Weltkriegsgedenken: Babiš wünscht weniger Waffen

Andrej Babiš (Foto: ČTK/AP/Jean-Francois Badias)

In Tschechien ist wie anderswo an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht worden. Außerdem war Premier Babiš bei den Feiern und der Friedenskonferenz in Paris.

Andrej Babiš (Foto: ČTK/AP/Jean-Francois Badias)
Auch hierzulande läuteten die Glocken. Damit wurde am Sonntag um halb zwei an den 11. November 1918 erinnert. Damals endete der Erste Weltkrieg, ein Konflikt von bis dahin ungekannter Grausamkeit. Dieser erste industriell geführte Krieg forderte neun Millionen Menschenleben. Er gilt als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Zur größten Gedenkfeier am Sonntag hatte Emmanuel Macron geladen. Rund 70 Staats- und Regierungschefs schritten mit ihm im Regen zum Pariser Triumphbogen. Unter ihnen der tschechische Premier Andrej Babiš. Am Nachmittag trat der Ministerpräsident ebenfalls bei einem Friedensforum in der französischen Hauptstadt auf. Dabei betonte er die Rolle der Europäischen Union. Diese bezeichnete er als „einzigartiges Friedensprojekt“. Außerdem sprach er die UNO an:

„Wir müssen über die gesamte Erde und die Vereinten Nationen reden. Das Hauptproblem ist dort der Sicherheitsrat, dort sitzen die größten Mächte – China, die USA, Russland und Europa. Wenn wir uns über den Frieden unterhalten, dann muss das auch die Frage beinhalten, warum wir so sehr aufrüsten.“

Wie Babiš weiter sagte, sollte weniger Geld in Waffen gesteckt werden und mehr in die Hilfe Entwicklungsländer. Damit spielte der tschechische Regierungschef auch auf seines seiner wichtigsten Anliegen an: den Stopp der Migration vor allem aus Afrika.

Emmanuel Macron (Foto: ČTK/AP/Ludovic Marin)
Zugleich möchte der Chef der Partei Ano im eigenen Land eine Debatte anstoßen. Es geht um die Auslandseinsätze der tschechischen Armee.

„Vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass unsere Soldaten früher direkt gegen Terroristen gekämpft haben. Das wurde durch eine politische Entscheidung geändert. Deswegen bilden wir jetzt in Afghanistan oder Mali die jeweiligen Landestruppen aus. Ich denke aber, wir sollten zu der früheren Strategie zurückkehren“, so Andrej Babiš.

Der Regierungschef will also über Kampfeinsätze diskutieren. Das kommt nicht von ungefähr. So gab es in diesem Jahr eine tragische Serie von Anschlägen auf tschechische Armeeangehörige in Afghanistan. Vier Soldaten starben dabei, weitere wurden teils schwer verletzt. Insgesamt sind seit Beginn des Einsatzes vor rund 20 Jahren 14 Tschechen am Hindukusch gefallen.

Auch an diese Opfer erinnert der Tag der Kriegsveteranen, der ebenfalls am Sonntag begangen wurde. Und dabei zeichnete Verteidigungsminister Lubomír Metnar (parteilos) unter anderem Viktor Patia aus. Dieser leitet jene Einheit in Afghanistan, die im August von einem der Anschläge betroffen war. Dabei starben drei der Angehörigen.

Lubomír Metnar (Foto: ČTK/Michaela Říhová)
„Man macht sich die Folgen vielleicht erst später bewusst. Deswegen ist die erste Reaktion der Armeeführung und vor allem der Einheit wichtig. Die Jungs haben sich wieder aufgerichtet und führen ihren Einsatz in Afghanistan fort“, so Viktor Patia.

Metnar ehrte aber auch Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Bei der entsprechenden Zeremonie vor dem Nationaldenkmal auf dem Prager Vítkov-Hügel sagte der Verteidigungsminister:

„Eine ganze Reihe unserer Helden hat ihr Leben für unsere Freiheit geopfert – für das Wertvollste, was wir heute haben. Und diese Freiheit wird in der neuesten Zeit von unseren Soldaten im Ausland verteidigt – gegen Terrorismus und illegale Migration.“