Wie der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland die Strompreise in Tschechien beeinflusst
Was beeinflusst die Höhe der Strompreise in Tschechien? Darum geht es in einem Interview mit einem Experten des Energiekonzerns ČEZ, das am Dienstag in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks ausgestrahlt wurde. Besonders interessant ist dabei, welchen Zusammenhang es mit dem Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland gibt.
Bisher sind bisher die Strompreise an den Börsen in Europa in diesem Jahr angestiegen. Im zweiten Quartal legten sie um 25 Prozent zu gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025. Die Gründe sind vor allem die Hitzewellen und die Blockade der Straße von Hormus. Und so langsam würden daher auch die Strompreise für die Verbraucher in Tschechien ansteigen, teilte die Energieregulierungsbehörde (ERÚ) mit. Für die kommenden Jahre gehen die Händler jedoch von einem Rückgang der Strompreise hierzulande aus.
Sinkende Preise in nächsten Jahren
Pavel Řežábek ist Hauptökonom des tschechischen halbstaatlichen Energiekonzerns ČEZ. Er bestätigt diese Aussichten und sagt, dass vor allem die erneuerbaren Energien zum Preisrückgang beitragen würden:
„Der deutsche Markt ist am liquidesten in Europa. Dort heißt es, dass für das kommende Jahr der Preis bei 111 Euro je Megawattstunde liegen werde. Und 2030 sollte er nur noch 78 Euro betragen. Der Rückgang ist sehr deutlich. Die Faktoren sind billigeres Erdgas und der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in ganz Europa.“
Kritiker merken aber regelmäßig an, dass die Erneuerbaren zwar die Marktpreise drücken, aber den regulierten Anteil am Strompreis erhöhen würden. Unter Letzterem versteht man Netzentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Das bestätigt auch Řežábek, rechnet aber genauer vor:
„Es ist durchaus so, dass der Großhandelspreis durch die Erneuerbaren sinkt, aber stattdessen der regulierte Teil des Preises ansteigt. Doch dies geschieht nicht im Faktor eins zu eins. Denn der Großhandelspreis sinkt deutlich stärker, als der Preis für den regulierten Anteil steigt. Das gilt vor allem, wenn der Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion noch unter 50 Prozent liegt.“
Bei Erneuerbaren auf letztem Platz in der EU
Das ist auch der Fall Tschechiens. Allerdings ist das Land im ersten Quartal dieses Jahres auf den letzten Platz innerhalb der EU abgerutscht, was den Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion angeht. Nur 13,4 Prozent waren es, während Vorreiter Dänemark auf 88,5 Prozent kam. Beim Nachbar Deutschland waren es etwas mehr als die Hälfte (53,3 Prozent).
Immerhin kann Řežábek die Verbraucher in Tschechien beruhigen, dass die Strompreisbildung nicht nur inländisch erfolgt.
„Letztlich schlägt sich auch der Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland in den Preisen hierzulande nieder. Wenn dort weitere Anlagen entstehen und der Preis in Deutschland sinkt, geht er auch in Tschechien zurück – wegen der Stärke des deutschen Marktes. Dabei gibt es aber zwei Einschränkungen. Zum einen ist der hiesige Preisrückgang geringer. Zum anderen besteht die Frage der Energiesicherheit. Wenn wir den Strom aus erneuerbaren Energien im eigenen Land herstellen, geschieht das unter der Jurisdiktion der tschechischen Regierung – und das erhöht die Sicherheit“, meint der Fachmann.
Billigere Strompreise in Deutschland
Gerade im Sommer bestünden nur geringe Preisunterschiede zwischen beiden Ländern, rechnet der Wirtschaftsexperte weiter vor:
„Wenn dann zum Winter hin der Wind aufkommt und sich die Windräder drehen, drückt das die Preise in Deutschland extrem nach unten. Wir sind über zwei Hauptleitungen mit unserem Nachbarland verbunden: Eine führt über das Erzgebirge, die andere entlang der Autobahn bei Rozvadov. Das heißt, über diese Drähte kommt die billige Energie auch nach Tschechien.“
Allerdings ist die Kapazität dieser grenzüberschreitenden Stromleitungen begrenzt. Sie liege bei 2500 Megawatt, sagt der Hauptökonom von ČEZ. Und das hat Folgen für die Strompreise. Während dieser in Deutschland weiter falle, komme er hierzulande irgendwann zum Stehen.
„Das lässt sich mehrfach im Winter beobachten. Wenn es stark windet, ist der deutsche Marktpreis niedrig, der tschechische aber irgendwo im europäischen Mittelfeld. Das Ergebnis für das gesamte vergangene Jahr war, dass in Deutschland die stundenweisen Strompreise an den Börsen im Schnitt um sieben Euro je Megawattstunde niedriger lagen als in Tschechien. Und wenn wir hier die erneuerbaren Energien nicht ausbauen, was eine legitime Entscheidung ist, müssen wir damit rechnen, dass die Preise einfach weiterhin höher liegen werden“, so die Schlussfolgerung des Experten.
Die Verbraucher jedenfalls sind davon abhängig, wie ihre Anbieter niedrigere oder höhere Marktpreise in die Preisgestaltung einfließen lassen.










