Weltstillwoche beginnt: In Tschechien gibt es zu wenige Frauenmilchbanken
Am Freitag hat die Weltstillwoche begonnen. Mit dieser internationalen Themenwoche, an der sich unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt, wird auf die Bedeutung von Muttermilch für die lebenslange Entwicklung eines Menschen hingewiesen. In Tschechien gibt es etwa zu wenige Frauenmilchbanken, kritisieren hiesige Experten.
Eine unersetzliche Quelle für immunitätsfördernde Nährstoffe – das ist Muttermilch für Neugeborene. Können Mütter aus gesundheitlichen Gründen aber nicht stillen, dann helfen spezielle Sammelstellen, sogenannte Frauenmilchbanken. In Tschechien gibt es vier solcher Einrichtungen. Sie befinden sich in Most, Hradec Králové, České Budějovice / Budweis und im Prager Stadtteil Podolí. Dies sei zu wenig, mahnt Jiří Dušek. Er ist Oberarzt auf der neonatologischen Station im Budweiser Krankenhaus und sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Wenn wir Tschechien mit anderen Ländern vergleichen, die eine ähnliche Geburtenrate haben, dann ist da etwa Schweden mit 97.000 Geburten im Jahr und 28 Muttermilchbanken. Schauen wir nach Ungarn, dann gibt es 77.000 Geburten im Jahr und acht Banken. Tschechien hat vier Banken. Daraus folgt, dass dies nicht genug ist.“
Die Zahl der Spendenstellen müsse also viel höher liegen, meint Dušek und hat auch eine bestimmte Vorstellung:
„Mit einem bestmöglichen Niveau könnten wir uns den Kindern wirklich so widmen, wie sie es verdienen. Und dies betrifft nicht nur Kinder, sondern die ganze zukünftige Bevölkerung. Denn Muttermilch hilft, das spätere Risiko von Asthmaproblemen, Allergien und Infarkten zu senken. Dafür sollten wir uns in Tschechien meiner Meinung nach bei einer Zahl von 24 oder 25 Frauenmilchbanken bewegen.“
Mögliche Gründe, warum ein Neugeborenes nicht gestillt werden kann, gebe es mehrere, informiert der Mediziner. So könne es bei der Mutter Probleme mit der Milchdrüse geben. Auch während Krebsbehandlungen kann das Baby nicht mit der eigenen Milch versorgt werden. Und weiter schildert Dušek:
„Des Weiteren kann es Probleme auf Seiten des Kindes geben, etwa seltene Stoffwechselerkrankungen wie Galaktosämie. In dem Falle kann das Neugeborene nicht gestillt werden, sondern braucht eine spezielle Ernährung. Aber dies ist wirklich nicht oft der Fall. Insgesamt können fünf Prozent der Mütter nicht stillen, was sehr wenig ist.“
Frauenmilchbanken werden direkt in Krankenhäusern betrieben. Tschechische Mediziner haben in der Geschichte dieser Einrichtungen eine wichtige Rolle gespielt. So soll die Idee dazu erstmals 1907 von einem Prager Kinderarzt namens Epstein präsentiert worden sein. Zwei Jahre später entstand die erste Humanmilchbank in Wien, unter führender Mitarbeit des Biochemikers Ernst August Příbram – einem Mitglied der angesehenen jüdischen Familie aus Prag.
In den Banken wird Milch von Frauen gesammelt, die mehr produzieren, als sie selbst benötigen. Ausgegeben wird die Nahrung dann zumeist an Frühgeborene oder kranke Babys. Inwiefern dieser Service auch umfassend genutzt wird, liege immer an dem Team, das sich darum kümmere, betont Dušek:
„Das ist ganz ähnlich wie bei Blutspenden. Die Frauenmilchbank bei uns im Kreis Südböhmen etwa funktioniert sehr anständig. Wir haben ein tolles Team an Krankenschwestern, das die Mütter regelmäßig aufsucht. Wir liefern Spendermilch in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern aus.“
Vor allem sei es wichtig, die betroffenen Frauen über die Möglichkeit der Spende zu informieren und so gute Bedingungen für sie zu schaffen, so Oberarzt Jiří Dušek.







