Vor 90 Jahren: Im Škoda Rapid einmal um die Welt
Am 25. April 1936 machte sich der tschechische Unternehmer Břetislav Jan Procházka zusammen mit seinem Begleiter Jindřich Kubias auf den Weg zu einer Weltreise. Sie sollte die Widerstandsfähigkeit des Serienmodells Škoda Rapid und die Geschicklichkeit seiner Fahrer testen. Die Strecke führte auf fast 28.000 Kilometern durch drei Kontinente und 15 Länder. Es war eine der gewagtesten Autofahrten der Zwischenkriegszeit.
Als sich der unauffällige Wagen vor genau 90 Jahren auf dem Altstädter Ring in Prag in Bewegung setzte, ging es um mehr als eine Abenteuerfahrt. Die Tschechoslowakei war damals ein junger Staat, und der Autohersteller Škoda war bemüht, sich auch auf den Märkten im Ausland durchzusetzen. Die Weltreise sollte beweisen, dass die Wagen aus Mladá Boleslav zuverlässig und modern sind, aber auch unter extremen Bedingungen ihre Leistung bringen.
Die Expedition wurde vom Prager Unternehmer Břetislav Jan Procházka angeführt, er war ein erfahrener Reisender und Förderer der Marke Škoda. Jindřich Kubias übernahm die Rolle des Navigators und zweiten Fahrers. Ihr Wagen war ein nur leicht umgestaltetes Serienmodell des Škoda Rapid mit Vierzylinder-Viertaktmotor, gegabeltem Skelettrahmen, Einzelradaufhängung und Hydraulikbremsen, was damals sehr fortschrittliche technische Ausstattungen waren.
Aus Prag in den Osten Europas
Der erste Teil der Fahrt führte über Deutschland, Polen und das Baltikum in die Sowjetunion. In Moskau bog man in Richtung Süden ab und fuhr nach Baku an das Ufer des Kaspischen Meeres. Von dort begann die erste Schiffsetappe, die die Besatzung und das Auto nach Persien brachte. Und gerade dort zeigte sich die Widerstandsfähigkeit des Wagens, denn man geriet in einen Sandsturm.
Allerdings nahm die Fahrt damit deutliche Verspätung auf. Um rechtzeitig das Schiff nach Ceylon (heute Sri Lanka) zu erreichen, mussten Procházka und Kubias praktisch nonstop in drei Tagen aus Quetta (im heutigen Pakistan) bis Bombay durch das damalige Britisch-Indien fahren.
Südostasien und Japan
In Ceylon folgte wieder ein Stück auf der Straße vor einer weiteren Schiffspassage, und zwar nach Malaysia. Das Land durchquerte man bis Singapur, um erneut per Schiff über Hongkong und Schanghai ins japanische Kobe zu gelangen. Dabei muss betont werden, dass es sich damals bei den Straßen in Asien meist um Schotterpisten handelte und insgesamt die Infrastruktur sehr viel bescheidener war als heute. Umso mehr Beachtung fand die Weltreise.
Rekordfahrt durch USA
Aus Japan wurden der Škoda Rapid und seine Besatzung nach Honolulu und dann nach San Francisco verschifft. Die USA galten als Schlüsseletappe der Fahrt – und zwar nicht nur wegen der langen Wegstrecke, sondern auch wegen des Prestiges. Rekorde mit Autos wurden in der Zwischenkriegszeit von der Öffentlichkeit sehr beachtet, und Škoda wollte beweisen, dass man auf gleicher Höhe war mit den US-amerikanischen Herstellern.
Die Strecke zwischen San Francisco und New York maß 5300 Kilometer. Břetislav Jan Procházka und Jindřich Kubias schafften sie mit ihrem Rapid in 100 Stunden und 55 Minuten. Damit unterboten sie den bisherigen Rekord um mehr als neun Stunden. Auch die US-Presse berichtete darüber und verhalf Škoda damit zu einem guten Namen in Übersee.
Rückkehr nach Europa
Die letzte Schiffspassage führte von New York nach Cherbourg am Ärmelkanal. Danach ging es auf Landstraßen über Paris und Nürnberg zurück nach Prag. Dort kam man am 1. August 1936 kurz vor Mittag an. Die Weltreise hatte 97 Tage in Anspruch genommen, davon 44 Tage im Auto. Den Rest bildeten Schifffahrten und die Beschäftigung mit Zollangelegenheiten.
Eckdaten der Weltreise
Autotyp: Škoda Rapid 1.4 SV
Dauer: 97 Tage (davon 44 Tage im Auto)
Strecke: 27.700 Kilometer, 15 Länder in Europa, Asien und Nordamerika
Längste Tagesetappe: 1000 Kilometer
Kürzeste Tagesetappe: 50 Kilometer
Spritverbrauch: 2820 Liter
Reisekosten: 89.600 tschechische Kronen (Preise von 1936)
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