Vor 80 Jahren: Prozessbeginn gegen Nazi-Kriegsverbrecher K. H. Frank in Prag

Der Prozess gegen Karl Hermann Frank

Ab dem 22. März 1946 musste sich Karl Hermann Frank vor Gericht für seine Taten während der nationalsozialistischen Besatzung Böhmens und Mährens verantworten. Er war einer der einflussreichsten Vertreter Hitlers auf tschechischem Boden gewesen. Zunächst als Polizeichef und dann als Staatsminister im „Protektorat Böhmen und Mähren“ war er unter anderem verantwortlich für die Verfolgung von tschechischen Studierenden im Jahr 1939 sowie für die Massaker in Lidice und Ležáky.

K. H. Frank | Foto: e-Sbírky,  Nationalmuseum -  Jihočeské muzeum v Českých Budějovicích,  CC BY-NC-SA 4.0 DEED

Frank stammte aus einer sudetendeutschen Familie. Als Hitler-Deutschland im Oktober 1938 die Sudetengebiete besetzte, machte er Karriere im NS-System. Nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich im Mai 1942 war Karl Hermann Frank der Hauptverantwortliche für die Repressionen im Protektorat. Er unterzeichnete Todesurteile, leitete Polizeirazzien und wachte persönlich über die Verfolgung von Widerstandskämpfern.

Flucht und Verantwortung

K. H. Frank  (rechts) vor der US-Flagge | Foto: ČTK

Nach Kriegsende versuchte Frank, in US-amerikanische Gefangenschaft zu fliehen. Er wurde aber in Rokycany verhaftet und den tschechoslowakischen Behörden übergeben. Der Prozess gegen ihn fand vor einem Außerordentlichen Volksgericht statt und gehörte zu jenen Verfahren gegen Kriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa, die großes öffentliches Interesse auf sich zogen. Der Tschechoslowakische Rundfunk berichtete live aus dem Gerichtssaal, was für die damalige Zeit außergewöhnlich war.

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In dem Verfahren versuchte Frank, die Unvoreingenommenheit des Gerichts anzuzweifeln und verteidigte sich damit, dass er im „Interesse der Deutschen“ gehandelt habe. Doch die Beweislast der Überlebenden war erdrückend – vor allem der Frauen aus Lidice, die die Vernichtung der Gemeinde und ihr Leiden in den Konzentrationslagern genau beschrieben.

K. H. Frank vor Gericht in Prag | Foto: e-Sbírky,  Nationalmuseum - Historické muzeum,  CC BY 4.0 DEED

Das Gericht sprach Karl Herrman Frank letztlich des Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig und verurteilte ihn zum Tod. Die Hinrichtung erfolgte am 22. Mai 1946 in Prag, er wurde vor den Augen mehrerer Tausend Schaulustiger gehängt. Der Prozess gegen ihn wurde zum Symbol der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Besatzung nach dem Krieg und zu einem Schlüsselmoment der tschechoslowakischen Rechtsprechung.

Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International