Prügeleien und Obstkonsum: Studie vergleicht Verhalten ukrainischer und tschechischer Kinder

In Folge der russischen Invasion in der Ukraine sind zahlreiche Menschen in europäische Länder geflüchtet. Die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Aber wer sind die jungen Ukrainer? Wie unterscheidet sich ihre Lebensrealität von der ihrer Altersgenossen in Tschechien und dem Rest Europas? Diesen Fragen ist nun ein tschechisches Forscherteam nachgegangen.

Jan Mušuta | Foto: Olga Wassinkjewitsch,  Radio Prague International

Die Studie wurde in der vergangenen Woche vorgestellt. Ausgewertet wurden Daten der internationalen Befragung über das Gesundheitsverhalten von Schulkindern (HBSC), an der 48 Länder weltweit beteiligt sind. Dabei wird etwa erfasst, wie sich die Kinder in den jeweiligen Staaten ernähren und bewegen, aber auch wie sie soziale Medien nutzen oder ob sie Drogen konsumieren. Die ausgewerteten Daten aus der Ukraine decken den Zeitraum von 2002 bis 2018 ab. Befragt wurden über 6000 Kinder im Alter von 11, 13 und 15 Jahren. Die wichtigsten Erkenntnisse fasste bei der Präsentation der Studie Jan Mušuta vom tschechischen Schulministerium zusammen:

„Die Kinder in der Ukraine verfolgen die Trends in Europa und passen sich ihnen an. In den letzten zwanzig Jahren ist dahingehend eine Aufwärtsentwicklung festzustellen. Das zeigt, dass die Menschen in der Ukraine proeuropäisch eingestellt sind und uns sehr ähneln.“

Michal Kalman | Foto: Olga Wassinkjewitsch,  Radio Prague International

Michal Kalman ist Wissenschaftler für Körperkultur an der Palacký-Universität in Olomouc / Olmütz. Er erklärte, worauf sich die Soziologen besonders fokussiert haben:

„Zunächst haben wir uns angeschaut, wie gern die ukrainischen Kinder in die Schule gehen. 30 Prozent gaben an, dies sehr gern zu tun. Diese Zahl liegt weit über dem europäischen Durchschnitt von 21 Prozent. In Tschechien sehen die Zahlen nicht so gut aus. Lediglich elf Prozent freuen sich hierzulande auf die Schule.“

Untersucht wurde auch, wie sich die Kinder ernähren. Die Ukraine steht dahingehend sehr gut da, denn die meisten Kinder nehmen beispielsweise ein Frühstück zu sich, noch bevor sie in die Schule aufbrechen. Über dem europäischen Durchschnitt sind auch die Zahlen des Obstkonsums, wenngleich Tschechien dahingehend noch vor der Ukraine liegt. Zudem werden Mahlzeiten in der Ukraine häufig im Familienkreis eingenommen: „73 Prozent der Kinder essen einmal am Tag gemeinsam mit ihrer Familie“, führt Michal Kalman aus. „In Tschechien liegt dieser Wert bei lediglich 30 Prozent. Der europäische Durchschnitt beträgt 50 Prozent. Der Familienzusammenhalt spielt in der Ukraine also eine sehr wichtige Rolle“, sagt der Wissenschaftler.

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Eine positive Entwicklung ist in der Ukraine zudem festzustellen, was das Risikoverhalten angeht. Zwar rauchen dort mehr Kinder als in anderen europäischen Staaten, der Trend geht aber nach unten. 2002 konsumierte nämlich noch knapp ein Viertel der Mädchen Zigaretten, 2018 waren es schon nur noch sechs Prozent. Bei den Jungen ging die Entwicklung von 45 Prozent auf 15 Prozent zurück.

Im Vergleich mit anderen Ländern kommt es in der Ukraine jedoch deutlich öfter zu Mobbing und physischen Auseinandersetzungen. So sagt Michal Kalman:

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„Fast ein Viertel der 13- und 15-Jährigen gab an, sich in den letzten zwölf Monaten wiederholt an Prügeleien beteiligt zu haben. Doch die Zahlen in Tschechien sehen sogar noch schlechter aus.“

So die Einschätzung von Michal Kalman. Vor allem die tschechischen Jungen liegen nämlich über dem europäischen Durchschnitt. So prügeln sich hierzulande 25 Prozent der 11-Jährigen, 22 Prozent der 13-Jährigen und 16 Prozent der 15-Jährigen.