Viele Kontakte nach Prag: Fotografin Inge Morath

Foto: Martina Schneibergová

In Prag ist derzeit eine Auswahl von Schwarzweißfotos vieler namhafter Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft der ganzen Welt zu sehen. Sie stammen von der renommierten Fotografin Inge Morath. Die Österreicherin reiste viel und lebte eine Zeit lang in New York. Von 1962 bis zu ihrem Tod war sie mit dem Schriftsteller Arthur Miller verheiratet. Die Prager Ausstellung ist im Österreichischen Kulturforum zu sehen. Sie wurde vom Fotografen Kurt Kaindl zusammengestellt. Mit ihm ist nach der Vernissage folgendes Gespräch entstanden.

Foto: Martina Schneibergová

Herr Kaindl, Sie haben lange mit Inge Morath zusammengearbeitet. Wie ist die Prager Ausstellung entstanden?

Inge Morath (Foto: Martina Schneibergová)
„Die Ausstellung ist aus einem Buch entstanden, das wir mit Inge Morath schon vor vielen Jahren geplant haben. Die Porträtfotografie war einer der wichtigsten Bereiche von Inge Moraths Arbeit. Sie hat überall in der Welt Porträts von Schriftstellern und Künstlern gemacht. Diese wollten wir in einem Buch zusammenfassen, und die Ausstellung ist ein Ausschnitt aus dem Buch.“

Zu sehen sind hier auch einige Fotografien, die in Prag aufgenommen wurden. Hatte Inge Morath eine besondere Beziehung zu Prag?

„Mit Prag verbindet Inge Morath eine ganz lange Geschichte. Begonnen hat das, als sie mit ihrem Lehrer Henri Cartier-Bresson, einem bekannten französischen Fotografen und Gründer von Magnum, zusammengearbeitet hat. Er hat sie nach Prag geschickt und gesagt, es werde ein Buch von ihm über die Stadt gedruckt und ob sie das nicht überwachen könnte. Damals lernte sie die Kunsthistorikerin Anna Fárová kennen, die das Buch produziert hat. Daraus ist eine lebenslange Freundschaft entstanden. Anna Fárová hat Inge das barocke Prag gezeigt. Daran war sie damals besonders interessiert. Seit dieser Zeit hat Inge alle paar Jahre immer wieder die Stadt besucht und viele Intellektuelle fotografiert. Darunter 1969 beispielsweise auch Václav Havel. Er hat sich nachher für Inges Arbeit interessiert und lud sie 1993 ein, um auf der Prager Burg eine Ausstellung zu zeigen. Inge Morath kam also erneut hierher und hat ihre Bilder vorgestellt.“

Kurt Kaindl (Foto: Martina Schneibergová)
War es nicht Inge Moraths Verdienst, dass sich ihr Mann Arthur Miller während des Kommunismus für die tschechischen Schriftsteller eingesetzt hat?

„Ja, sicher. Inge Morath hat die europäische Literatur sehr gut gekannt. Arthur Miller war damals Präsident des Internationalen P.E.N.-Klubs, also des Schriftstellerverbands. Er hat sich auch für die Autoren in Russland eingesetzt, die dort verfolgt wurden und nicht publizieren konnten, sowie für die Schriftsteller in der damaligen Tschechoslowakei. Inge hat ihren Mann überredet, dass er die Autoren besucht und damit seine Unterstützung signalisiert.“

Es gibt hier auch mehrere Fotos, die Sie gemacht haben…

„Die Fotos zeigen unsere Arbeitssituation im Haus in Roxbury, wo Inge mit Arthur Miller gewohnt hat. Das war ein ehemaliges Bauernhaus. Das Künstlerpaar hat es umgebaut.“

Wir stehen jetzt im Österreichischen Kulturforum in Prag. Auf einem der Fotos ist dessen erster Leiter Valentin Inzko zu sehen, der das Kulturforum auch gegründet hat. Wann wurde das Bild gemacht?

Foto: Martina Schneibergová
„Das war 1993. Inge Morath war von Havel eingeladen worden, um ihre Fotografien zu zeigen. Valentin Inzko hat das damals vermittelt. Er hat sich sehr für Inges Arbeit interessiert. Ich erinnere mich daran, wie wir einen langen Spaziergang an den Hängen der Prager Burg unternommen haben. Sie setzten sich dort unter einen Baum, und ich habe sie fotografiert. Inge interessierte sich sehr für die politische und gesellschaftliche Situation. Das waren sehr lange Gespräche, die sie hier geführt hat. Man würde erwarten, dass eine Fotografin nur fotografiert, aber Inge Morath hat sich immer sehr viel informiert und sehr viel gewusst, bevor sie das erste Foto machte.“

Für Sie ist es vermutlich auch nicht das erste Mal, dass Sie an einer Ausstellung in Prag teilnehmen?

„Ich habe die Ausstellung von Inge Morath 1993 mitorganisiert und selbst auch schon in Prag ausgestellt. Ich habe Fotos zum Thema Minderheiten gemacht. Ich kenne Prag sehr lange von vielen Besuchen und habe alle Veränderungen mitbekommen, die sich hier abgespielt haben.“

Haben Sie Kontakte zu tschechischen Fotografen?

„Ich habe mich wie viele weitere Fotografen auch zu Beginn sehr stark an Josef Sudek orientiert. Ich weiß, dass meine ersten Besuche dem Werk von Sudek gehört haben. Und sehr früh habe ich Vladimír Birgus getroffen, der damals an der FAMU unterrichtet hat. Das war noch in der kommunistischen Zeit. Mit ihm habe ich viel Austausch gepflegt, und wir haben auch tschechische Fotografen in Salzburg vorgestellt.“


Die Ausstellung mit dem Titel „Inge Morath – Portraits“ ist in der Galerie des Österreichischen Kulturforums zu sehen, sie läuft noch bis 9. Januar kommenden Jahres. Die Galerie ist von Montag bis Freitag geöffnet, und zwar von 10 bis 17 Uhr.