Wenig Bewegung, aber Alkohol: Tschechische Kinder leben ungesund

Eigentlich sollten sich Kinder jeden Tag bewegen und sicher nicht Alkohol trinken und Zigaretten oder Marihuana rauchen. Doch tschechische 11- bis 15-Jährige neigen immer mehr zu einem ungesunden Lebensstil. Im internationalen Vergleich schneiden sie dabei sehr schlecht ab. Dies zeigt der neueste Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Ergebnisse wurden diese Woche im tschechischen Gesundheitsministerium vorgestellt.

Tschechische Kinder gehen immer weniger raus um zu spielen. Anstatt Obst und Gemüse zu essen, greifen sie zu Süßigkeiten. Dazu kommen vermehrt Suchtmittel wie Tabak und Alkohol. Es steht schlecht um die Gesundheit des Nachwuchses im Land, wie der Bericht der WHO zeigt. Für den Vergleich wurden in Tschechien knapp 6000 Schulkinder befragt. In allen 41 Ländern waren es 230.000 Kinder. Zdeněk Hamřík leitet den Lehrstuhl für Körpererziehung an der Palacký-Universität im mährischen Olomouc / Olmütz:

„Der Bericht präsentiert sicher keine Neuigkeiten, aber er bestätigt einen negativen Trend. In einigen Aspekten belegt Tschechien mittlerweile unrühmliche vordere Plätze: Zum Beispiel liegen wir beim regelmäßigen Alkoholkonsum von 13- und 15-jährigen Kindern weltweit ganz vorne. Beim Zigarettenkonsum von 13-Jährigen liegen wir auf dem zweiten Rang. Schlecht sieht es auch bei der körperlichen Bewegung aus. Der sitzende Lebensstil greift um sich und führt zu Übergewicht.“

Zdeněk Hamřík (Foto: Tschechisches Fernsehen)
In Tschechien leidet heute jeder fünfte Junge und jedes zehnte Mädchen unter Übergewicht. Das ist allerdings ein verhältnismäßig neues Phänomen, wie Hamřík erläutert:

„Dies betrifft die jüngste Generation, die das Aufkommen neuer Computertechnik mit neuen Computerspielen und sozialen Netzen erlebt. Anstatt zu Fuß in die Schule zu gehen, fahren sie bei den Eltern im Auto mit. In der Freizeit überwiegen passive Tätigkeiten wie unter anderem Computerspiele. Die körperliche Bewegung nimmt bei den Jugendlichen seit zehn bis zwanzig Jahren immer weiter ab.“



Leoš Heger
Nur noch eines von fünf tschechischen Kindern bewegt sich ausreichend. Dabei liegen die Empfehlungen der WHO nicht gerade hoch: Täglich eine Stunde sollen reichen, und das muss noch nicht einmal sportliche Betätigung sein. Der ungesunde Lebensstil ist dabei auch ein Kostenfaktor. Weniger Übergewicht und weniger Genuss von Suchtmitteln könnten bei den Krankenkassen Milliardensummen einsparen, rechnete Gesundheitsminister Leoš Heger bei der Präsentation des Berichts in Prag vor. Universitätsprofessor Hamřík sieht dabei die gesamte Gesellschaft gefordert:

„Ziel der Studie ist es, Materialien für politische Entscheidungen zu liefern. Damit sind nicht nur die Ministerien gemeint, sondern auch regionale und lokale Entscheidungsträger. Wir sagen nur, wo die Probleme liegen, die Entscheidungen müssen im Rahmen der Gesundheitspolitik fallen. Ein gewisser Teil betrifft auch die Eltern der Kinder und ihre Erziehung.“

Gesundheitsminister Heger hat auf Kabinettsebene bereits eine Erhöhung der Tabaksteuer durchgesetzt. Nun würde er mit dem Finanzministerium über Steuern auf Alkohol verhandeln, ließ Heger wissen. Denn die WHO verweist darauf, dass Alkohol in Tschechien auch für Kinder viel zu leicht zugänglich ist.