Wallfahrt in Kašperské Hory hilft Brücken zu bauen

Foto: Martina Schneibergová

Die Böhmerwaldstadt Kašperské Hory / Bergreichenstein ist nicht nur ein beliebtes Touristenzentrum, sondern auch ein Ort mit einer langen Wallfahrtstradition. Am Wochenende trafen dort beim Maria-Schnee-Fest erneut Hunderte von Pilgern zusammen. Sie kamen auch aus Deutschland.

Sankt-Margarethen-Kirche (Foto: Martina Schneibergová)
Das Böhmerwaldstädtchen Kašperské Hory entstand im Mittelalter als eine Bergarbeitersiedlung. Den größten Aufschwung erlebte es in der Ära der Goldförderung. Die Anfänge der Wallfahrtstradition sind im 17. Jahrhundert zu finden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen bis zu 10.000 Pilger vor allem aus Böhmen und Bayern am Maria-Schnee-Fest in Kašperské Hory teil. Nicht einmal dem kommunistischen Regime gelang es, die Wallfahrtstradition vollständig zu unterdrücken. Seit der Wende von 1989 wird sich nun in der Böhmerwaldstadt bemüht, das Fest wieder international zu feiern. Der Hauptgottesdienst fand am Sonntag in der großen gotischen Sankt-Margarethen-Kirche auf dem Marktplatz statt. Die Begrüßung der zahlreichen Pilger oblag dem Generalvikar der Diözese České Budějovice / Budweis, Adolf Pintíř:

Adolf Pintíř (Foto: Archiv der Tschechischen Bischofskonferenz)
„In Städten wie Kašperské Hory waren die schmerzvollen Spuren der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung jahrzehntelang zu spüren. Auf das Leben in der Stadt wirkte sich zudem die Tatsache aus, dass sie nahe des Eisernen Vorhangs lag. 25 Jahre nach der Samtenen Revolution kommt nun der Bischof von Regensburg zu uns, um an die Jahrhunderte der gemeinsamen Geschichte zu erinnern, die sich in vielerlei Hinsicht auf die christliche Lehre und Tradition gestützt hat.“

Rudolf Vorderholzer ist Bischof von Regensburg:

„Mit Christus Brücken bauen – so hat das Motto des Katholikentags gelautet, den wir vor acht Wochen unter großer Anteilnahme von Gläubigen aus Böhmen gefeiert haben. Mit dem Bischof von Pilsen, František Radkovský, habe ich vor kurzem gemeinsam die Wallfahrt in Neukirchen bei Heiligen Blut gehalten, und viele von jenen, die jetzt auch hier sind, waren sicher auch dabei. Viele der Wunden der Vergangenheit haben wir dank der friedlichen Revolution von 1989 zu heilen begonnen. Wir sind hier zusammengekommen, um die Brücken zwischen unseren Völkern zu stärken und weitere zu bauen.“

Eibnschläger Sänger (Foto: Martina Schneibergová)
Vor seiner Abreise sagte Bischof Vorderholzer zudem gegenüber Radio Prag:

„Da meine Mutter in Kladruby / Kladrau geboren wurde, bin ich zu einer Hälfte ein Böhmerwäldler. Ich fühle mich da wie zu Hause.“

Das Maria-Schnee-Fest wird schon seit vielen Jahren regelmäßig von den Eibnschläger Sängern aus Grafenau begleitet. Historiker Vladimír Horpeniak arbeitet im Museum in Kašperské Hory. Zum Abschluss der Wallfahrt ging er in seiner Rede auf die Kontakte mit der Partnerstadt Grafenau ein, die seit mehr als 20 Jahren gepflegt werden.

Sankt-Margarethen-Kirche (Foto: Martina Schneibergová)
„Mit unseren Nachbarn verbindet uns auch die Geschichte des Goldenen Steigs, auf dem vor Jahrhunderten auf den sogenannten Saumtieren Salz und weitere Waren durch unsere Region befördert wurden. Die Bewohner auf beiden Seiten des Böhmerwaldes waren früher häufig in Kontakt miteinander. Sie trafen vor allem bei Kirchenfesten zusammen. Darum freut es mich, dass wir auch heute gemeinsam beten und singen können.“