Vor 100 Jahren in Südmähren gefunden: Steinzeitliche Venus von Věstonice wird in Brünn gezeigt
Diese Frauenfigur aus Ton ist älter als die ägyptischen Pyramiden. Sie wird „Venus von Věstonice“ (Věstonická venuše) genannt. Das bis zu 29.000 Jahre alte Kunstwerk wurde vor 100 Jahren in Südmähren gefunden. Seit diesem Freitag wird es im Mährischen Landesmuseum in Brno / Brünn gezeigt.
Die Venus von Věstonice fasziniert die Experten sowie die Laien auf der ganzen Welt. Die 11,5 Zentimeter hohe Figur ist die älteste Darstellung eines weiblichen Körpers aus Ton. Ab diesem Freitag ist sie in einer Ausstellung im Mährischen Landesmuseum in Brünn zu sehen. Der Anlass ist der bevorstehende 100. Jahrestag ihres Fundes.
Der Archäologe Karel Absolon und sein Team entdeckten die Statuette am 13. Juli 1925 in Dolní Věstonice in Südmähren. Die Museumsbesucher können die ruhmreiche Venus diesmal von allen Seiten betrachten, da sie nicht wie zuvor in einer Schachtel, sondern auf einem drehbaren Ständer gezeigt wird. Kurator Petr Neruda macht auf einige Details aufmerksam:
„Auf dem Kopf befinden sich vier Einstiche mit einem linsenförmigen Querschnitt. Professor Absolon war der Meinung, dass dort möglicherweise Federn oder andere Schmuckstücke hineingesteckt waren. Die Löcher sind jedoch so flach, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man etwas in sie hätte hineinstecken können.“
Die Besucher dürften die Einstiche dank dem speziellen Ständer, auf dem die Figur platziert ist, gut sehen. Der Kurator deutet aber noch ein weiteres Mal auf den Kopf der Venus:
„Sie hat keine Gesichtszüge. Das einzige, was zu sehen ist, sind zwei schräge Linien. Wir nehmen an, dass sie die Augen symbolisieren sollten. Die Hände sind nur leicht angedeutet, Finger sind keine zu erkennen. Markant sind hingegen die Brüste, von der rechten Brust ist allerdings ein Teil abgebrochen. Dieser wurde nie gefunden. Die Venus hat starke Hüften, die durch eine tiefe Furche von den Beinen getrennt sind. Diese Furche läuft einmal um den gesamten Umfang der Figur herum. Die Venus hat einen auffälligen Nabel auf einem ein wenig gewölbten Bauch.“
Die Beine der Statuette enden in einer Spitze. Sind die Füße abgebrochen?
„Aufgrund von anderen Fragmenten, die in Dolní Věstonice gefunden wurden, glauben wir, dass sie von vornherein keine Füße hatte.“
Warum der Schöpfer sein Werk schuf, wissen die Experten laut Neruda weiterhin nicht.
„Wir können herausfinden, aus welchem Material die Figur besteht. Wir können ein 3D-Modell kreieren, wissen jedoch nicht, aus welchem Grund sie entstanden ist und welche Bedeutung sie in der rituellen Welt der Mammutjäger in der Region hatte. Viele Spekulationen sind mit dem Fingerabdruck verbunden, der links auf dem Rücken befindet. Er ist nicht sehr gut zu erkennen, aber Besucher mit gutem Sehvermögen können ihn vielleicht doch ausmachen. Aus den Forschungen geht hervor, dass der Abdruck wahrscheinlich von dem Finger eines Kindes stammt.“
Die Venus von Věstonice wird im Palais Dietrichstein in Brünn gezeigt, und das noch bis 28. September. Im Rahmen des Projekts „Venuše 100“ gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Mehr erfahren Sie unter https://www.mzm.cz/en/venus100-project.
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