Zehntausende Menschen demonstrierten in tschechischen Städten zur Unterstützung der Forderungen der streikenden Fernsehmitarbeiter

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Bereits zum zweitenmal innerhalb von acht Tage sind am Donnerstagabend auf dem Prager Wenzelsplatz Zehntausende Menschen zusammengetroffen, um die Forderungen der streikenden Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens-CT zu unterstützen. Demonstrationen fanden auch in anderen tschechischen Städten statt. Martina Schneibergova war auf dem Wenzelsplatz dabei:

Nach Schätzungen sind am Donnerstag auf dem Wenzelsplatz 60.000-80.000 Menschen zusammengekommen, die sich vor allem vor zwei großen Leinwänden - vor dem St. Wenzelsdenkmal und in der Mitte des Wenzelsplatzes - versammelten. Zwei Stunden vor dem Beginn der Protestversammlung trat der Generalintendant des Senders Jiri Hodac zurück, auf diese Information reagierten die Demonstranten mit Jubel:

"Besser spät, als überhaupt nicht" - wurde Hodacs Rücktritt kommentiert. Auf der Demonstration, die von der Bürgerinitiative "Das Tschechische Fernsehen - eine öffentliche Angelegenheit" organisiert wurde, sprachen neben den Begründern dieser Initiative, Vertreter der Gewerkschaften sowie mehrere Künstler. Sie betonten vor allem, dass mit Hodacs Rücktritt jedoch noch nicht alle Forderungen der Streikenden erfüllt worden seien. Bretislav Rychlik von der erwähnten Bürgerinitiative erklärte: "Unser Protest gegen den unverschämten Versuch bestimmter politisch-unternehmerischer Cliquen, den Raum des öffentlichen Interesses zu beherrschen, dauert bereits 23 Tage lang. Jiri Hodac trat zurück, aber unsere anderen Forderungen wurden nicht erfüllt. Am vergangenen Freitag sahen wir in der Direktübertragung vom Abgeordnetenhaus Politiker, die sich arrogant und verächtlich den Bürgern gegenüber verhielten. Sie verwandelten die Räumlichkeiten, die wir als Steuerzahler finanzieren, in den Schauplatz von Parteigeschäften und Lügen."

Rychlik sowie andere Redner erinnerten an die anderen Forderungen der Streikenden, zu denen der Rücktritt der von Hodac ernannten Leitung des Senders und des Fernsehrates sowie die Verabschiedung eines novellierten Fernsehgesetzes zählen. Darin sollen die Regelungen für die künftige Wahl des Fernsehrates verankert werden, die nicht mehr nach dem Parteischlüssel erfolgen soll. Die Demonstranten wurden auch von einem Vertreter der Solidarnosc im polnischen Fernsehen - Jaroslaw Najmola begrüßt:

"Hallo Prag, wir sind Mitarbeiter des Polnischen Fernsehens und wir sind gekommen, um Sie und Ihre Kollegen im Tschechischen Fernsehen in ihrem gerechten Krieg zu unterstützen. Wir sind während der letzten zwei Wochen bereits zum zweiten Mal gekommen und sind bereit, unsere Kollegen bis zum Ende zu unterstützen. Wir hoffen, dass Sie sie auch unterstützen werden. Wir werden gemeinsam siegen. Diesen Sieg brauchen Sie sowie andere Sender in anderen Ländern. Halten Sie durch."

An die Tatsache, dass die Bürger sowie die Streikenden weiter durchhalten müssen und es nicht aufgeben sollen, wurde auf der Demo ebenfalls erinnert. Es schien, der Streit um die Unabhängigkeit des Fernsehens habe die tschechische Gesellschaft wachgerüttelt. Darüber befragten wir während der Demo den Soziologen und katholischen Priester Tomas Halik nach seiner Meinung:

Für die Ermunterung der Demonstranten sorgte - wie auch das letzte Mal - der Sänger Ivan Hlas mit seinem Lied "Tahnete do haje", das inzwischen fast zur Hymne der Protestierenden geworden ist:

Vor dem Nachrichtenstudio in Prag fand eine kleine Gegendemonstration statt. Ca. 150 Menschen bezeichneten sich als "Ghostbusters". Ihr Sprecher Jan Kühn bemerkte: "Mit dieser Versammlung möchten wir darauf aufmerksam machen, dass wir der Meinung sind, dass in diesem Gebäude - durch dessen Besetzung - Gesetze verletzt werden."