Wein- und Branntweinmuseum in Mutenice: Sliwowitz in Designerflaschen

Foto: Martina Schneibergová

In der "Welt des Weins und Branntweins", wie das von Vladislav Jarosek gegründete Museum im südmährischen Mutenice heißt, haben wir bereits die Räumlichkeiten besucht, wo Archivweine gelagert werden. Aus den Kellerräumen ging es hinauf in die Räumlichkeiten der Brennerei. Der längliche Raum ist reichlich mit Gemälden verziert. Sie illustrieren humorvolle "Zehn Gebote", die beim Sliwowitz-Brennen eingehalten werden sollen, sagte Adela Zemankova, die mich durch das Museum geführt hat.

"Es gibt da Gebote wie beispielsweise: Zum Brennen nimmst du keinen Abstinenzler mit. Oder: Einen warmen Sliwowitz sollst du langsam trinken, einen kälteren noch langsamer. Und nicht zuletzt das folgende Gebot: Frauen sollst nicht an das Sliwowitzbrennen ranlassen - in einem unrichtigen Moment macht der Mensch etwas, was er bereuen könnte, denn selbst Adam hat Eva in einem betrunkenen Moment als seine Frau erkoren."

Die zehn Gebote im Museum Mutenice
Alle Gebote sind in der Mundart verfasst, sodass ein waschechter Prager oft länger nachdenken muss, was das eine oder andere Wörtchen eigentlich bedeutet. Der lange Raum wird von einer einzigartigen Lichtquelle beleuchtet. Der Leuchter aus Flaschen erinnert in seiner Form an die Sonne. Er ist das Werk des international bekannten tschechischen Designers und Architekten Borek Sipek.

"Herr Sipek entwirft für unsere Firma auch spezielle zerknittert aussehende Fläschchen. Jede Flasche ist mit einem gläsernen Obststück verziert, das den flüssigen Inhalt der Flasche verrät. Es gibt hier Flaschen mit Aprikosen, Kirschen sowie Birnen. Auf mehreren Flaschen ist das Logo der Firma direkt ins Flaschenglas eingebrannt. Dies ist vor allem hilfreich, wenn man die Flasche archivieren will. Denn die Papieretikette zerfällt oder wird abgewischt, aber die ins Glas eingebrannte Marke hält."

Herr Jarosek brennt verschiedene Sliwowitzsorten, erzählte Adela Zemankova und machte mich auf den so genannten "göttlichen" Sliwowitz aufmerksam.

Dieser werde aus "trnky" gebrannt, sagte sie. Da "trnka" eigentlich Schlehdorn bedeutet, fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach der mystischen Obstart, die sich in göttlichen Sliwowitz verwandelt. Und wie schon ein paar Mal zuvor stellte es sich wiederum heraus, dass sich unter dem Begriff "trnky" etwas anderes verbirgt, als ich angenommen habe. Denn "trnky" sind in der Mundart "Pflaumen", und der göttliche Sliwowitz wird Adela Zemankova zufolge aus Wildpflaumen gebrannt.

"Aus einem Zentner dieser kleinen Wildpflaumen wird 1,7 Liter göttlicher Sliwowitz produziert. Dagegen kann man aus einem Zentner Pflaumen 10 bis 12 Liter Sliwowitz herstellen. Der göttliche Sliwowitz hat ein feineres Aroma und duftet nach Wald. Er ist natürlich bedeutend teurerer als der gewöhnliche Sliwowitz. Wenn jemanden der scharfe Geruch von Sliwowitz stört, kann er dessen göttliche Sorte kosten, die wirklich angenehm duftet."

Nicht nur aus Pflaumen, sondern auch aus Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen und anderen Früchten werden von der Firma Jarosek Branntweine hergestellt. Nicht zuletzt produziert die Firma auch einen koscheren Sliwowitz, und zwar in zwei Farben: Der weiße Sliwowitz wird in Glas archiviert, der goldene in Eichenfässern. Dieser soll dann den Worten von Adela Zemankova zufolge eine schöne Honigfarbe haben.

