Wie der Opa so die Enkelin: Snowboarderin Ledecká holt Gold

Ester Ledecká (Foto: ČTK)

Richtig hoch sind die tschechischen Berge nicht, dafür aber gut zu erreichen. Denn von jedem Ort aus ist man hierzulande schon in zwei Stunden in einem der Skigebiete. Das ist einer der Gründe, warum die tschechischen Wintersportler relativ erfolgreich sind. Und seit kurzem gilt das auch im Snowboard. Der jüngste Streich gelang bei der WM am österreichischen Kreischberg.

Ester Ledecká (Foto: ČTK)
Erst 19 Jahren jung und doch schon ganz oben angelangt: Ester Ledecká ist neue Weltmeisterin im Snowboard-Parallelslalom. Im Wettkampf schaltete die Tschechin zunächst die amtierende Titelträgerin aus Russland aus – und im Finale ließ sie auch noch die österreichische Olympiasiegerin Julia Dujmovits hinter sich. Verdientes Gold also, zumal Ledecká schon bei den Juniorinnen ihre Klasse unter Beweis gestellt hatte. Die Freude war bei der jungen Athletin groß:

„Ich kann es noch gar nicht glauben, das ist wahnsinnig toll!“, so Ester Ledecká unmittelbar nach dem Rennen.

Jan Klapáč (Foto: Archiv HC Dukla Jihlava)
Die Pragerin stammt aus einer musikalisch-sportlichen Familie: der Vater ein erfolgreicher Popsänger, die Mutter früher Skiläuferin und der Großvater ehemaliger Eishockeyspieler. Besonders von der Medaillensammlung ihres Opas Jan Klapáč war Ledecká schon als Kind beeindruckt:

„Mein Opa ist Weltmeister, und ich wollte immer so sein wie er. Jetzt habe ich mich ihm wenigstens ein bisschen angenähert. Das war mein ganz großer Traum, der ist nun in Erfüllung gegangen.“

Ledeckás Großvater gehörte 1972 zur tschechoslowakischen Goldmannschaft, insgesamt hat er sieben Mal bei Eishockey-Weltmeisterschaften eine Medaille gewonnen. Der frühere Stürmer stellt für seine Enkelin das Konditionstraining zusammen. Doch den größten Anteil an ihrem Erfolg hat wohl Trainer Richard Pickl. Der Österreicher hatte seinen tschechischen Schützling bereits zu den Olympischen Spielen in Sotschi auf Medaillenkurs gebracht – doch dann machte ein Bandscheibenvorfall Ledeckás Chancen zunichte. Deswegen hatte sie bei der Vorbereitung auf diese Saison im amerikanischen Colorado vorgesorgt. Erstmals war ein eigener Physiotherapeut dabei.

Ester Ledecká (Mitte). Foto: ČTK
Das alles hat sich ausgezahlt, und so konnte Ester Ledecká sozusagen den Staffelstab von Eva Samková übernehmen. Die zwei Jahre ältere tschechische Olympiasiegerin im Snowboard-Cross hat bei der WM eine Medaille verpasst.

Während Ledecká vielleicht auf dem Weg zu einer großen Sportkarriere ist, bleibt noch die Frage: Was hält sie eigentlich von der Musik ihres Vaters?

„Ich weiß nicht, er macht eher so Schmuserock, das kann er auch ganz gut. Wir haben beim Aufwärmen aber lieber INXS gehört, Eagles of Death Metal und Lenny Kravitz.“

Autor: Till Janzer
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