Vom Konzert bis zum Quiz: Nacht der Kirchen

Foto: Adriana Krobová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Räumlichkeiten zu besuchen, die einen Kontrast zur Konsumwelt voller Stress darstellen. Dies ist einer der Beweggründe, warum die Menschen zur sogenannten „Nacht der Kirchen“ gehen. Über 1000 Kirchen, Klöster und Gebetsräume in ganz Tschechien öffnen an diesem Freitagabend ihre Tore.

Maria-Schnee-Kirche (Foto: Kristýna Maková)
Führungen, Vorträge, Diskussionen, Konzerte oder Theatervorstellungen - bei der Nacht der Kirchen lassen sich die Sakralgebäude ganz unterschiedlich erleben. Beteiligt sind in diesem Jahr alle Kirchen, die Mitglied des Ökumenischen Kirchenrats sind, einschließlich der Heilsarmee. Um die Besucher kümmern sich an jedem Ort meist drei oder mehr Freiwillige, je nach den Möglichkeiten und dem Programm vor Ort.

Allein in der Prager Erzdiözese werden am Freitagabend 280 Kirchen geöffnet sein, darunter die Maria-Schnee-Kirche. Über Mangel an Interesse konnte sich das Gotteshaus in den vergangenen Jahren nicht beklagen, im Gegenteil: Selbst mitten in der Nacht strömten neugierige Besucher dort hin. Diesmal sei etwas Neues in der Franziskanerkirche geplant, so Koordinatorin Alena Bohdanecká:

Alena Bohdanecká (Foto: Archiv der Pfarrei Maria-Schnee-Kirche)
„Wir haben für die Besucher ein Quiz zusammengestellt, mit dem sie ihre Kenntnisse über die Sakralbauten und Kirchenorden testen können. Zudem gibt es bei uns drei Musikveranstaltungen, die alle im Zeichen der Barockmusik stehen. Als Überraschung haben wir eine spezielle Blumendekoration geschaffen, diese wird von der hohen Kirchendecke herabhängen. Damit soll das christliche Symbol ´Lignum vitae´- also der Lebensbaum – dargestellt werden; dieses Symbol nutzt auch der Franziskanerorden.“

Ein buntes Programm wurde nicht nur in Prag, sondern beispielsweise auch in der Diözese Plzeň / Pilsen zusammengestellt. Die Sprecherin des Pilsener Bistums, Alena Ouředníková, lädt zum Beispiel in die Sankt-Bartholomäus-Kathedrale in Pilsen ein:

„Ich möchte vor allem auf das Konzert aufmerksam machen, bei dem unter anderem bekannte Lieder von den Beatles auf Flöte und Harfe gespielt werden. Die Besucher der Kathedrale haben zudem die einzigartige Gelegenheit, den Kirchturm bei Nacht zu besteigen. Sonst ist er nur bis 18 Uhr zugänglich.“

Sankt-Martinskirche in Třebíč (Foto: David Novák, Wikimedia CC BY 3.0)
Insgesamt 120 Kirchen und Gebetsräume werden in der Diözese Pilsen am Freitagabend ihre Tore öffnen:

„In diesem Jahr wird zum ersten Mal die Kapelle des seligen Hroznata im Bistumsgebäude geöffnet sein. In vielen Kirchen stehen Meditationen bei Kerzenlicht und mit Orgel-Begleitung auf dem Programm.“

Die Orgeln lassen sich auch besichtigen, und das gleich an mehreren Orten. In der Sankt-Martinskirche im mährischen Třebíč / Trebitsch gilt das zum Beispiel auch für die neue Orgel, an der zurzeit noch gebaut wird. Roman Kubín ist einer der Organisatoren der Kirchennacht:

„Der Orgelbauer wird einen Vortrag halten und den Menschen erläutern, wie eine Orgel entsteht. Die Interessenten werden zudem die Möglichkeit haben, den Fachmann beim Bau des Musikinstruments zu beobachten. Eine Orgel wird schließlich nicht jeden Tag gebaut. Ich bin davon überzeugt, dass dies für viele Besucher ein großes Erlebnis sein dürfte.“

Die Idee der Kirchennacht entstand 2005 in Wien. In Tschechien findet diese Veranstaltung zum sechsten Mal statt. Im vergangenen Jahr war das Interesse der Öffentlichkeit sehr groß. Die Veranstalter verzeichneten mehr als 450.000 Besucher in den mehr als 1300 Kirchen. Auch jetzt haben die jeweiligen Diözesen kleine Führer durch ihre Kirchen zusammengestellt. Die Broschüren werden kostenlos verteilt und enthalten alle notwendigen Informationen über die Öffnungszeiten sowie das Programm in den einzelnen Sakralräumen.

Mehr erfahren Sie unter www.nockostelu.cz.