. Das eigentliche Ziel ist aber eine dauerhafte Mondstation. Eines der Probleme dabei: Wie sollen sich die Astronauten dort über Monate oder Jahre hinweg ernähren? Die US-Raumfahrtbehörde hat die Lösung dieses Problems Privatunternehmen überlassen. Erfolgreich beworben hat sich auch der tschechische Visionär Jakub Krejčí.

Apollo 17 | Foto: OptoMechEngineer,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Apollo 17 war im Dezember 1972 der letzte bemannte Mondflug. Damals blieben Eugene Cernan und seine Crew nur etwas mehr als drei Tage dort oben. Mit der Mission Artemis plant die Nasa aber sogar den Bau einer Mondbasis. Für die Frage der Verpflegung bestünden konkrete Vorgaben, wie der Unternehmer Jakub Krejčí in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte:

„Die Nasa hat genau definiert, welche Nährwerte das Essen haben soll. Unsere Aufgabe ist, einen Automaten für die Ausgabe der Speisen zu entwerfen. Dieser soll drei Jahre lang funktionstüchtig sein und für vier Personen Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bereitstellen. Geplant sind 3000 Kilokalorien am Tag für jeden Astronauten.“

Mission Artemis | Quelle:  NASA,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Jakub Krejčí hat sich mit seinem Startup Rocket Lunch für das Projekt beworben. Seit Oktober vergangenen Jahres gehört es zu insgesamt 18 Teams, die von der Nasa finanziell gefördert werden, um Lösungen für die Astronautenverpflegung zu entwickeln. Denn so wie auf der Weltraumstation ISS könne es auf dem Mond nicht funktionieren, sagt Milan Halousek von der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft:

Milan Halousek | Foto: Jakub Schmidt,  Tschechischer Rundfunk

„Der große Unterschied liegt im Gesamtbedarf an Vorräten. Die sieben Astronauten der ISS werden alle paar Monate über Versorgungsflüge neu beliefert. Auf den Mond wird es aber der Entfernung wegen nur jährliche Versorgungsflüge geben. Das heißt, alles muss länger halten.“

Die Konzeption des Essens ist dabei für Krejčí noch der einfachere Teil. Denn in der Nähe von Prag betreibt er bereits eine Fabrik für sogenanntes Spacefood. Unter anderem hat er auch einen Burger aus dem Pulversäckchen entworfen – bestehend aus pflanzlichen Nährstoffen…

„Wir bauen hauptsächlich auf Photosynthese. Soja, Erbsen, Reis, Hafer und Weiteres – dank einer breiten Palette an Zutaten erhalten wir den benötigten Anteil an Eiweißen, Sachariden, Vitaminen und Mineralien. Jede Zutat analysieren wir im Labor, sodass wir das endgültige Lebensmittel wie eine Software zusammensetzen können“, so Jakub Krejčí.

Mission Artemis | Quelle:  NASA,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Letztlich sollen die Astronauten immer für zwei Wochen eine abwechslungsreiche Verpflegung haben. Und zwar in flüssiger, halbflüssiger und fester Form, wie die Nasa vorgegeben hat.

Das Schwierige ist aber der von Rocket Lunch geplante Essensautomat. In diesen „Bistromathic“, so der Name, schüttet man dann das gewünschte Gemisch hinein, heraus kommt das Essen.

„Im Grunde lässt sich das mit einem Kaffeeautomaten vergleichen. Dieser ist allerdings nur mit einer Druckpumpe und heißem Wasser ausgestattet. Wir operieren aber mit variablem Druck von null bis 140 Bar. Die Temperaturen reichen bei uns von 20 bis 120 Grad Celsius. Und wir können in allen zehn Phasen der Essenszubereitung den Druck und die Temperatur regeln, weitere Komponenten wie Wasser oder Öl hinzufügen und sie zum Beispiel verrühren oder mixen lassen“, sagt der Startup-Gründer.

Jakub Krejčík | Foto:  Heaven Labs

Die Produktionslinie von Krejčís Spacefood-Firma Heaven Labs ist 20 Meter lang und 15 Meter breit. Doch wie bekommt man das alles in ein Gerät von der Größe eines handelsüblichen Kaffeeautomaten? Dazu sucht der Visionär weitere junge talentierte Leute, die mitmachen wollen an dem Projekt:

„Wir sind eine von nur vier Firmen, die eine Gesamtlösung für die Essensausgabe vorgeschlagen haben. Auf uns wartet nun die zweite Phase, nämlich einen Prototyp zu bauen.“

Und dieser Prototyp muss bis Anfang 2023 fertig sein…