Wie geht es Tschechiens Wäldern? Im neuen DendroNetwork werden genaue Daten gesammelt
Fast 200 Bäume in ganz Tschechien wurden gerade mit Sensoren bestückt. Diese sammeln Daten für das neue DendroNetwork.
Jan Krejza stapft durch einen Wald bei Popovice, südlich von Brno / Brünn. Er ist promovierter Waldingenieur und arbeitet am Institut zur Erforschung globaler Veränderungen, das zur tschechischen Akademie der Wissenschaften gehört. Bei seinem Spaziergang macht Krejza Halt an einem Metallpfahl, der in der Erde steckt, und erläutert:
„Dies ist eine Vorrichtung, um Daten aus verschiedenen Sensoren zu sammeln und zu verschicken. Das sind zum Beispiel Dendrometer, die an den umstehenden Bäumen installiert sind.“
Diese Sensoren sind durch ein Metallband knapp über der Erde an dem jeweiligen Baum befestigt. Der Detektor erinnert von seiner Form her an ein kleines Zirkuszelt…
„Durch das Metallband, das den Baum umfasst, zeigt das Dendrometer an, wie der Stamm pulsiert. Den Tag über schrumpft der Stamm eher, weil das Wasser über die Blätter verdampft. In der Nacht wird das Wasser dann wieder aufgefüllt, und es bilden sich neue Holzzellen.“
Das Dendrometer nimmt das Pulsieren des Stammes auf ein Tausendstel Millimeter genau wahr. Die Wissenschaftler gewinnen dadurch Informationen über den Wasserhaushalt oder die Kohlenstoffbindung – also einfach darüber, was in dem Baum vorgehe, fasst Krejza zusammen. Gemessen werden auch Feuchtigkeit und Temperatur von Boden und Luft, ebenso wie die Intensität der Sonneneinstrahlung.
Außerdem werden im Umfeld der kleinen Messstation Proben genommen. Krejza bohrt gerade ein langes Röhrchen in den Baumstamm hinein und zieht ein etwa zehn Zentimeter langes Stück Holz heraus. Den Jahresringen zufolge könnte es Daten aus den vergangenen 20 Jahren liefern, schätzt Krejza, als er das Holzstück später im Labor unter das Mikroskop legt. Auf dem Monitor erscheint ein rosa Netz.
„Was aussieht wie Löcher, sind die einzelnen Holzzellen. Uns interessiert, wie groß sie sind und wie dick ihre Wände ausfallen. Daran können wir erkennen, wie es dem Baum in der Vergangenheit ergangen ist.“
Die Informationen aus den Dendrometern und zusätzlichen Satellitenaufnahmen werden in der neuen Plattform DendroNetwork gesammelt. Auf der Website dendronet.cz gibt es eine Karte Tschechiens, auf der alle 185 Messstationen als kleine schwarze Punkte eingezeichnet sind. Sie schicken zweimal täglich aktuelle Daten in das Netzwerk, die durch einen Klick auf den Punkt eingesehen werden können. Nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch Förster oder zuständige Verwaltungen beobachten damit in Echtzeit, wie es den Bäumen gerade geht. Tomáš Rebok vom Informatikinstitut der Masaryk-Universität Brünn erläutert die weitere Farbgebung:
„Die jeweilige Farbe stellt den Wert der von uns beobachteten Kriterien dar. Blau zeigt einen problemlosen Zustand, während Rot einen kritischen Wert anzeigt, auf den wir uns konzentrieren müssen.“
Die Datengrundlage wird jeden Tag reicher und ermöglicht damit einen langfristigen Überblick zum Zustand der Wälder im Land. Für Jan Krejza ist der Fortschritt eindeutig:
„Bei Datensammlungen dieses Typs wurden die Werte bisher in einem Intervall von fünf bis zehn Jahren erhoben. Dabei musste ein Mensch den Baum direkt vor Ort messen oder seinen Zustand vom Anblick her bewerten.“
Das Dendrometer-Netz in Tschechien ist den Wissenschaftlern zufolge nun dicht genug angelegt. Als nächster Schritt soll die Zusammenarbeit mit Kollegen im Ausland aufgenommen werden. Die Forscher wollen die Sensoren möglichst in ganz Europa anbringen.







