Wintereinbruch sorgte einmal mehr für Verkehrskollaps

Lkws blokieren Straßen (Foto: ČTK)

Wie in ganz Mitteleuropa hatte auch Tschechien in den vergangenen Tagen mit großen Neuschneemengen zu kämpfen. Von Montag bis Donnerstag fielen in Prag und Nordböhmen bis zu 30 Zentimeter Neuschnee, auch in Westböhmen liegen über 20 Zentimeter Schnee. Was Wintersportler und Skiliftbetreiber frohlocken lässt, bereitete Autofahrern und Bahnreisenden erhebliche Schwierigkeiten. Daniel Kortschak informiert.

Viel Schnee liegt auch in Prag  (Foto: ČTK)
„Verspätungsmeldung“. Durchsagen wie diese waren ab Mittwochnachmittag auf nahezu jedem tschechischen Bahnhof zu hören. Starke Schneefälle und tiefe Temperaturen ließen Weichen einfrieren und setzten Lokomotiven und Waggons außer Betrieb. Besonders betroffen war einmal mehr die wichtige Transitstrecke von Děčín / Tetschen über Prag und Brno / Brünn nach Břeclav / Lundenburg. Knapp drei Stunden Verspätung hatte der Eurocity „Hungaria“ von Berlin nach Budapest, zwei Stunden der Eurocity „Johannes Brahms“ von Berlin nach Wien. Ähnlich hohe Verspätungen gab es auch auf der Verbindung Prag – Pilsen und weiter nach Bayern sowie in Richtung Polen und Slowakei. Absoluter Spitzenreiter war am Donnerstag der Eurocity „Polonia“ von Warschau über Ostrava / Ostrau nach Wien, der Tschechien mit über fünf Stunden Verspätung in Richtung Österreich verließ. Einige internationale Schnellzüge fielen ganz aus, auch im Prager S-Bahn-Verkehr wurden viele Verbindungen gestrichen. Zu den Ursachen der Verspätungen sagte der Sprecher der Tschechischen Bahnen (ČD), Petr Šťáhlavský gegenüber dem Tschechischen Fernsehen:

Petr Šťáhlavský  (Foto: www.ct24.cz)
„Ganz Europa hat mit dem Schnee zu kämpfen. Viele Züge kamen schon verspätet aus dem Ausland. Die Schneeräumung ist Aufgabe des staatlichen Schienennetzbetreibers. Es ist klar, dass deren Leute nicht überall zugleich sein können, um die Weichen vom Schnee zu befreien.“

Bleibt die Frage, warum der in den vergangenen Jahren mit Milliardenaufwand ausgebaute Eisenbahn-Transitkorridor nicht besser wintertauglich gemacht wurde.

Foto: ČTK
Noch schlimmer als im Bahnverkehr sah es auf Tschechiens Straßen aus. Von Mittwochnachmittag bis Donnerstagabend gab es auf beinahe allen Autobahnen und wichtigen Fernstraßen kaum ein Weiterkommen. Zahlreiche Unfälle und hängengebliebene Lastwagen blockierten die Straßen. Vor allem wegen schlecht ausgerüsteter Lkw völlig zusammengebrochen ist am Mittwochabend der Verkehr auf den Hauptverkehrsrouten in Prag. Das erst vor Kurzem eröffnete neue Teilstück des Prager Autobahnrings wurde ebenso durch Lastautos blockiert wie die Ausweichstrecke über den Stadtring. Im Stau steckten auch zahlreiche Schneepflüge und Einsatzfahrzeuge. Ein Krankenwagen aus Mittelböhmen stand auf der Rückfahrt von einem Patiententransport sogar mehr als acht Stunden auf dem Prager Stadtring, eingeklemmt zwischen großen Lastern.

Die Stadtverwaltung habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Straßen schnell vom Schnee zu räumen, sagte der neue Prager Verkehrsstadtrat, der Sozialdemokrat Karel Březina, im Tschechischen Fernsehen. Die Regelung des Lkw-Verkehrs sei Sache der staatlichen Polizei.

„Wir haben gemeinsam mit der Polizei überlegt, ob wir die Durchfahrt durch Prag für Lkw sperren. Die Polizei in Mittelböhmen hat uns gebeten, das nicht zu tun. Denn damit hätten wir das Problem nur vor die Tore der Stadt verlagert.“

Foto: ČTK
Doch nicht nur Lkw sorgten für Probleme auf den verschneiten tschechischen Straßen. Für viele Unfälle waren auch Pkw mit Sommerreifen verantwortlich. Um das Problem der schlecht ausgerüsteten Fahrzeuge in Zukunft in den Griff zu bekommen, denkt das Verkehrsministerium nun über die Einführung einer generellen Winterreifenpflicht nach deutschem Vorbild nach. Bisher gilt eine solche in Tschechien nur auf speziell gekennzeichneten Straßenabschnitten.

schlüsselwort:
abspielen