Von Jazz bis Blasmusik: Lieder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs
Am Donnerstag wurde auch in Tschechien an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert. In unserem neuen MusikCzech gehen wir noch einmal zurück in die Zeit des sogenannten „Protektorats Böhmen und Mähren“. Denn es geht um Lieder, die während des Kriegs sehr populär waren – es sind sowohl tschechische wie auch anderssprachige Songs. Stilistisch reicht die Bandbreite von Jazz über Schlager zu Blasmusik.
Der Blasmusik-Klassiker aus Böhmen schlechthin, Škoda lásky oder auf Deutsch „Rosamunde“, kam 1939 auch in die USA. Er wurde dort unter dem englischen Titel „Beer Barrel Polka“ bekannt. Es soll das beliebteste Lied von General Eisenhower gewesen sein. Er sagte angeblich, es habe der US-Armee geholfen, den Krieg zu gewinnen.
Rote Liste der Nazis
Viele tschechische Lieder kamen im Protektorat auf die rote Liste. So etwa „Ta naše písnička česká“, oder auf Deutsch „Unser tschechisches Lied“, von Karel Hašler. Im Juni 1941 wurde es verboten. Denn der Sicherheitsdienst (SD) hielt es für ein antideutsches „Hetzlied“ wegen der Art des Vortrags bei Veranstaltungen und der Reaktionen des Publikums. Hašler selbst wurde verhaftet, ins KZ Mauthausen verschleppt und dort zu Tode gequält.
Nicht verboten, aber unerwünscht
Während des Protektorats war Jazz nicht direkt verboten, aber ihn zu spielen, war unerwünscht. Einer der wichtigsten tschechischen Komponisten, die diesen neuen Musikstil in ihr Werk aufnahmen, war Jaroslav Ježek. Er arbeitete zum Beispiel mit den beiden Theater-Performern Jiří Voskovec und Jan Werich zusammen. Alle drei emigrierten schon im Januar 1939 in die USA. Voskovec und Werich hatten auf ihrer satirischen Bühne Osvobozené divadlo (Befreites Theater) schon ab 1933 dezidiert den Nationalsozialismus kritisiert und Hitler parodiert.
Inka Zemánková war in den 1940er Jahren eine beliebte Jazzsängerin und galt als Vorreiterin auf diesem Gebiet in der Tschechoslowakei. Ihr erstes Album kam zu Zeiten des Protektorats heraus, Anfang August 1939, aufgenommen zusammen mit dem Orchester von Karel Vlach. Zu Ende des Krieges wurde es jedoch immer schwerer, Jazz zu performen. Die Nazis zwangen Zemánková stattdessen zum Beispiel, ins bereits halb zerstörte Nürnberg zu fahren und dort vor tschechischen Zwangsarbeitern zu singen, um deren Stimmung zu heben.







