Vor 55 Jahren wurde Milada Horáková hingerichtet

Milada Horáková (Foto: CTK)
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Vor genau 55 Jahren - am 27. Juni 1950 - wurden vier unschuldige Menschen von den Kommunisten hingerichtet. Sie waren Opfer des ersten großen politischen Schauprozesses, den die Kommunisten mithilfe sowjetischer Berater als Abschreckung inszeniert hatten. Der Tag, an dem Milada Horáková, Jan Buchal, Oldrich Pecl und Závis Kalandra hingerichtet wurden, wird seit dem vergangenen Jahr in Tschechien als Gedenktag für die Opfer des kommunistischen Regimes begangen. Mehr von Martina Schneibergova.

Milada Horáková  (Foto: CTK)
Der Monsterprozess gegen Milada Horáková und elf weitere Mitglieder nicht kommunistischer Parteien, an dessen Ende vier Todesurteile standen, dauerte neun Tage lang. Er wurde im Rundfunk übertragen und täglich in den Zeitungen kommentiert. Die Kommunisten initiierten in Betrieben im ganzen Land Petitionen, in denen nach der Todesstrafe für die angeblichen Verräter gerufen wurde. Die Beschuldigung wurde nach sowjetischem Vorbild formuliert: Die Angeklagten wurden als Teilnehmer einer internationalen Verschwörung und Feinde der Republik bezeichnet und des Hochverrats beschuldigt. Die Urteile wurden am 8. Juni verkündet. Obwohl namhafte Persönlichkeiten wie z. B. Winston Churchill oder Albert Einstein eine Begnadigung der unter der fiktiven Anklage des Hochverrats Verurteilten forderten, gaben die Kommunisten nicht nach. Am 27. Juni wurden Milada Horáková und ihre drei Mitangeklagten hingerichtet. Der Schauprozess stellte jedoch nur den Auftakt für einen weiteren Feldzug gegen angebliche Feinde der Republik dar.

Milada Horáková ist u. a. dank ihrer Tapferkeit, mit der sie sich selbst als Juristin in dem konstruierten Prozess verteidigte, zum Symbol für eine kompromisslose Haltung gegenüber einem totalitären Regime geworden. Die Politikerin, die sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg für die Rechte der sozial Schwachen und der Frauen einsetzte, wurde für ihre Widerstandstätigkeit von den Nazis zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem kommunistischen Putsch im Februar 1948 legte sie aus Protest ihr Abgeordnetenmandat nieder.

Foto: CTK
Am Denkmal von Milada Horáková auf dem Prager Vysehrad und auf dem alten Friedhof in Dáblice in Prag wurde am Sonntag all derer gedacht, die den roten Terror nicht überlebten. Senatspräsident Premysl Sobotka warnte bei dieser Gelegenheit vor einer Wiederbelebung des Kommunismus in Tschechien:

"Es geht nicht nur um Milada Horáková, sondern um alle unschuldigen Menschen, die nach den vollständig konstruierten Prozessen hingerichtet wurden. Ich meine, dass das tschechische Volk in der letzten Zeit ein zu kurzes Gedächtnis hat. Das tschechische Volk vergisst allmählich, was sich hier abspielte und es hält die kommunistische Partei und ihre Vertreter für standardgemäße Politiker."

Die kommunistische Partei hat sich bislang von ihrer Vergangenheit nicht distanziert. Nach dem kommunistischen Putsch im Jahre 1948 wurden bis 1989 mehr als 262.000 politische Häftlinge in die kommunistischen Gefängnisse gesperrt. Dort und in den kommunistischen Konzentrationslagern sind an die 3.000 Menschen ums Leben gekommen. 241 Menschen wurden offiziell wegen regimefeindlicher Tätigkeit hingerichtet. Nach Angaben der Behörde für die Untersuchung und Dokumentation der Verbrechen des Kommunismus (UDV) wurden sogar 280 Justizmorde verübt.