Von der Lausitz bis Brisbane: Tschechische Schulen im Ausland halten Sprache und kulturelles Erbe am Leben
Das Bildungsministerium hierzulande kooperiert mit Dutzenden tschechischer Schulen im Ausland, die Auswanderern helfen, ihre Sprache zu bewahren und die Verbindung zur tschechischen Kultur aufrechtzuerhalten. Welche Rolle spielen diese Schulen, welche Unterstützung erhalten sie – und mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert?
Tschechische Expat-Gemeinschaften sind auf der ganzen Welt verstreut. Und ihr Wunsch, mit ihren Wurzeln verbunden zu bleiben, ist stark. Traditionen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Familien teilen Rezepte für typische tschechische und mährische Koláče, Knödel oder Weihnachtsplätzchen. Viele besitzen noch wertvolle regionale Volkstrachten aus der „alten Heimat“, die sie zu besonderen Anlässen tragen. Und viele erinnern sich an Volkslieder, die ihre Groß- oder Urgroßeltern einst gesungen haben.
Doch Sprache und Kultur in einem fremden Umfeld lebendig zu halten, ist nicht immer einfach. Tschechische Schulen im Ausland helfen, dieses Erbe zu bewahren. Weltweit gibt es zwischen 120 und 150 solcher Schulen. Manche unterrichten nur eine Handvoll Kinder, andere blicken auf eine lange Tradition und volle Klassen zurück. Diese Schulen entstehen meist im Rahmen unabhängiger Expat-Vereinigungen. Ihre genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, da nur ein Teil von ihnen finanzielle und methodische Unterstützung beim tschechischen Bildungsministerium beantragt hat und somit in Kontakt mit den dortigen Behörden steht.
Monika Slabá leitet im Ministerium die Abteilung für Angelegenheiten tschechischer Auswanderer:
„Wir sehen die tschechischen Schulen im Ausland als wichtigen Träger des kulturellen Erbes. Sie vermitteln nicht nur die tschechische Sprache und Landeskunde, sondern fungieren auch als verbindendes Element innerhalb der Expat-Gemeinschaften. Derzeit arbeitet das Ministerium mit 45 Schulen zusammen, die unsere Dienstleistungen und methodische Unterstützung nutzen. Das Interesse wächst.“
In den letzten 14 Jahren habe sich die Zahl der Schulen, die finanzielle Unterstützung beantragen, vervierfacht, heißt es weiter. Und Slabá fährt fort:
„In diesem Jahr erhielten 48 Schulen die Zuschüsse. Die Höhe der Förderung reicht von mehreren Zehntausend bis zu Hunderttausenden Kronen und deckt sowohl den Unterricht als auch außerschulische Aktivitäten ab.“
Zur Orientierung: 10.000 Kronen sind etwa 410 Euro, 100.000 Kronen sind 4100 Euro.
Das Ministerium bietet methodische Unterstützung in Form von Webinaren, Beratungen und empfohlenen Lehrmaterialien. Einige Schulen entwickeln eigene Unterrichtsmaterialien, um besser auf die Bedürfnisse mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Darüber hinaus werden persönliche und Online-Konsultationen angeboten. Derzeit haben 15 Schulen Fünfjahresverträge mit dem tschechischen Bildungsministerium abgeschlossen. Sie folgen dem tschechischen Rahmenlehrplan, dürfen Zeugnisse ausstellen und haben Anspruch auf finanzielle Förderung.
Im Vergleich zu traditionellen Expat-Vereinigungen erhalten diese Schulen jedoch keine Lehrkräfte, die direkt vom Ministerium entsandt werden. Lehrkräfte aus Tschechien arbeiten in der Regel in lange etablierten Gemeinschaften – etwa in der Region Banat in Rumänien, in der Lausitz in Deutschland, in Daruvar in Kroatien oder unter tschechischen Auswanderern in den USA und in Australien.
Laut Monika Slabá besteht die größte Herausforderung tschechischer Auslandsschulen heute im Generationenwechsel beim Lehrpersonal und darin, auf das digitale Zeitalter zu reagieren:
„Nach meiner Erfahrung ist die größte Herausforderung derzeit, die Schulen während des Generationenwechsels am Laufen zu halten und auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Expat-Gemeinschaften zu reagieren. Die Schulgründerinnen sind oft inspirierende Frauen, mit denen wir ausgezeichnet zusammenarbeiten. Sie haben viel erreicht und denken nun darüber nach, wie sie ihre Arbeit fortführen können – etwa durch neue Projekte und den Austausch ihrer Erfahrungen im Gastland. Ich möchte zum Beispiel die tschechischen Schulen in Italien erwähnen, die ein Musik- und Kunstprojekt ins Leben gerufen haben. Es ist eine CD mit tschechischen Liedern sowohl auf Tschechisch als auch auf Italienisch erschienen. Und derzeit arbeiten sie an einem Projekt mit dem Titel ‚Czech Footprints in Italy‘ (Tschechische Spuren in Italien).“
Das Ministerium berichtet, dass die vertraglich gebundenen Auslandsschulen derzeit neue Lehrpläne vorbereiten und hybride Unterrichtsmodelle erproben. Viele nutzen bereits digitale Werkzeuge wie interaktive Whiteboards. Vertreter des Bildungsministeriums besuchen die Schulen regelmäßig, überprüfen den Unterricht sowie die Verwendung der Fördermittel und organisieren Gespräche mit den Eltern der Schüler. Für das Jahr 2026 ist in Tschechien eine Ausstellung geplant, die die pädagogische Arbeit im Ausland sowohl Fachleuten als auch der breiten Öffentlichkeit präsentieren wird.
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