Zeman wirbt in Moskau für tschechisch-russische Gemeinschaftsprojekte

Milos Zeman, photo: CTK

Der tschechische Premier Milos Zeman weilt dieser Tage zu einem hierzulande vielbeachteten offiziellen Besuch in Russland. Dabei stehen vor allem ökonomische Gesichtspunkte im Blickpunkt des Interesses. Aus diesem Grunde wurde Zemans Regierungsdelegation auch von einer Abordnung tschechischer Unternehmer begleitet, die in Moskau für weitere Projekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder werben will. Lothar Martin mit den Einzelheiten.

Zeman wirbt in Moskau, Photo:CTK
Gleich zum Auftakt seines Aufenthaltes in Moskau nahm Zeman am Montag an der feierlichen Eröffnung des Produktionsbetriebs im ersten tschechisch-russischen Gemeinschaftsunternehmen Eletec výtahy teil und besichtigte die neue Produktionsstätte. Das Unternehmen, in dem Aufzüge hergestellt werden, wird durch die Prager Gesellschaft ELETEC výtahy und das Moskauer Werk für Elektrotechnik MEL gebildet. Die tschechische Firma hatte sich zuvor gegen eine starke internationale Konkurrenz, darunter die amerikanische Firma OTIS, durchgesetzt. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde erst in diesem Jahr ins Handelsregister eingetragen, die gemeinsame Produktion läuft jedoch schon seit vergangenem Jahr. Hierbei sind in Moskau schon rund 80 Aufzüge modernisiert worden. Und die Auftragslage ist weiter steigend. Dank der Kapazität der neuen Produktionsstätte will man ihr gerecht werden, denn sie soll die Herstellung von 150 Aufzügen pro Monat ermöglichen. Das Unternehmen rechnet mit der Schaffung von rund 700 neuen Arbeitsplätzen. Der durchschnittliche Lohn für die Arbeitnehmer liegt derzeit bei 6000 Rubel (ca. 193 Dollar) im Monat.

Solche Gemeinschaftsprojekte sollen nach Wunsch beider Seiten in Zukunft noch mehr entstehen. Premier Zeman besuchte am Montag jedoch auch einen im 60 km von Moskau entfernten Elektrostal ansässigen Hersteller von radioaktiven Brennelementen. Und das nicht ohne Grund. Denn neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder bildet der Abbau der russischen Schulden gegenüber Tschechien einen der wichtigsten Verhandlungspunkte in den Gesprächen von Zeman mit den russischen Spitzenpolitikern. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Michail Kasjanov sollte Zeman hierbei am Dienstag ein beiderseitigen Abkommens unterzeichnen, in dem die Vereinbarungen zur Tilgung dieser Schulden festgehalten sind. Welche Vereinbarungen dies seien, darüber informierte der Moskauer Korrespondent des Tschechischen Rundfunks Petr Voldán wie folgt: "Im Vertrag sollten ein Dokument über die Lieferung von Militärtechnik und Ersatzteilen, eine Vereinbarung über die Tilgung der Schulden durch die Lieferung von Schiffen für die Binnen- und Hochseeschifffahrt sowie ein Dokument über die Begleichung eines Teils der Schuld mittels der Lieferung von Brennelementen enthalten sein."