Volkszählung

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Am Donnerstag fällt der Startschuss für die viel diskutierte und zum Teil heftig umstrittene Volkszählung. Sie beginnt offiziell damit, dass jeder einzelne Haushalt auf dem Gebiet der Tschechischen Republik - notfalls auch mehrmals - von einem so genannten Zählkommissar aufgesucht wird und von ihm drei Fragebögen ausgehändigt bekommt, die er innerhalb von drei Wochen ausgefüllt wieder zurückgeben muss. So will es das Gesetz. So wollen es indes bei weitem nicht alle Bürger. Hören Sie hierzu eine kurze Bestandsaufnahme von Silja Schultheis.

Das Tschechische Amt für Statistik betont seit Wochen mit stereotypen Formulierungen, welchen Nutzen die Volkszählung letztlich jedem einzelnen Bürger bringt. Dabei übersieht es offensichtlich, dass mehr noch als die Notwendigkeit der Zählung zunehmend die Art ihrer Durchführung in Frage gestellt wird. Kurz: zur Debatte steht vorrangig nicht das "ob", sondern vielmehr das "wie".

Laut einer kürzlich veröffentlichten Meinungsumfrage befürchten 61% der Tschechen den Missbrauch der erhobenen persönlichen Daten. Der Leiter des Amtes für Datenschutz, Karel Neuwirt, erkennt hierin eine durchaus begrüßenswerte Tendenz:

"Ich bewerte dieses Misstrauen als positiv. Ich glaube, dass das ein sehr positives Porträt der Entwicklung unserer Bevölkerung ist, dass sie sich dafür interessiert, wer auf welche Weise welche Daten von ihr verarbeitet."

Und die Bevölkerung selbst? - Die ist in der Frage nach ihren staatsbürgerlichen Pflichten und Rechten offensichtlich gespalten. Wir haben im Rahmen einer kleinen Umfrage in einer der Prager Haupteinkaufsstrassen Passanten danach befragt, ob sie sich an der Zählung beteiligen werden und einige Stimmen für Sie festgehalten:

"Was bleibt mir anderes übrig? Das macht man doch quasi alle x Jahre. Damit der Staat der funktionieren hat, braucht er genaue Daten und muss diese Daten immer wieder erneuern. Und wie kann er das machen außer mit so einer Zählung?"

"Nein, nein! Dazu hab ich einfach kein Vertrauen. Mich stört, dass sie dort persönliche Daten haben wollen. Das stört mich einfach. Ich habe dazu kein Vertrauen, ich habe Angst. Als ich noch keine Einzelheiten wusste, war ich damit einverstanden. Sobald ich Einzelheiten erfahren habe, habe ich Angst bekommen."

"Natürlich nehme ich teil. Ich habe das Gefühl, dass das heute eine Art von Hysterie ist. Unsere Daten wurden schon so oft missbraucht. Was man so alles in den Briefkasten bekommt...Ich glaube, dass das in dem konkreten Zusammenhang mit der Zählung ein bisschen Hysterie ist."

"Ich werde wohl müssen. Ansonsten müsste ich Strafe zahlen. Das steht im Gesetz. Aber ich muss da ja nicht alles ausfüllen - naja, alles schon, aber nicht vollständig wahrheitsgemäß. Die grundlegenden Angaben werde ich machen, aber diejenigen, von denen ich meine, dass sie den Staat nichts angehen, die lasse ich aus."

In welchem Maße sich die Bürger im Endeffekt tatsächlich an der Zählung beteiligen und auf wieviele der vorgegebenen Fragen sie antworten werden, läßt sich wohl kaum voraussagen, denn manche Tschechen sind sich hierüber selber noch nicht im Klaren:

"Ich gebe zu, dass ich die Entscheidung bis zum letzten Moment aufschieben werde - wie viele dieser unangenehmen Dinge... Der Zählkommissar in unserem Wohngebiet ist ein sehr vertrauenswürdiger Herr, wahrscheinlich hat er eine Menge Argumente, die mich überzeugen."

So dürfte den Zählkommissaren in den nächsten Tagen ein gutes Stück Arbeit bevorstehen und man darf neugierig sein, ob es ihnen gelingen wird, ihre Überzeugungskünste erfolgreich zum Einsatz zu bringen. Die ersten vorläufigen Ergebnisse aus der Zählung werden Anfang Juni erwartet. Radio Prag hält Sie auf dem Laufenden.