Die einstige Brennerei dient heutzutage als Museum und als Ort, wo verschiedene Feierlichkeiten stattfinden. Der Sliwowitz wird heute nicht direkt in Mutenice, sondern in Velka nad Velickou gebrannt.

Die Führung durch die "Welt des Weins und des Branntweins", wie das Museum in Mutenice heißt, geht weiter in die Ausstellung über die Weinproduktion. Einleitend kann man einige reichlich geschmückte Volkstrachten aus Mutenice bewundern. Die ausgestellten Kleidungsstücke sind etwa vierzig Jahre alt, sagte meine Begleiterin:

"Heute sind die Volkstrachten farbiger und werden aus moderneren Stoffen genäht. Die Jungs tragen bei uns in Mutenice rote gestickte Hosen. Die Mädchen tragen auf dem Kopf solche Kronen, die aus Schleifen zusammengesetzt sind und die sehr schön aussehen. Ein Mädchen mit der Volkstracht anzukleiden, das dauert bestimmt zwei, drei Stunden. Heute ist eine solche Volkstracht eine sehr teuere Angelegenheit. Außer den Festtrachten sind hier auch Trachten ausgestellt, die man eher an den Arbeitstagen getragen hat. Alte Omas tragen bei uns diese Trachten immer noch. Sie tragen sie unter der Woche, aber auch wenn sie in die Kirche gehen. Wenn man aber in den Weinberg geht, zieht man eine etwas andere Tracht an."

Forsthaus
Im Museum kann man außerdem verschiedene kleine Instrumente und Maschinen besichtigen, die einem Laien auf den ersten Blick etwas geheimnisvoll vorkommen könnten. Es sind alte Weintraubenmühlen, Traubenscheren, Spülmaschinen für Weinflaschen, Weinpressen sowie historische Erzeugnisse aus einer Böttcherei. Denn der Großvater des Museumsbesitzers war Böttcher.

"Als Herr Jarosek das Gebäude gekauft hat, gab es hier nicht so viele Dinge. Aber es lagen verschiedene Rechnungsbücher herum und kommunistische Jahrbücher mit den damals üblichen Eintragungen und Illustrationsfotos. Diese kann man hier heute als Dokumentationsmaterial besichtigen."

Einige weitere Räumlichkeiten zeugen davon, dass der Museumsbesitzer ein passionierter Jäger ist. Nach Worten von Adela Zemankova gefallen diese Räumlichkeiten vor allem den kleinen Besuchern. Aus dem Gang, der mit einer Zahl von ausgestopften Waldtieren und anschaulichen Tabellen eher an ein naturwissenschaftliches Schulkabinett erinnert, gelangt man direkt in ein Forsthaus:

"Hier ist alles im Jägerstil eingerichtet: Auch ein Wolfsfell fehlt hier nicht. Die Gläser, Pfeifen - alles ist mit Jagdmotiven verziert. Neben der Tür hängen Jagdgewehre sowie ein Jägermantel. Und ein Prachtstück ist der Sessel, der aus Hirschgeweih hergestellt wurde. Oben im Haus gibt es einen Safarisalon, der mit Möbeln aus Geweih eingerichtet ist."

In unseren Wanderungen durch die Weinregionen haben wir vor kurzem Vergangenheit auch über den Patron der Winzer gesprochen. Falls Sie wissen, welcher Heilige der Patron der Winzer ist, können Sie es uns schreiben. Ihre Zuschriften richten Sie bitte an Radio Prag, Vinohradska 12, PLZ 120 99 Praha 2. Für die richtige Beantwortung der Frage können Sie eine CD mit mährischen Volksliedern gewinnen.

Vor vier Wochen fragten wir Sie nach dem Todesjahr von Präsident T. G. Masaryk, er starb im Jahre 1937. Eine CD geht diesmal an Paul Gager aus Deutschkreutz in Österreich.

Fotos: Autorin

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