Zeman-Party am Staatsfeiertag? Auszeichnungen des Präsidenten sorgen für Kritik

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Am 28. Oktober wird in Tschechien alljährlich an die Gründung der Ersten Republik im Jahr 1918 erinnert. An diesem Tag gibt es traditionell im ganzen Land Gedenkveranstaltungen, zudem verleiht der Staatspräsident die höchsten staatlichen Auszeichnungen an verdiente Persönlichkeiten – dazu zählten dieses Jahr etwa Miroslav Zikmund, Karel Kryl und Sir Nicholas Winton. Zu den Preisträgern gehörten aber auch gleich mehrere alte Bekannte von Miloš Zeman, deren Verdienste nicht allen einleuchten. Keine Einladung zu den Feierlichkeiten erhielten hingegen einige Hochschulrektoren.

Nicholas Winton (Foto: ČTK)
Über den Preisträger Nicholas Winton gab es keine Debatten. Der Brite erhielt den Orden des Weißen Löwen aus den Händen von Miloš Zeman, weil er als Privatmann im Jahr 1939 hunderten zumeist jüdischen Kindern die Ausreise aus der Tschechoslowakei nach Großbritannien ermöglicht hatte. Die Kinder konnten so vor den Nazis gerettet werden. Trotz seiner 105 Jahre reiste der Sir Winton am Dienstag persönlich nach Prag zur Preisverleihung. Posthum geehrt wurde mit Winston Churchill ein weiterer Brite und großer Unterstützer der Ersten Republik. Kritik hagelte es jedoch, weil sich unter den lebenden Preisträgern gleich mehrere befinden, die Zeman zu seinen persönlichen Freunden zählt.

Filip Renč und Robert Sedláček (Foto: ČTK)
Den Preisträger und ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Vranitzky begrüßte Zeman als „lieben Franz“ auf Deutsch. Auch den amtierenden slowakischen Premierminister Robert Fico pries Zeman in höchsten Tönen. Mit Filip Renč und Robert Sedláček wurden zwei Filmleute mit einem Verdienstorden ausgezeichnet. Renč hatte im vergangenen Jahr einen Wahlwerbespot für die Präsidentschaftskampagne von Zeman gedreht. Sedláček wiederum zeichnet verantwortlich für einen Dokumentarfilm über Zeman aus dem Jahr 2007. Damals hatte sich der heutige Präsident noch in der Rolle des Elder Statesman ablichten lassen. Persönliche Vorlieben hatten auch Zemans Vorgänger Klaus und Havel bei der Auswahl der staatlichen Preisträger beeinflusst. Zeman allerdings geht nun zu weit, sagen Kritiker. Mit einer solchen Auszeichnung verstärke Zeman die Stimmen, die der Meinung sind, hier werde ein staatlicher Feiertag mit dem eigenen Geburtstag verwechselt, so kommentierte etwa der Politikwissenschaftler Stanislav Balík die Auszeichnung von Sedláček. Neben den Preisträgern rief auch die Einladungspolitik des Präsidenten Kritik hervor. Der Rektor der Südböhmischen Universität in České Budjějovice / Budweis, Libor Grubhoffer, und Mikuláš Bek von der Masaryk-Universität in Brno / Brünn fehlten beim abendlichen Staatsakt auf der Prager Burg. Grubhoffer hatte sich im vergangenen Jahr vehement für die Professur von Martin Putna eingesetzt. Zeman lehnte diesen wegen seiner Homosexualität offen ab. Miroslav Kalousek von der Top 09 erschien daher mit Buttons der nicht-geladenen Universitäten am Jackett.

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„Es handelt sich um einen staatlichen Feiertag, keine private Party des Staatspräsidenten, sondern um den bedeutendsten staatlichen Feiertag überhaupt. Der Präsident pfuscht hier wie ein Herrschender in die öffentlichen Angelegenheiten. Die Hochschulrektoren gehören genauso hierher wie die Vertreter von Kirche, Armee, Senat und der Staatspräsident selbst.“

Ganze Stuhlreihen blieben am Dienstagabend bei den Feierlichkeiten im Wladislaw-Saal auf der Prager Burg unbesetzt. Hochschulrektoren und Politiker wie die kürzlich abgewählte Senatorin Alena Gajdůšková blieben dem abendlichen Staatsakt aus Protest gegen Zeman fern. Insgesamt wurden 33 Personen mit den Staatspreisen ausgezeichnet. Neben dem höchsten Orden des weißen Löwen, den dieses Jahr Winton, Churchill, Fico und Vranicky erhielten, werden am 28. Oktober auch der Masaryk-Orden sowie weitere staatliche Verdienstorden verliehen.